Vermögen der MilliardÀre wÀchst immer schneller
20.01.2025 - 17:41:14(neu: Details)
DAVOS (dpa-AFX) - Die Privatjets sind in Davos gelandet. WÀhrend in den luxuriösen Hallen des Weltwirtschaftsforums die Reichen und MÀchtigen zusammenkommen, klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Laut einer aktuellen Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam gibt es weltweit inzwischen 2.769 MilliardÀrinnen und MilliardÀre - allein im vergangenen Jahr kamen 204 hinzu. Gleichzeitig stagniere die Zahl der Menschen, die unter der erweiterten Armutsgrenze der Weltbank leben und die Zahl Hungernder steige.
100 Millionen Dollar reicher - pro Tag
Das Vermögen der Superreichen wĂ€chst immer schneller, wie aus dem Oxfam-Bericht hervorgeht, den die Organisation zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlichte. Das Vermögen eines MilliardĂ€rs vergröĂerte sich im vergangenen Jahr demnach im Schnitt um zwei Millionen US-Dollar pro Tag. Die reichsten zehn MilliardĂ€re wurden sogar um durchschnittlich 100 Millionen Dollar pro Tag reicher. Selbst wenn sie ĂŒber Nacht 99 Prozent ihres Vermögens verlieren wĂŒrden, blieben sie MilliardĂ€re, erklĂ€rte Oxfam.
"Breite Schultern mĂŒssen mehr tragen"
"Die aktuellen Zahlen von Oxfam bestĂ€tigen eine Entwicklung, die wir mit groĂer Sorge beobachten - die Gesellschaft driftet wirtschaftlich weiter auseinander", kommentierte Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD).
Aus der eigenen Sozialberatung höre der Verband immer hĂ€ufiger, dass immer mehr Menschen nicht mehr wĂŒssten, wie sie ihr Leben bestreiten sollen. Immer mehr fĂŒhlten sich abgehĂ€ngt. Engelmeier: "Die Politik muss hier dringend gegensteuern. Deutschland ist seit Jahren im Dauer-Krisen-Modus und deshalb gilt jetzt besonders: Breite Schultern mĂŒssen mehr tragen."
Gibt es bald den ersten BillionÀr?
Die Welt könnte innerhalb eines Jahrzehnts bereits fĂŒnf Dollar-BillionĂ€re haben, schlieĂt Oxfam. Im vergangenen Jahr sei das Vermögen der MilliardĂ€re dreimal stĂ€rker gewachsen als noch im Vorjahr - von 13 auf 15 Billionen Dollar. "Der Vermögenszuwachs der Superreichen ist grenzenlos, wĂ€hrend es bei der BekĂ€mpfung der Armut kaum Fortschritte gibt und zum Beispiel Deutschland die UnterstĂŒtzung einkommensschwacher LĂ€nder sogar kĂŒrzt", kritisiert Serap Altinisik, Vorstandsvorsitzende von Oxfam Deutschland.
"Der Oxfam-Bericht ist empörend, aber leider erwartbar. Die Schere zwischen arm und reich geht auch in Deutschland unaufhaltsam weiter auf", schrieb der Linke-Politiker Christian Görke. Er fordert als Lösung eine Vermögenssteuer und "eine Erbschaftssteuer, die diesen Namen wirklich verdient".
In Deutschland viele MilliardÀre dank Erbschaft
Deutschland hat laut dem Oxfam-Bericht die viertmeisten MilliardĂ€re weltweit. Ihre Zahl stieg demnach im vergangenen Jahr um neun auf 130. Ihr Gesamtvermögen liege inzwischen bei 625,4 Milliarden US-Dollar. Deutsche MilliardĂ€re profitieren zudem ĂŒberdurchschnittlich von Erbschaften, errechnete Oxfam. WĂ€hrend weltweit 36 Prozent des Vermögens von MilliardĂ€ren aus Erbschaften stammt, sind es hierzulande sogar 71 Prozent.
"Superreiche zahlen oft weniger Steuern als die Mittelschicht"
"Auch in Deutschland wĂ€chst der Superreichtum unaufhaltsam", warnt Oxfam. Zugleich habe die Armut in den letzten Jahren stark zugenommen, viele Menschen könnten ihren gewohnten Lebensstandard nicht halten. "Diese extreme Ungleichheit entsteht maĂgeblich durch eine ungerechte Steuerpolitik", erklĂ€rte Oxfam-Referent Manuel Schmitt. "Superreiche zahlen hierzulande oft weniger Steuern und Abgaben als Mittelschichtsfamilien."
Oxfam fordert deshalb von der kommenden Bundesregierung eine Besteuerung groĂer Vermögen. Unter anderem SPD und GrĂŒne schlagen das in ihren Programmen fĂŒr die Bundestagswahl im Februar vor. Laut Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) könnte man "schon mit sehr kleinen SteuersĂ€tzen auf die Vermögen Ultrareicher viele Probleme lösen".
Hat die Ungleichheit eher abgenommen?
Kritik an Oxfams Ungleichheitsbericht ĂŒbt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW): "Eine Wiederbelebung der Vermögensteuer wĂ€re in der aktuellen Wirtschaftslage ein gefĂ€hrlicher Schritt. Sie wĂŒrde deutsche Unternehmen zusĂ€tzlich belasten, Investitionen in die dringend benötigte Transformation blockieren und die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit erheblich schwĂ€chen", schrieb IW-Ăkonom Maximilian Stockhausen.
Daten des aktuellen UBS CH0244767585-Weltvermögensberichts zeigen laut Angaben des Instituts eine rĂŒcklĂ€ufige relative Ungleichheit der Nettovermögen zwischen 2008 und 2023. So sei der Gini-Koeffizient in Deutschland von 0,72 auf 0,68 gesunken. Der Gini-Koeffizient misst die Ungleichheit - etwa bei den Einkommen oder Vermögen - in einer Gesellschaft. Dabei bedeutet 0 vollstĂ€ndige Gleichheit und 1 maximale Ungleichheit.
Warnung vor Elon Musks politischer Macht
Sorgen bereitet Oxfam jedoch auch, dass sich die Wirtschaftsmacht der MilliardĂ€re deutlich sichtbar auch in politischer Macht niederschlĂ€gt. Die Ungleichheit habe Folgen fĂŒr die Demokratie, warnte Altinisik von Oxfam Deutschland. "Reichtum geht Hand in Hand mit politischer Macht." Das sei auch bei der UnterstĂŒtzung des neuen US-PrĂ€sidenten Donald Trump durch den reichsten Menschen der Welt, Elon Musk, zu sehen. Auch Trump ist nach SchĂ€tzungen MilliardĂ€r.
"Mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar"
Laut einer Studie der gemeinnĂŒtzigen Initiative LobbyControl verfĂŒgen besonders die groĂen US-Tech-Konzerne fĂŒr die Durchsetzung ihrer Interessen ĂŒber ein breites Lobbynetzwerk auch in Europa. Mit 33 Millionen Euro fĂŒhren demnach Google US02079K1079, Amazon US0231351067, Meta US30303M1027, Microsoft US5949181045 und Apple US0378331005 die Liste der Unternehmen nach Lobbyausgaben in Europa an. "Diese immense Lobbymacht, gepaart mit groĂer Markt- und Monopolmacht, und der damit wachsende Einfluss auf die Politik sind mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar", heiĂt es in der Studie.
Dem Oxfam-Bericht liegen Daten aus verschiedenen Quellen zugrunde. So fĂŒhrte Oxfam etwa SchĂ€tzungen des Magahins "Forbes" zum Vermögen von MilliardĂ€ren mit Daten der Weltbank und solchen aus dem Weltvermögensbericht der Schweizer Bank UBS zusammen.

