ROUNDUP, Moskau

Moskau verĂ€rgert, Kiew erfreut ĂŒber Trumps Zolldrohung

29.07.2025 - 06:35:03

Das neue Ultimatum von US-PrĂ€sident Donald Trump in seinen BemĂŒhungen um Frieden in der Ukraine hat in Moskau und Kiew gegensĂ€tzliche Reaktionen hervorgerufen.

Der ehemalige russische PrĂ€sident Dmitri Medwedew warnte vor einem Krieg zwischen Russland und den USA. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj wertete Trumps AnkĂŒndigung hingegen als Schritt auf dem Weg zu Frieden, der nur aus einer Position der StĂ€rke heraus erreichbar sei.

Trump hatte gestern wĂ€hrend eines Treffens mit dem britischen Premierminister Keir Starmer verkĂŒndet, den Druck auf den Kreml zu erhöhen. Er werde die Frist von 50 Tagen, nach deren Ablauf deutlich höhere Zölle fĂŒr Russlands Handelspartner drohen, auf "zehn oder zwölf" Tage reduzieren, sagte der 79-JĂ€hrige. Die neue Zielmarke gelte "ab heute" (Montag), fĂŒgte er hinzu. Damit verkĂŒrzt sich die eigentlich auf Anfang September terminierte Frist fĂŒr das Erreichen einer Waffenruhe oder einer Friedensvereinbarung auf nicht einmal zwei Wochen.

Trump enttÀuscht von Putin

Trump begrĂŒndete sein Vorgehen damit, von Kremlchef Wladimir Putin enttĂ€uscht zu sein. Obwohl er mit dem russischen PrĂ€sidenten GesprĂ€che ĂŒber eine Beendigung des Krieges fĂŒhre, lasse dieser danach wieder Raketen auf ukrainische StĂ€dte abfeuern.

Der neue Strafzoll von 100 Prozent soll Russlands Handelspartner - allen voran China und Indien - dazu bewegen, entweder weniger russisches Öl und Gas zu kaufen, oder ihrerseits Druck auf die Rohstoffmacht auszuĂŒben, um zu einer friedlichen Lösung in der Ukraine zu kommen.

Bisher lehnte Putin im Gegensatz zum ukrainischen PrĂ€sidenten Selenskyj VorschlĂ€ge fĂŒr eine bedingungslose Waffenruhe ab. Er begrĂŒndete dies damit, dass die Ukraine die Feuerpause dafĂŒr nutzen könne, neue Kraft zu schöpfen, um mit neuen Waffenlieferungen ihrer VerbĂŒndeten, weiterer Mobilisierung von Soldaten und einer Umgruppierung der in die Defensive geratenen Truppen den Krieg fortzusetzen. Zugleich hĂ€lt Russland an seinen eigenen Forderungen fest, die einer Kapitulation Kiews nahekommen.

Medwedew droht den USA mit Krieg

Schon auf Trumps ursprĂŒngliches Ultimatum von 50 Tagen hatte Moskau unbeeindruckt mit neuen Angriffen auf die Ukraine reagiert. WĂ€hrend der Kreml zur FristverkĂŒrzung zunĂ€chst schwieg, reagierte Russlands Ex-PrĂ€sident Medwedew mit einer Drohung: Jedes Ultimatum Trumps sei ein Schritt auf dem Weg zum Krieg, schrieb er auf der Plattform X. "Nicht zwischen Russland und der Ukraine, sondern mit seinem eigenen Land." Trump dĂŒrfe nicht den Weg seines VorgĂ€ngers Joe Biden gehen, warnte Medwedew, der als Chef des nationalen Sicherheitsrates weiterhin viel Einfluss in Moskau hat.

Biden hatte in dem seit Februar 2022 laufenden Krieg klar Position zugunsten der Ukraine bezogen. Trumps Wahlsieg im November wurde auf russischer Seite mit großer Erleichterung quittiert, und auch nach seinem Amtsantritt fiel der Republikaner mit vergleichsweise kremlfreundlichen Positionen auf.

Selenskyj glaubt an Wirkung von Sanktionen als Druckmittel

Anders als Medwedew lobte der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj Trumps neue Tonlage. "Wir haben wiederholt betont - und alle Partner wissen das -, dass Sanktionen ein SchlĂŒsselelement sind", sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Frieden durch StĂ€rke sei möglich, weil Russland die Sanktionen und daraus entstehenden Verluste spĂŒre, zeigte sich der Ukrainer optimistisch.

Seinen Angaben nach ist Russland derzeit nicht an Frieden interessiert. Die russische FĂŒhrung tue vielmehr alles, um den Krieg zu verlĂ€ngern und dem Nachbarn zu schaden. Als Beispiel fĂŒhrte er die nĂ€chtlichen Luftangriffe an. Allein in der vergangenen Nacht habe die ukrainische Flugabwehr rund 300 russische Drohnen abgefangen, sagte Selenskyj, der die Produktion von Abfangdrohnen zuletzt zur PrioritĂ€t erklĂ€rt hatte.

Kiew stÀrkt Geheimdienstoperationen

Aber die ukrainische FĂŒhrung will sich bei der Landesverteidigung nicht allein auf Abwehrmaßnahmen beschrĂ€nken. Selenskyj kĂŒndigte in seiner Rede eine StĂ€rkung des Geheimdienstes SBU an. Mit einem entsprechenden Gesetz habe er besonders die TruppenstĂ€rke des Zentrums fĂŒr Spezialoperationen erhöht. Diese Einheit gehöre zu den schlagkrĂ€ftigsten bei der Verteidigung gegen die russische Invasion.

Der SBU hatte Anfang Juni einen aufsehenerregenden Schlag gegen Russlands strategische Bomberflotte gefĂŒhrt. Auf Lkw geladene Drohnen griffen MilitĂ€rflugplĂ€tze weit im russischen Hinterland an und zerstörten etwa ein Dutzend Bomber, mit denen Russland die Ukraine attackiert hatte.

@ dpa.de