FachkrÀftepotenzial im Osten weitgehend ausgeschöpft
01.07.2023 - 04:48:04Das ergab eine Abfrage der dts Nachrichtenagentur bei den Arbeitsministerien von Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Aus Dresden hieĂ es, dass fast ein FĂŒnftel aller Berufsgruppen als Engpassberufe eingeschĂ€tzt wird.
Im Freistaat werden bis Ende des Jahrzehnts voraussichtlich rund 200.000 Personen im arbeitsfĂ€higen Alter weniger leben, in Sachsen-Anhalt sind es sogar 300.000. "FĂŒr zwei BeschĂ€ftigte, die in Sachsen-Anhalt altersbedingt den Arbeitsmarkt verlassen, kommt derzeit nur eine junge, bereits hier lebende Person nach", sagte ein Ministeriumssprecher. Auch Brandenburg geht von einer Ă€hnlichen Entwicklung aus. In Mecklenburg-Vorpommern haben die meisten Unternehmen bereits Besetzungsprobleme bei Stellen fĂŒr FachkrĂ€fte: Besonders groĂ ist der FachkrĂ€ftebedarf in technischen und handwerklichen Berufen sowie im sozialen Dienstleistungsbereich, wie ein Ministeriumssprecher in Schwerin der dts Nachrichtenagentur sagte. Zuvor hatte eine Studie des Ifo-Instituts fĂŒr das Ministerium in Erfurt ein Ă€hnliches Ergebnis fĂŒr den thĂŒringischen Arbeitsmarkt ergeben. Demnach werden in ThĂŒringen bis zum Jahr 2035 altersbedingt etwa 385.000 Personen aus dem Arbeitsleben austreten, wovon etwa 138.000 Stellen nicht neu besetzt werden. Insofern sehen die LĂ€nder erhöhten Bedarf fĂŒr FachkrĂ€fte von auĂerhalb. "Unser Land ist deshalb auf Zuwanderung angewiesen", sagte ein Ministeriumssprecher in Magdeburg der dts Nachrichtenagentur. Deshalb begrĂŒĂe man "ausdrĂŒcklich die Impulse, die durch die bundesseitig verĂ€nderten gesetzlichen Rahmenbedingungen einhergehen", wie etwa das am Freitag beschlossene FachkrĂ€fteeinwanderungsgesetz. Zudem werde man Beratungs- und UnterstĂŒtzungsangebote ausbauen und weiterentwickeln, bei denen unter anderem in Lateinamerika medizinisches Personal angeworben werde. Mecklenburg-Vorpommern sieht in den RĂŒckkehrern und Auspendlern wichtige Zielgruppen, auch weil die FachkrĂ€ftepotenziale aus dem EU-Ausland stellenweise schon ausgeschöpft seien. FĂŒr das sĂ€chsische Arbeitsministerium sind zudem gute Löhne und Arbeitsbedingungen wichtige Faktoren bei der Anwerbung. AuĂerdem brauche es "passgenaue Qualifizierung". In Potsdam wird unterdessen die im Koalitionsvertrag vereinbarte "strategische Anwerbeoffensive zur Gewinnung von FachkrĂ€ften aus Drittstaaten" vorbereitet, wie eine Sprecherin der dts Nachrichtenagentur bestĂ€tigte. Der FachkrĂ€ftemangel wird schon seit LĂ€ngerem bundesweit diskutiert. Nach EinschĂ€tzungen des sĂ€chsischen Ministeriums treten diese Probleme aufgrund der demografischen Entwicklung in Ostdeutschland zuerst auf. "Jedes Bundesland wird dafĂŒr Sorge tragen mĂŒssen, dass Fach- und ArbeitskrĂ€fte sich im eigenen Bundesland wohlfĂŒhlen und dort arbeiten", hieĂ es aus Dresden. Unterschiedlich bewerten die LĂ€nder unterdessen ihre Chancen, FachkrĂ€fte von auĂerhalb zu gewinnen. Die Ifo-Untersuchung hatte fĂŒr ThĂŒringen in dieser Frage eine schwierige Situation bescheinigt. Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern schĂ€tzen das fĂŒr sich Ă€hnlich ein. Brandenburg profitiert laut eigener Aussage von einer "starken Pendlerverflechtung" mit dem Nachbarland Polen. Derzeit sind ĂŒber 22.000 polnische Pendler sozialversicherungspflichtig in Brandenburg beschĂ€ftigt, vor zehn Jahren waren es noch 3.343. Sachsen sieht unterdessen eigene Vorteile bei der Industrie im Land. "Die laufende Transformation der Wirtschaft bietet die Chance, dass wir uns in Sachsen mit neuen Produkten und Technologien an die Spitze setzen", so eine Sprecherin. In der ElektromobilitĂ€t beispielsweise sei der Freistaat fĂŒhrend: "Im vergangenen Jahr kamen rund 40 Prozent aller in Deutschland produzierten E-Fahrzeuge aus Sachsen", hieĂ es weiter. GroĂe, namhafte Ansiedlungen, aber auch eine Vielzahl mittelstĂ€ndischer Unternehmen stellten fĂŒr die AttraktivitĂ€t Sachsens ein "riesiges Potenzial" dar, auf dem man aufbauen könne und mĂŒsse.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


