Deutschlandticket 2025 gesichert - aber nicht langfristig
15.11.2024 - 11:32:31 | dpa.deUnions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz machte deutlich, dass er "schwierige Verhandlungen" zur Finanzierung des bundesweit gĂŒltigen Tickets ĂŒber 2025 hinaus erwartet. Die Unionsfraktion signalisierte nach dem Scheitern der Ampel-Koalition zugleich Zustimmung zu einer GesetzesĂ€nderung, mit der die Finanzierung im kommenden Jahr abgesichert werden soll.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb auf der Plattform X, es sei gut, dass das Deutschlandticket verlĂ€ngert werde. "Es ist gut fĂŒr unser Land, dass wir da, wo wir einig sind, auch einig handeln." Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sowie LĂ€nder forderten eine dauerhafte Lösung zur Finanzierung des Tickets ab 2026.
Lösung fĂŒr 2025 in Sicht
Seit Mai 2023 kann mit dem Deutschlandticket der öffentliche Nahverkehr im ganzen Land genutzt werden - unabhÀngig von Bundesland, Verkehrsverbund oder Tarifgebiet. Aktuell kostet es in der Regel 49 Euro im Monat, im neuen Jahr sollen es nach einem Beschluss der LÀnder-Verkehrsminister dann 58 Euro sein. Rund 13 Millionen Menschen nutzen das Ticket.
Das Ticket sorgt aber fĂŒr EinnahmeausfĂ€lle bei Verkehrsunternehmen, weil es gĂŒnstiger ist als alte Tarife. Um die AusfĂ€lle auszugleichen, finanzieren Bund und LĂ€nder das Ticket mit jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Offen ist aber noch die Frage, wie eine drohende FinanzierungslĂŒcke geschlossen werden soll. Dabei ging es darum, dass nicht genutzte Restmittel vor allem aus dem Jahr 2023 genutzt werden, weil das Ticket damals erst im Mai startete. Die Rede ist von Restmitteln in Höhe von 700 Millionen Euro.
Nach Angaben aus Unionskreisen ist das Geld bei den LĂ€ndern bisher gesperrt, es kann erst nach der Ănderung des Regionalisierungsgesetzes freigegeben werden. Die Ăbertragung der Restmittel hatten die LĂ€nder und Kanzler Olaf Scholz (SPD) im November 2023 vereinbart. Verkehrsunternehmen haben dies fest eingeplant.
Union will zustimmen
Der fĂŒr Verkehr zustĂ€ndige stellvertretende Unions-Fraktionschef Ulrich Lange (CSU) signalisierte am Donnerstagabend Zustimmung der Union zu der GesetzesĂ€nderung. Der notwendige Beschluss im Bundestag werde aber erst nach der Vertrauensfrage von Scholz gefasst, die am 16. Dezember geplant ist. Verliert Scholz diese, wie erwartet, ist der Weg frei fĂŒr die Neuwahl. Diese ist am 23. Februar geplant. Die Minderheitsregierung von Rot-GrĂŒn kann BeschlĂŒsse im Bundestag aktuell nur fassen, wenn sie Stimmen aus anderen Fraktionen fĂŒr sich gewinnt.
CDU-Chef Merz sagte am Morgen, die Unionsfraktion werde den Weg freimachen, dass das Ticket im nĂ€chsten Jahr nicht an einem kleineren Betrag scheitere. "Das Deutschlandticket 2025 wird es geben", so Merz. "SelbstverstĂ€ndlich scheitert das nicht an uns." Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD) begrĂŒĂte dies. Er sagte im ZDF-"Morgenmagazin", es wĂ€re aberwitzig, wenn das Deutschlandticket daran scheitere, dass Haushaltsreste nicht in das nĂ€chste Jahr ĂŒbertragen werden dĂŒrfen.
Finanzierung ab 2026 offen
Merz sagte aber zugleich, er erwarte schwierige Verhandlungen zur Finanzierung des Deutschlandtickets ĂŒber 2025 hinaus - also bei GesprĂ€chen nach der Neuwahl. Er sagte auf die Frage, wie er die Zukunft des Tickets nach 2025 sehe: "Das ist eine sehr schwierige Frage, die wir auch im Lichte der Haushaltsplanungen im nĂ€chsten Jahr beantworten mĂŒssen." Das Deutschlandticket sei wesentlich teurer geworden als ursprĂŒnglich geplant. "Die LĂ€nder haben groĂe Probleme, das auch umzusetzen mit den entsprechenden Strecken." DarĂŒber werde man im nĂ€chsten Jahr sprechen mĂŒssen.
Streit zwischen Bund und LĂ€ndern droht
Schon im Vorfeld der Ticket-EinfĂŒhrung stritten sich Bund und LĂ€nder lange ĂŒber die Finanzierung - das droht nun im kommenden Jahr erneut. "Wir wollen, dass so etwas wie ein Deutschlandticket erhalten bleibt", sagte Merz. Aber wie es finanziert werde und wer es dann finanziere, werde sicherlich "Gegenstand schwieriger Verhandlungen" im nĂ€chsten Jahr sein. Die Aufgabe, Regionalverkehr in Deutschland zu organisieren, sei in erster Linie LĂ€ndersache. "Der Bund hat eine Mitfinanzierungsverpflichtung, aber sicher keine alleinige Verpflichtung, es zu finanzieren."
CSU-Chef Markus Söder hatte mit Blick auf die schlechte Wirtschaftslage gesagt, auf Dauer könne das Ticket kaum gehalten werden. Bayerns MinisterprĂ€sident machte deutlich, die Zukunft des Tickets sei direkt gekoppelt mit einer vollstĂ€ndigen Finanzierung durch den Bund. Seine PrioritĂ€t sei Entlastung fĂŒr Bayern und mehr Investitionen in Infrastruktur.
NRW fordert langfristige Perspektive
Aus Sicht von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne) muss das Ticket ĂŒber das Jahr 2025 hinaus gesichert werden. "Eine der ersten Aufgaben der nĂ€chsten Bundesregierung muss die FortfĂŒhrung des Deutschlandtickets sein", sagte der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz. "Das ist vor allem auch fĂŒr Unternehmen wichtig, damit sie mit dieser Sicherheit mehr Jobtickets anbieten können. Je mehr Menschen das Ticket nutzen, desto sicherer ist die kĂŒnftige Finanzierung."
Bundesverkehrsminister Volker Wissing hatte sich dafĂŒr ausgesprochen, dass das Deutschlandticket ĂŒber 2025 hinaus "entfristet" wird. Gabriel Kapfinger, Verkehrsexperte beim Umweltverband BUND, sagte: "Neben einer Absicherung fĂŒr 2025 sollte die Union sich auch zu einer dauerhaften WeiterfĂŒhrung bekennen."
Verkehrsbranche: Dauerhafte Lösung nötig
Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Oliver Wolff, sagte: "Es ist gut, dass nun auch die Unionsfraktion die Finanzierung des Deutschlandtickets fĂŒr das kommende Jahr in den Haushaltsberatungen mit beschlieĂen will." Damit werde das Ticket nicht zum Thema im Bundestagswahlkampf und es gebe zumindest fĂŒr das kommende Jahr Planungssicherheit fĂŒr die Branche und FahrgĂ€ste.
"Allerdings zeigen die Debatten der letzten Tage auch, dass wir dringend gemeinsam mit Bund und LĂ€ndern an einer Lösung arbeiten mĂŒssen, damit das Deutschlandticket nicht Jahr fĂŒr Jahr aus finanziellen GrĂŒnden wieder infrage gestellt wird." Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Interessenverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege, forderte eine parteiĂŒbergreifende Zusage, dass das Ticket auch langfristig gewollt und finanziert werde.
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