Deloitte-Studie, Schutz

Deloitte-Studie: 86 Prozent wünschen mehr Schutz vor digitalem Stress

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen eine Lücke zwischen dem Wunsch nach Unterstützung gegen digitalen Stress und den Angeboten der Unternehmen.

Fokus am Arbeitsplatz: Räume und Technik gegen digitalen Stress
Ein minimalistischer, ruhiger Rückzugsort mit warmen Holzelementen und sanftem, natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Zunehmende Reizüberflutung, ständige Erreichbarkeit und offene Bürostrukturen stellen Beschäftigte vor Herausforderungen bei der täglichen Fokussierung. Verschiedene aktuelle Berichte und Analysen beleuchten, mit welchen unkonventionellen Arbeitsorten, flexiblen Raumkonzepten und technischen Hilfsmitteln wieder mehr Konzentration und Ruhe am Arbeitsplatz geschaffen werden können.

Modulare Raumkonzepte und alternative Rückzugsorte

Ein wesentlicher Hebel für störungsfreies Arbeiten liegt in der physischen Umgebung. Der Möbelhersteller Vitra und der Designer Stephan Hürlemann präsentierten mit dem System Reset eine Lösung, bei der 75 cm große Plattformen ohne feste Installation miteinander kombiniert werden können. Daraus lassen sich Podeste, Sitzstufen oder flexible Arbeitsbereiche formen, während faltbare Sitzkissen Rückzugsbereiche schaffen.

Vitra verfolgt diesen Ansatz fortlaufend anpassbarer Arbeitsumgebungen auch mit weiteren Elementen: Systeme wie Dancing Wall 2 und Scout gliedern Räume dynamisch für Zusammenarbeit oder konzentriertes Arbeiten, während Bestuhlungen wie Mynt und Mikado zusätzliche Bewegung in das Sitzen bringen sollen.

Parallel dazu rücken bei der Gestaltung von Homeoffice-Plätzen alternative Zonen in den Vordergrund. Berichte über Arbeitsplatzgestaltung verweisen auf Möglichkeiten abseits des klassischen Schreibtischs, etwa temporäre Fensterplätze, Balkone, minimalistische Nischen, Café-inspirierte Arbeitsplätze oder Lese- und Schreibbereiche mit eigener Tee-Station.

Der Einsatz natürlicher Materialien wie Holz, warmer Farbtöne und gezielter Beleuchtung soll dabei helfen, das persönliche Wohlbefinden und die Konzentrationsfähigkeit zu unterstützen.

Technische Werkzeuge zur Signalgebung und Ergonomie

Neben der räumlichen Gestaltung gewinnen Hilfsmittel an Bedeutung, die Ablenkungen aktiv minimieren. Eine Lösung für die Signalisierung von Arbeitsphasen bietet die Statusleiste Busy Bar. Das Gerät, das preislich bei knapp über 200 Euro liegt, signalisiert Kollegen im Büro oder im häuslichen Umfeld per LED-Anzeige den aktuellen Status, darunter Meeting, Beschäftigung, Fokus oder Abwesenheit.

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Neben einer Integration in Smart-Home-Systeme wie Matter, Google Home und Apple Home umfasst die Lösung einen Pomodoro-Timer sowie Softwarefunktionen, mit denen Benachrichtigungen stummgeschaltet und ablenkende Anwendungen zeitweise gesperrt werden können.

Auch für mobiles Arbeiten und sogenannte Workations werden gezielte Maßnahmen empfohlen. Blickschutzfilter von Leitz begrenzen den sichtbaren Bildschirmwinkel auf ±30° und reduzieren Spiegelungen, um ungestörtes Arbeiten in belebten Umgebungen zu ermöglichen.

Ergänzend dazu raten Experten zu höhenverstellbaren Laptopständern, externen Tastaturen und Mäusen sowie Balancekissen zur Förderung von Mikrobewegungen.

Zur mentalen Entschleunigung und Steigerung von Achtsamkeit und Ruhe im Arbeitsalltag verweisen Medienberichte zudem auf kreative Methoden wie Zentangle, bei dem das konzentrierte Zeichnen einfacher Linien und Muster zur Entlastung beitragen soll.

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Wachsender Handlungsdruck durch mentale Belastungen

Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wird durch Erhebungen zur Belastungssituation unterstrichen. Bei einer NZZ-Live-Veranstaltung in Zürich am 15. September 2026 wurde berichtet, dass sich rund ein Drittel der Arbeitnehmer erschöpft fühlt.

Laut Angaben des Helsana-Chefs belaufen sich die jährlichen Kosten psychischer Probleme in der Schweizer Arbeitswelt auf rund 6,5 Milliarden Franken, während die Psychotherapiekosten im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent stiegen.

Psychisch bedingte Absenzen dauern im Schnitt 150 Tage, wobei mehr als die Hälfte der entsprechenden Krankschreibungen auf Konflikte am Arbeitsplatz zurückzuführen ist. Rund 50 Prozent der Langzeitabwesenden können wieder integriert werden.

Ergebnisse der Deloitte-Studie „Flexible Working“, die im Sommer 2026 gemeinsam mit der Universität Graz erhoben wurde, verdeutlichen zudem das Spannungsfeld im flexiblen Arbeiten: 86 Prozent der befragten Beschäftigten wünschen sich mehr Unterstützung gegen digitalen Stress und Überlastung, während nur 17 Prozent der Unternehmen entsprechende Maßnahmen anbieten.

Zudem fühlen sich 39 Prozent der Beschäftigten selbst im Urlaub oder bei Krankheit zur Erreichbarkeit verpflichtet. Flexible Raumkonzepte und klare Fokussierungsinstrumente gewinnen vor diesem Hintergrund zunehmend an strategischer Bedeutung.

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