Netzbetreiber, Mobilfunk

Netzbetreiber: Kleine Mobilfunkanbieter bekommen RĂŒckenwind

19.06.2023 - 16:57:07

Den grĂ¶ĂŸten Teil des Mobilfunkmarktes in Deutschland beherrschen die Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2. Die verbliebene Konkurrenz fristet eher ein Nischendasein. Die Politik will den Kleinen nun helfen.

Im Streit mit den großen deutschen Handynetzbetreibern haben kleine Wettbewerber etwas RĂŒckenwind von fĂŒhrenden Politikern aus der Bundespolitik und aus den BundeslĂ€ndern bekommen. Der Beirat der Bundesnetzagentur beschloss einstimmig ein Positionspapier, in dem es um die 2024 anstehende Vergabe von Handyfrequenzen geht. In dem Schreiben heißt es, dass «ein fairer und diskriminierungsfreier Zugang» der Wettbewerber gesichert werden mĂŒsse. Es geht um Unternehmen, die kein eigenes Netz haben, aber KapazitĂ€ten von Netzbetreibern bekommen und damit HandyvertrĂ€ge verkaufen. So eine Firma ist Freenet. Entschieden wird die Regel von der Bundesnetzagentur voraussichtlich im Jahr 2024.

Zu schwache Vorschrift?

Der Satz lĂ€sst allerdings Interpretationsspielraum zu. Denn schon jetzt ist eine Vorschrift Ă€hnlich formuliert. Nach Darstellung von Freenet und anderen Firmen ist diese Vorschrift, in der es um ein «Verhandlungsgebot» ohne Pflicht zum Vertragsabschluss geht, zu schwach. Die Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 halten sie hingegen fĂŒr ausreichend - nach ihrer Darstellung funktioniert dieser Nischenmarkt sehr wohl, wĂ€hrend Freenet vom Gegenteil ĂŒberzeugt ist.

Dass dieser Satz in der jetzigen Debatte als Standpunkt fĂŒhrender Politiker aus dem Bundestag und aus den BundeslĂ€ndern fixiert wird, wird als Fingerzeig pro «Diensteanbieterverpflichtung» gedeutet - so eine Pflicht wĂ€re eine VerschĂ€rfung besagten Verhandlungsgebots. Dann könnten Freenet & Co leichter 5G-KapazitĂ€ten bekommen.

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg sagte, mit dem Beschluss seien die Weichen gestellt worden, um schon bei der anstehenden Frequenzvergabe einen funktionierenden Wettbewerb sicherzustellen und die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher besser zu wahren. «Alle mĂŒssen einen erschwinglichen Zugang zu Hochgeschwindigkeitsnetzen erhalten können», sagte die Digitalpolitikerin.

Offene Punkte zu klÀren

Aus Sicht des SPD-Politikers Johannes SchĂ€tzl sind allerdings noch offene Punkte zu klĂ€ren, bevor man so einen Schritt macht. Er reichte einen Fragekatalog an die Netzagentur ein. Die Antworten sollen Aufschluss geben, ob der Markt derzeit tatsĂ€chlich versagt oder ob er doch funktioniert. Nur wenn der Wettbewerb nicht reicht oder gefĂ€hrdet ist, dĂŒrfte der Regulierer eingreifen und die Verpflichtung auferlegen. Zugleich mĂŒssen Investitionen gesichert werden, heißt es im Gesetz.

Ein Sprecher der Bonner Regulierungsbehörde sagte nach der Beiratssitzung, es sei Aufgabe der Bundesnetzagentur, eine Diensteanbieterverpflichtung im Verfahren zur Frequenzvergabe zu prĂŒfen. «Eine Entscheidung ist bisher nicht gefallen.»

TelefĂłnica-Deutschland-Chef Markus Haas reagierte verschnupft auf den Beiratsbeschluss. Man habe viel Geld fĂŒr Frequenzspektrum ausgegeben - «im Vertrauen, dieses Spektrum nicht zwangsweise zu Dumpingpreisen teilen zu mĂŒssen», sagte er am Montag. Sollte es zu einer Diensteanbieterverpflichtung kommen, wĂ€re das «ein verheerendes Signal fĂŒr zukĂŒnftige Investitionen». «Die GigabitplĂ€ne der Bundesregierung wĂ€ren damit um viele Jahre zurĂŒckgeworfen.» Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), der fĂŒr alternative Breitband-Anbieter spricht, war hingegen erfreut und sprach von einem wichtigen Signal fĂŒr mehr Wettbewerb im Mobilfunkmarkt.

@ dpa.de