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Kleine LĂ€den, große Sorgen: Trumps Zölle treffen US-HĂ€ndler

12.04.2025 - 07:00:43 | dpa.de

Der amerikanische PrÀsident ist auf einem handelspolitischen Konfrontationskurs, vor allem gegen China. Doch was als Schutz heimischer Produktion angepriesen wird, schadet vielen Betrieben in den USA.

Viele Produkte im Sortiment hier stammen aus China. - Bild: Luzia Geier/dpa
Viele Produkte im Sortiment hier stammen aus China. - Bild: Luzia Geier/dpa

Zwischen Leckerlis und TennisbĂ€llen kĂ€mpft Noelie Rickey mit den Folgen der Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump. 2022 ĂŒbernahm sie gemeinsam mit GeschĂ€ftspartnern ein kleines FachgeschĂ€ft fĂŒr Hundebedarf: «The Dog Park» in der pittoresken Altstadt von Alexandria im Bundesstaat Virginia, unweit der Hauptstadt Washington. Damals seien die Verkaufszahlen auf ihrem Höhepunkt gewesen, erzĂ€hlt die ehemalige Tierarzthelferin. «Jetzt sind sie auf dem Tiefpunkt.» Die Ursachen seien vielfĂ€ltig. Besonders sorge sie aber Trumps Zolloffensive gegen nahezu die ganze Welt.

China-Zölle inzwischen bei 145 Prozent

Zwar trat der US-PrĂ€sident zuletzt auf die Bremse und setzte bestimmte Zölle vorerst aus, doch gegenĂŒber China zog er sogar noch an: FĂŒr die meisten Waren aus der Volksrepublik liegt der Zollsatz inzwischen bei 145 Prozent. Und auch fĂŒr die meisten anderen LĂ€nder gelten weiterhin Sonderzölle, unter anderem fĂŒr die Nachbarn Mexiko und Kanada.

Noch ist unklar, welche Auswirkungen die Maßnahmen im Detail haben werden – es dĂŒrfte dauern, bis sie in Lieferketten und bei Verbrauchern ankommen. Doch die Sorge vor steigenden Preisen ist groß. Es mehren sich Berichte ĂŒber HamsterkĂ€ufe. Laut Berechnungen der Yale-UniversitĂ€t könnten die Zölle fĂŒr das Jahr 2025 zu einem langfristigen Kaufkraftverlust von durchschnittlich 2.700 Dollar (etwa 2.400 Euro) pro US-Haushalt fĂŒhren.

Der Handelskonflikt, der die USA laut Trump in ein «goldenes Zeitalter» fĂŒhren soll, trifft kleine Unternehmen wie das von Ladenbesitzerin Rickey besonders hart. Noch hat sie ihre Preise nicht angehoben, lange wird sie das aber kaum durchhalten können. Viele ihrer Produkte stammen nicht aus den USA: Futter kommt vor allem aus Kanada. Spielzeug, Hundeleinen und anderes Zubehör aus Stoff oder Plastik ĂŒberwiegend aus China.

Letztlich zÀhlt der Preis

Viele HĂ€ndler, mit denen Rickey arbeitet, sind hingegen eher klein und kommen aus Nordamerika, wie sie betont – anders als große Ketten oder OnlinehĂ€ndler, die vor allem auf Masse setzen. Doch selbst die Produkte ihrer GeschĂ€ftspartner stammen oft aus China. «Wenn ich versuchen wĂŒrde, nur amerikanische Produkte einzukaufen, wĂŒrde der Laden ganz anders aussehen», sagt Rickey.

Am Ende zĂ€hle gerade in Zeiten hoher Alltagskosten fĂŒr die meisten ihrer Kunden der Preis, erlĂ€utert sie – und der ganz praktische Bedarf der vierbeinigen Endverbraucher: «Wenn ein Hund alle zwei Wochen ein Spielzeug zerlegt, greift man eher zum 10-Dollar-Modell als zum teuren fĂŒr 40 Dollar.»

Spielzeug, Kleidung, Elektronik, Haushaltsartikel

Ob direkt oder indirekt: China ist fĂŒr die USA ein Hauptlieferant gĂŒnstiger KonsumgĂŒter. Das gilt fĂŒr Handelsriesen wie Walmart und Amazon ebenso wie fĂŒr kleine LĂ€den, die Spielzeug, Kleidung, Elektronik oder Haushaltsartikel verkaufen.

«Viele Unternehmer sind auf chinesische Lieferketten angewiesen. Sei es, um ihr GeschĂ€ft am Laufen zu halten oder um ihre Lager zu fĂŒllen», erklĂ€rt Alexis D’Amato vom Verband Small Business Majority, der landesweit nach eigenen Angaben rund 85.000 Kleinunternehmer verschiedenster Branchen vertritt. Was im Einzelhandel als «klein» gilt, ist dabei Auslegungssache: Die US-Behörde SBA zĂ€hlt Betriebe mit bis zu 500 BeschĂ€ftigten dazu. Small Business Majority zieht die Grenze bei etwa dreißig Mitarbeitenden.

«Main Street» vs. Wall Street

Auch wenn die RealitĂ€t vielerorts von Strukturwandel geprĂ€gt ist, verkörpern gerade diese inhabergefĂŒhrten LĂ€den das amerikanische Ideal der «Main Street» – jener typischen Hauptstraße kleiner StĂ€dte, wo man einander kennt. Es ist der Gegenentwurf zur mĂ€chtigen, anonymen Wall Street. Dieses Bild ist tief im nationalen SelbstverstĂ€ndnis verankert, ĂŒber politische Lager hinweg.

TatsĂ€chlich sind selbst diese LĂ€den lĂ€ngst in globale Lieferketten eingebunden. Anders als Großkonzerne haben sie aber kaum Spielraum, um Preissteigerungen abzufedern oder ihre Bezugsquellen umzustellen, sagt D’Amato. Sie ĂŒbt scharfe Kritik an Trumps handelspolitischem Schlingerkurs: «GefĂŒhlt gibt es jeden zweiten Tag neue Zölle oder Änderungen.» Langfristige Planung? Praktisch unmöglich.

Manchen droht finanzieller Ruin

Wie schnell das zur Existenzfrage wird, zeigt das Beispiel von Beth Benike aus dem Bundesstaat Minnesota. Bei den US-Sendern CNN und CBS News schilderte sie die Notlage ihres Familienunternehmens, das Babyartikel in China fertigen lĂ€sst. Eine neue Charge im Wert von 160.000 Dollar war bereits versandbereit, als die Zölle in mehreren Schritten auf 125 Prozent stiegen. Statt rund 30.000 Dollar fĂŒr die Einfuhr der Waren sollte der Import dann plötzlich fast 200.000 Dollar kosten – Geld, das sie nicht hat. Inzwischen wĂ€re es sogar noch mehr.

Benike sorgt sich nicht nur um ihre Mitarbeitenden. Auch ihr Eigenheim steht auf dem Spiel: Es sichert einen GeschÀftskredit. 

Es fehlt an Standorten und FachkrÀften

Und dann sind da noch die FinanzmĂ€rkte. In den USA ist die Altersvorsorge eng an die Börse geknĂŒpft. Viele SelbststĂ€ndige bauen auf ihr Aktiendepot. Wenn die MĂ€rkte schwanken, schwanke auch ihre Zukunft, warnt D’Amato. Trumps Zollpolitik sei «ein Schlag ins Gesicht» fĂŒr viele ihrer Verbandsmitglieder. Was es eigentlich brauche, sei UnterstĂŒtzung. Das Argument der Regierung, durch Zölle letztlich die heimische Produktion zu stĂ€rken, lĂ€sst sie nicht gelten. «Es gibt genug andere Wege», meint D’Amato.

Auch Ladenbesitzerin Rickey sieht das so. Wer wirklich inlĂ€ndische Produktion fördern wolle, mĂŒsse investieren – in Subventionen, Standorte, FachkrĂ€fte. «Menschen, die eine NĂ€hmaschine bedienen und in großer StĂŒckzahl Hundespielzeug herstellen können, gibt es hier nicht», sagt sie und fĂŒgt mit Blick auf Trumps harte Migrationspolitik hinzu: «Wenn doch, dann schieben wir sie gerade so schnell wie möglich ab.»

Mehr als nur Zölle

Was Rickey generell bei dieser Regierung fehlt, ist ein schlĂŒssiges Konzept. Die Zölle seien nur ein Teil, sagt sie. Dass der Verkauf bei «The Dog Park» nicht gut laufe, habe einige GrĂŒnde: Die Corona-Hilfen seien inzwischen ausgelaufen, gleichzeitig machten sich Trumps MassenkĂŒndigungen in Bundesbehörden bemerkbar – ein tiefer Einschnitt fĂŒr die Region, in der viele im öffentlichen Dienst arbeiten. Außerdem sei der Tourismus in Alexandria zurĂŒckgegangen und mit ihm die Laufkundschaft.

Rickey ist aber auch eine pragmatische Unternehmerin, die seit langem verschiedene Standbeine hat. Schon vor Trumps RĂŒckkehr ins Amt nahm sie deshalb Dienstleistungen mit ins Angebot: eine Tagesbetreuung fĂŒr Hunde und einen Haustier-Friseursalon. Katzen sind ebenfalls willkommen.

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