ZusatzbeitrÀge könnten stark steigen
18.08.2025 - 15:11:42Nach einem Rekordwachstum bei den Ausgaben im vergangenen Jahr wĂŒrden auch kĂŒnftig die Einnahmen der Krankenkassen durchgĂ€ngig unter den Ausgaben bleiben, sagt der Bundesrechnungshof in einem neuen Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags voraus. Das jĂ€hrliche Milliardendefizit hĂ€tte "einen Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes von 0,3 Beitragssatzpunkten pro Jahr" zur Folge.
Die Finanzkontrolleure verweisen auf eine Prognose des Bundesgesundheitsministeriums, das in einem mittleren Szenario mit einem Anstieg auf 4,05 Prozent Zusatzbeitrag bis 2029 rechnet. Der 35-seitige Bericht, aus dem das Nachrichtenportal "Politico" zitierte, liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.
Kritik an Regierung
Der Bundesregierung wirft der Rechnungshof UntĂ€tigkeit vor. "Der Bund will eine Expertenkommission einrichten und schiebt notwendige Schritte auf die lange Bank", kritisiert die Behörde. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte im Mai der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, "erste GegenmaĂnahmen" gegen den Beitragsanstieg seien vor den Ergebnissen der geplanten Reformkommission nötig.
Der Rechnungshof weist darauf hin, dass der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz seit 2015 von 0,9 Prozent um 1,6 Beitragssatzpunkte gestiegen sei. "Die Finanzsituation der GKV belastet zunehmend Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber." Dabei sei der Gesamtsozialversicherungsbeitrag - also die BeitrÀge auch der anderen Sozialversicherungen - im Jahr 2025 um knapp anderthalb Prozentpunkte auf 42,3 Prozent gestiegen.
StÀrker als in jedem anderen Jahr seit 30 Jahren
Allein bei der Krankenversicherung wachse die LĂŒcke zwischen Einnahmen und Ausgaben jĂ€hrlich um 6 bis 8 Milliarden Euro. Aktuell seien die Ausgaben gegenĂŒber dem Vorjahr mit 8,2 Prozent "stĂ€rker als in jedem anderen Jahr der vergangenen drei Jahrzehnte" gestiegen.
Anfang 2025 waren die ZusatzbeitrĂ€ge, die die Kassen jeweils fĂŒr ihre Versicherten festlegen, im Schnitt auf 2,9 Prozent gestiegen. Das war mehr als die erwartete Zunahme um 0,8 Punkte auf einen amtlichen Orientierungswert von 2,5 Prozent. Zum Gesamtbeitrag gehört daneben der allgemeine Satz von 14,6 Prozent.
750 Euro mehr fĂŒr die Krankenkasse pro Jahr
Die GrĂŒnen-Haushalts- und -Gesundheitspolitikerin Paula Piechotta sagte: "Der Rechnungshof zerreiĂt den Plan von Warken in der Luft, mit den Reformen von Kranken- und Pflegeversicherung noch lĂ€nger zu warten und stattdessen jetzt noch Punkte zu beschlieĂen, die die Finanzprobleme sogar noch vergröĂern." Angesichts der sich auftĂŒrmenden Defizite sei allein in der GKV mit einem Beitragssatz von bis zu 18,65 Prozent zu rechnen. "Das sind bei einem Monatsgehalt von 4.000 Euro mal eben allein fĂŒr die Krankenversicherung fast 750 Euro mehr pro Jahr im Vergleich zu heute."
Piechotta malte ein dĂŒsteres Bild: "Zur Wahrheit gehört aber auch: Diese Koalition hat gar nicht die Kraft oder die Geschlossenheit, um eine echte Reform zu stemmen."
Krankenkassen fordern Ausgabenmoratorium
Der GKV-Spitzenverband forderte ein Ausgabenmoratorium - "also dass VergĂŒtungen, Budgets und Honorare nicht stĂ€rker steigen dĂŒrfen als die Einnahmen", wie Verbandssprecher Florian Lanz erlĂ€uterte.
"Die Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung ist erschreckend schlecht", sagte Lanz. "Wir erleben in diesem Jahr Beitragssatzerhöhungen in einem bisher nicht gekannten AusmaĂ, aber statt durchgreifender politischer MaĂnahmen soll der kĂŒnftige Beitragsanstieg durch ein Darlehen, also durch neue Schulden, abgemildert werden." Das reiche nicht. Nötig seien Strukturreformen.

