Deutschland, Arbeitsmarkt

Junge Menschen finden oft nur befristete Jobs

Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 12:53 Uhr | dpa.de

Der Anteil befristeter Jobs geht zurĂŒck. Es trifft aber weiterhin vor allem Menschen am Anfang ihres Berufslebens. Gegen den geplanten Ausbau der Befristungsmöglichkeiten hat sich Widerstand formiert.

  • Vor allem junge Leute nehmen notgedrungen befristete Jobs an. (Symbolbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn
    Vor allem junge Leute nehmen notgedrungen befristete Jobs an. (Symbolbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn
  • Viele Jobs entsprechen nicht mehr dem klassischen Vollzeitmodell. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa
    Viele Jobs entsprechen nicht mehr dem klassischen Vollzeitmodell. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa
  • Frauen sind etwas hĂ€ufiger befristet beschĂ€ftigt als MĂ€nner. (Symbolbild) - Bild: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn
    Frauen sind etwas hÀufiger befristet beschÀftigt als MÀnner. (Symbolbild) - Bild: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn
Vor allem junge Leute nehmen notgedrungen befristete Jobs an. (Symbolbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn Viele Jobs entsprechen nicht mehr dem klassischen Vollzeitmodell. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa Frauen sind etwas hÀufiger befristet beschÀftigt als MÀnner. (Symbolbild) - Bild: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn

Befristete ArbeitsvertrĂ€ge werden in Deutschland weiterhin vor allem mit jungen Menschen abgeschlossen. In der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren waren vergangenes Jahr 18,3 Prozent der Erwerbspersonen befristet beschĂ€ftigt, wie das Statistische Bundesamt auf Grundlage des Mikrozensus 2025 berichtet. Das ist fast jeder und jede FĂŒnfte. Die ebenfalls befristeten AusbildungsverhĂ€ltnisse sind hier nicht berĂŒcksichtigt. 

Der Anteil bei den jungen Menschen ist mehr als dreimal so hoch wie bei sÀmtlichen ErwerbstÀtigen mit einem Anteil von 6 Prozent befristeter Jobs. Das entspricht bundesweit rund 2,2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. In der höchsten Altersklasse von 55 bis 65 Jahren sind nur noch 2,8 Prozent befristet angestellt, nur noch gut jeder 35. 

«Atypische BeschĂ€ftigung» geht zurĂŒck

Damit sind die Jobs auf Zeit am deutschen Arbeitsmarkt insgesamt rĂŒcklĂ€ufig. 2015 hatte ihr Anteil noch 7 Prozent betragen. Insgesamt arbeiteten laut Bundesamt 2025 rund 6,4 Millionen Menschen in sogenannten «atypischen» BeschĂ€ftigungsformen wie Befristung, Minijob, kurzer Teilzeit oder Zeitarbeit. Das entsprach wie schon im Vorjahr 17,2 Prozent der KernerwerbstĂ€tigen. Langfristig ist dieser Anteil nach Destatis-Angaben rĂŒcklĂ€ufig. 2015 hatte er noch 20,8 Prozent betragen. 

Freiwillig macht das kaum wer

Freiwillig geht kaum jemand einen befristeten Job ein. Lediglich 2,7 Prozent der befristet BeschĂ€ftigten gaben an, sich bewusst fĂŒr diese Vertragsform entschieden zu haben. Mehr als die HĂ€lfte der Befristungen hatte zudem eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Besonders weit verbreitet sind Befristungen im Bildungssektor mit den UniversitĂ€ten und einem Anteil von 11,2 Prozent. Auch im Gastgewerbe gibt es mit 8,8 Prozent mehr ZeitvertrĂ€ge als in der Gesamtwirtschaft. 

Der Vize-Vorsitzende des DGB, Stefan Körzell, macht auf mögliche Nachteile befristeter ArbeitsverhĂ€ltnisse aufmerksam. Er sagt: «Wer befristet arbeitet, lebt mit großer Unsicherheit: Es fĂ€llt schwer, das eigene Leben zu gestalten und die eigenen Interessen im ArbeitsverhĂ€ltnis durchzusetzen.» Ein unbefristeter Vertrag sei fĂŒr viele die Voraussetzung, einen Mietvertrag abzuschließen, eine Familie zu grĂŒnden oder sich weiterzubilden und langfristig an ihr Unternehmen zu binden. 

Gegen lÀngere Befristungen ohne Sachgrund

Körzell wandte sich erneut gegen PlĂ€ne der Regierungskoalition, die sogenannten sachgrundlosen Befristungen auf bis zu 48 Monate zu verlĂ€ngern. Sie mĂŒssten stattdessen ersatzlos gestrichen werden, verlangt der Gewerkschafter. «Nur wer sicher im Job ist, kann sich mit der eigenen Arbeit und dem Unternehmen identifizieren. Das ist ein Standortvorteil - kein Hindernis.»

Die Regierungskoalition plant im Zuge der Sozialstaatsreformen die Möglichkeit einer lĂ€ngeren Befristung von neuen ArbeitsverhĂ€ltnissen. Sachgrundlose Befristungen sollen fĂŒr bis Ende 2030 eingestellte Arbeitnehmer bis zu 48 Monate möglich werden und sechsmal verlĂ€ngert werden dĂŒrfen, wie aus den Ergebnissen des Koalitionsausschusses hervorgeht.

IAB-Forscher: Befristungen sind gezieltes Mittel

Den vor wenigen Wochen verabredeten Plan von Union und SPD hatte unter anderem der Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber befĂŒrwortet. «Wir haben zu wenig Risikoinvestitionen, wir schaffen zu wenige neue Stellen», sagte der Arbeitsmarktforscher vom Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in NĂŒrnberg. Das berge die Gefahr, dass Investitionen aus Vorsicht gar nicht erst getĂ€tigt werden.

Durch die von bisher zwei auf vier Jahre ausgedehnte Befristung von ArbeitsvertrĂ€gen nur bei Neueinstellungen werde Arbeitgebern die nötige FlexibilitĂ€t an die Hand gegeben, argumentiert der Experte. Das sei besser, als den bewĂ€hrten KĂŒndigungsschutz fĂŒr alle Arbeitnehmer aufzugeben, die nicht neu und befristet eingestellt wurden. «Befristungen sind das gezieltere Mittel.»

Sozialverband will umfassende Änderungen 

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrĂŒĂŸt, dass der Anteil befristeter und atypischer BeschĂ€ftigung langfristig zurĂŒckgehe. Es bleibe aber alarmierend, dass gerade junge Menschen schon zu Beginn ihres Berufslebens mit Unsicherheit und fehlender Planungssicherheit konfrontiert seien, sagt die Vorsitzende Michaela Engelmeier. Der Verband fordert die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung, die Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige BeschĂ€ftigung, eine EindĂ€mmung der Leiharbeit und mehr tarifgebundene, gut bezahlte Arbeit.

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