Aktieninstitut fordert lebendigere Hauptversammlungen
11.09.2024 - 11:38:25 | dpa.deDer Wunsch von AktionĂ€rsvertretern und auch Unternehmen nach mehr Offenheit und Lebendigkeit scheitere an strengen juristischen Vorgaben, heiĂt es in einer Studie des DAI und der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, die in Frankfurt veröffentlicht wurde.
In Deutschland könnten schon kleine Fehler oder UnvollstĂ€ndigkeiten bei der Beantwortung von AktionĂ€rsfragen dazu fĂŒhren, dass ein Hauptversammlungsbeschluss durch eine Anfechtungsklage nichtig werde, hieĂ es. Unternehmen kommunizierten deshalb sehr vorsichtig und formalistisch. "Um die Debattenkultur in der Hauptversammlung zu verbessern, empfehlen wir, die rĂŒckwirkende Unwirksamkeit von BeschlĂŒssen auf fĂŒr den AktionĂ€r wesentliche, also schwere Fehler bei der Auskunftserteilung zu beschrĂ€nken", sagte Sabrina Kulenkamp, Partnerin bei Freshfields Bruckhaus Deringer.
Rechtliche HĂŒrden und Nachteile im Digitalen
Das sogenannte BeschlussmĂ€ngelrecht sei hierzulande im internationalen Vergleich sehr strikt, ergĂ€nzte Henriette Peucker, GeschĂ€ftsfĂŒhrende VorstĂ€ndin des DAI. "Dies ist weder im Sinne der Unternehmen noch der AktionĂ€re." Nötig sei eine begrenzte Reform.
Zusammen mit Freshfields Bruckhaus Deringer hatte das DAI rechtliche Bedingungen und praktische Erfahrungen bei Hauptversammlungen in Deutschland, GroĂbritannien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und den USA verglichen. Zudem wurden Interviews mit VorstĂ€nden von Unternehmen durchgefĂŒhrt.
Um Hauptversammlungen in Deutschland zu straffen, wird in der Studie empfohlen, dass Fragen vorab eingereicht werden sollten. Zudem sollten AntrĂ€ge grundsĂ€tzlich 14 Tage vor einem AktionĂ€rstreffen bekannt gemacht werden mĂŒssen, damit sich andere Anteilseigner frĂŒh eine Meinung bilden könnten.
AktionÀrsvertreter kritisierten schon lÀnger, dass es Hauptversammlungen in Deutschland an spontanem Austausch fehle, und sie kritisieren insbesondere rein virtuelle AktionÀrstreffen, die seit der Corona-Pandemie verbreitet sind. Sie sehen damit Rechte von Anteilseignern beschrÀnkt und die AktionÀrsdemokratie beschÀdigt.
Die Hauptversammlung ist neben Vorstand und Aufsichtsrat das wichtigste Entscheidungsgremium einer Aktiengesellschaft. Einmal im Jahr können AktionĂ€re dem Management persönlich die Meinung sagen. Zudem stimmen die Anteilseigner auf der Hauptversammlung zum Beispiel ĂŒber die Dividende oder Wahlen zum Aufsichtsrat ab.
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