Opec+, Kartell

Opec+ will Ölproduktion weiter drosseln

30.11.2023 - 20:27:54

Das Kartell will mit seiner Förderpolitik Preise stĂŒtzen. Das misslang diesmal. ZusĂ€tzlich stehen die Ölproduzenten vor dem Hintergrund der Weltklimakonferenz unter Druck.

Mitglieder des großen Ölkartells Opec+ wollen ihre Produktion im ersten Quartal des kommenden Jahres weiter reduzieren. Nach einer Online-Sitzung teilte die Gruppierung mit, dass die Ölgiganten Saudi-Arabien und Russland ihre bestehenden EinschrĂ€nkungen von insgesamt 1,3 Millionen Fass (je 159 Liter) pro Tag bis MĂ€rz beibehalten. Sechs weitere Mitglieder des Verbundes wĂŒrden ihre tĂ€glichen Fördermengen im nĂ€chsten Quartal zusĂ€tzlich um fast 700.000 Fass Rohöl drosseln, hieß es.

Die Ölpreise fielen trotz der KĂŒrzungen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete gegen Abend 81,50 US-Dollar (74,79 Euro). Das waren 1,38 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis fĂŒr ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel in Ă€hnlichem Ausmaß auf 76,60 Dollar. Hintergrund dĂŒrfte sein, dass sich nicht alle 20 LĂ€nder der Opec+ an der Angebotsreduktion beteiligen. Marktbeobachter mutmaßten, es fehle an Einigkeit.

Russland und die Opec+ bezifferten ihre geplanten KĂŒrzungen mit insgesamt 2,2 Millionen Barrel pro Tag. Darin sind jedoch die VerlĂ€ngerung der aktuellen Drosselungen durch Saudi-Arabien und Russland enthalten, sowie eine geplante Export-Reduktion von russischen Raffinerieprodukten.

Die Opec+ teilte außerdem mit, dass Brasilien Anfang kommenden Jahres dem Förderverbund beitreten soll. Das Land gilt als aufstrebender Erdölproduzent, der seine Produktion in den vergangenen Jahren bestĂ€ndig ausgeweitet hat.

Kritik von der IEA

Bislang hatten zehn Staaten der Organisation Erdölexportierender LĂ€nder (Opec), sowie zehn weitere LĂ€nder im Rahmen der Opec+ Förderziele abgestimmt, um Preise zu stĂŒtzen. Die von Saudi-Arabien und Russland dominierte Gruppierung fördern etwa 40 Prozent des globalen Öl-Angebots, das im Oktober rund 102 Millionen Fass pro Tag betrug.

Die Online-Sitzung des Kartells fand am Eröffnungstag der Weltklimakonferenz (COP28) statt. Das UN-Umweltprogramm (UNEP) hatte vor dieser Konferenz in Dubai darauf hingewiesen, dass die weltweit geplanten Fördermengen an Öl, Gas und Kohle weiterhin deutlich ĂŒber dem Niveau lĂ€gen, das mit der EindĂ€mmung des Klimawandels vereinbar wĂ€re.

Die von Industriestaaten gegrĂŒndete Internationale Energieagentur (IEA) kritisierte vor der Klimakonferenz in einem Bericht, dass der Öl- und Gassektor «bei der Energiewende von der Seitenlinie aus zuschaut». Die IEA forderte, nicht mehr nach neuen Fördergebieten zu suchen, und Emissionen bei Transport und Förderung von Rohstoffen drastisch zu reduzieren.

OPEC-GeneralsekretĂ€r Haitham Al Ghais reagierte diese Woche verĂ€rgert. «In einer Welt, in der wir mehr Dialog brauchen, ist es nicht konstruktiv, mit dem Finger auf Andere zu zeigen», sagt er ein einer Stellungnahme. Globale CO2-Emissionen sollten zwar reduziert werden, gleichzeitig mĂŒsse aber Wirtschaftswachstum, sozialer Aufstieg und Energieversorgung gesichert sein, betonte Al Ghais.

@ dpa.de