Studie, Deutschland

Studie: Deutschland bei Umbau des Strommarktes nur Mittelmaß

08.11.2023 - 01:08:09

Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien in Deutschland soll bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Doch beim Umbau des Strommarkts gibt es noch viel zu tun - viele andere LĂ€nder schneiden besser ab.

Beim Umbau des Strommarktes schneidet Deutschland im europĂ€ischen Vergleich nur mittelmĂ€ĂŸig ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des britischen Fachverbands fĂŒr erneuerbare Energien - Association for Renewable Energy and Clean Technology - zusammen mit dem Energiemanagementunternehmen Eaton.

Die Experten bewerteten und verglichen die Rahmenbedingungen fĂŒr die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen in 14 europĂ€ischen LĂ€ndern. Demnach landet Deutschland auf einer Skala von 1 bis 6 im unteren Mittelfeld auf Stufe 4 gemeinsam mit Italien und Spanien.

Damit hat sich die Bundesrepublik etwas verbessert. So sei etwa hierzulande die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende groß. Im Ranking werden aber nur Griechenland, die Schweiz und Schlusslicht Polen in schlechteren Klassen eingestuft. FĂŒhrend war wie in den Vorjahren Norwegen vor DĂ€nemark, Finnland und Schweden.

WĂ€rmepumpen in Deutschland wenig verbreitet

Beim «Energy Transition Readiness Index» werden die LĂ€nder hinsichtlich der gesellschaftlichen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Energiewende, ihrer FĂ€higkeit, neue Technologien und GeschĂ€ftsmodelle zu nutzen sowie der FlexibilitĂ€t des Energiemarktes bewertet.

So stellten die Autoren unter anderem fest, dass die Verbreitung von intelligenten StromzĂ€hlern («Smart Meter») in Deutschland mit einem Prozent «Àußerst gering» sei - in nordischen LĂ€ndern wie DĂ€nemark liege die Durchdringung bei bis zu 100 Prozent. Die vernetzten MessgerĂ€te fĂŒr WĂ€rme oder Strom ĂŒbertragen Verbrauchsdaten automatisch an Anbieter und machen sie auch fĂŒr Nutzer sichtbar.

WĂ€rmepumpen seien zudem in Deutschland relativ wenig verbreitet, hieß es. «Hierzulande kommen auf 1000 Haushalte lediglich 38 GerĂ€te, wĂ€hrend es in Norwegen 625, in Schweden 503 und in Finnland 438 sind.» Zu den Fortschritten zĂ€hlen die Autoren hingegen, dass Deutschland neben Großbritannien eine der grĂ¶ĂŸten Verbesserungen bei der AttraktivitĂ€t fĂŒr Investoren zu verzeichne habe.

Stromspeicher mĂŒssen gefördert werden

Mit dem schrittweisen Ausstieg aus Kohle und Gas mĂŒssen Netzbetreiber die schwankende Energieerzeugung etwa aus Wind und Strom mit dem Bedarf in Einklang bringen. FlexibilitĂ€t sei fĂŒr die NetzstabilitĂ€t unerlĂ€sslich, hieß es. DafĂŒr mĂŒssten Stromspeicher gefördert werden.

Deutschland hat von allen untersuchten LĂ€ndern den grĂ¶ĂŸten Strommarkt. LĂ€nder wie Norwegen und Schweden deckten ihren Bedarf mit erneuerbaren Energien prozentual besser ab, obwohl Deutschland den meisten Strom aus erneuerbaren Energien produziere.

Im vergangenen Jahr betrug der Anteil am deutschen Stromverbrauch aus erneuerbaren Energien 45 Prozent, nach 41 Prozent 2021. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2023 80 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. In der Studie wird der Verbrauch 2030 auf 658 Terawattstunden (TWh) geschĂ€tzt. FĂŒr das 80-Prozent-Ziel mĂŒsse die erneuerbare Erzeugung um 276 TWh steigen.

@ dpa.de