Genossenschaften, Banken

Genossenschaften und Banken stĂŒtzen klamme Baywa

15.08.2024 - 10:55:36

Der AgrarhĂ€ndler Baywa ist weltweit im GeschĂ€ft - und hat sich ĂŒberhoben. Dabei ist das Unternehmen fĂŒr Bauern und Lebensmittelversorgung in mehreren LĂ€ndern wichtig. Nun kommt erste Hilfe.

Der unter Milliardenschulden Ă€chzende Mischkonzern Baywa wird von GlĂ€ubigerbanken und HauptaktionĂ€ren mit einer kurzfristigen Finanzspritze von ĂŒber einer halben Milliarde Euro gestĂŒtzt. Damit soll sichergestellt werden, dass der fĂŒr Bauern und die Lebensmittelversorgung vor allem im SĂŒden Deutschlands wichtige Mischkonzern liquide bleibt. Wie die Baywa mitteilte, hat das Hilfspaket mehrere Bestandteile, zum Großteil Kredite in Höhe von zusammen knapp 400 Millionen Euro. 

Die wichtigsten GlĂ€ubigerbanken stellen einen ÜberbrĂŒckungskredit von 272 Millionen Euro zur VerfĂŒgung, befristet bis Ende September und mit VerlĂ€ngerungsoption bis Ende Dezember. HauptaktionĂ€re der Baywa sind die Beteiligungsgesellschaften der Genossenschaften in Bayern und Österreich: die Bayerische Raiffeisen Beteiligung(BRB)  und die Raiffeisen Agrar Invest (RAIG) steuern Gesellschafterdarlehen in Höhe von 125 Millionen Euro bei. Auf der anderen Seite verkauft die Baywa ihren eigenen 45-Prozent-Anteil an der BRB fĂŒr 120 Millionen an DZ-Bank und die BRB. Hinzu kommen noch der Verkauf von Getreide und eines kleineren Firmenanteils fĂŒr zusammen 30 Millionen Euro nach Österreich.

Über fĂŒnf Milliarden Euro Finanzschulden 

Die aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangene Baywa mit ihren weltweit rund 24.000 Mitarbeitern hat kurz- und langfristige Finanzschulden in Höhe von etwa 5,6 Milliarden Euro. Unmittelbarer Auslöser der derzeitigen Krise ist die Kombination von Zinserhöhungen und schwacher Weltkonjunktur. Wegen des schnellen Anstiegs der Kreditzinsen hat sich die Zinsbelastung der Baywa von 2021 bis 2023 auf 362 Millionen Euro verdreifacht. Dieses Jahr fing ebenfalls teuer an: Allein im ersten Quartal dieses Jahres zahlte die Baywa 97 Millionen Euro Kreditzinsen an die Banken.

Langfristige Sanierung steht aus

Kurzfristig ist der Baywa nun aus ihren Finanznöten geholfen, doch das bedeutet keine langfristige Lösung. Mitte September soll die vom Vorstand an Bord geholte Unternehmensberatung Roland Berger ihr Sanierungsgutachten vorlegen. Nicht zu erwarten ist angesichts der Milliardenschulden der Vorschlag, dass bei der Baywa alles so weitergehen soll wie bisher. Aller Voraussicht nach werden die Berater der Baywa empfehlen, Unternehmensanteile zu verkaufen, um wieder auf stabilere FĂŒĂŸe zu kommen.

Erblast einer Expansion auf Pump

Die Schulden des S-Dax-Konzerns gehen zum Großteil auf die Amtszeit des frĂŒheren Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz zurĂŒck, der kĂŒrzlich im GesprĂ€ch mit der «SĂŒddeutschen Zeitung» die Verantwortung von sich wies. Der PrĂ€sident des bayerischen Industrie- und Handelskammertags saß bis zum FrĂŒhjahr 2023 auf dem Baywa-Chefsessel. Unter seiner Ägide wandelte sich das einst auf den Agrarhandel beschrĂ€nkte Unternehmen zu einem weltweit prĂ€senten Mischkonzern. 

In 50 LĂ€ndern aktiv

Lutz baute einerseits das neue GeschĂ€ftsfeld der erneuerbaren Energien auf. Die Baywa r.e. als wichtige Beteiligung plant und baut heute Solar- und Windparks in etlichen LĂ€ndern. Gleichzeitig vergrĂ¶ĂŸerte Lutz aber auch das AgrargeschĂ€ft ganz erheblich. Da die Baywa mittlerweile in 50 LĂ€ndern aktiv ist, wĂŒrde ein Zusammenbruch rund um den Globus Unruhe am Agrarmarkt auslösen. 

Die Baywa kennt nicht jeder, ihre Äpfel aber viele 

Auch viele Verbraucherinnen und Verbraucher, denen der Unternehmensname Baywa kein Begriff ist, kennen Produkte des Unternehmens: In Neuseeland wurde die Baywa unter Lutz' Ägide Mehrheitseignerin des Apfelproduzenten Turners & Growers (T&G), der Plantagen auf allen Kontinenten betreibt und seine FrĂŒchte in 60 LĂ€nder verkauft. Auch in deutschen Supermarktregalen sind die beiden T&G-Apfelsorten «Envy» und «Jazz» hĂ€ufig zu finden. 

 

 

@ dpa.de