Scholz warnt vor Abschottung europÀischer MÀrkte
08.06.2024 - 13:38:03Bundeskanzler Olaf Scholz warnt vor einer Abschottung der europĂ€ischen MĂ€rkte gegen Konkurrenz aus dem Ausland. «Wir verschlieĂen unsere MĂ€rkte nicht vor auslĂ€ndischen Unternehmen. Denn das wollen wir umgekehrt fĂŒr unsere Unternehmen ja auch nicht», sagte der SPD-Politiker am Samstag bei einem Festakt zu «125 Jahre Automobilbau bei Opel» im Stammwerk des Herstellers in RĂŒsselsheim.
Protektionismus und regelwidrige Zollschranken machten «letztlich alles nur teurer und uns alle Ă€rmer». Scholz betonte: «Ich habe keinen Zweifel: Wir werden auch in diesem Jahrhundert mit unserer Automobilindustrie ganz vorne dabei sein, wenn wir auf Fortschritt und Erneuerung setzen.» DafĂŒr brauche man aber auch «einen fairen und freien Welthandel».
Die USA hatten Mitte Mai Sonderzölle von 100 Prozent gegen Elektroauto-Importe und andere Produkte aus China verhÀngt. Die USA werfen Peking vor, den Wettbewerb durch erhebliche staatliche Subventionen zu verzerren. Auch die EU untersucht den chinesischen Einfluss auf den E-Auto-Markt. Ob die EuropÀer Strafzölle erheben, ist nicht entschieden.
Opel setzt auf E-MobilitÀt
Opel will seinen Kurs in Richtung ElektromobilitĂ€t noch entschiedener fahren, wie Opel-Chef Florian Huettl zum JubilĂ€um ankĂŒndigte: «Ab 2025 wird jedes neue Opel-Modell rein batterieelektrisch sein.» Noch Ende April hatte Huettl bei der Vorstellung eines neuen E-Modells im Werk in Eisenach das Ziel des Herstellers bekrĂ€ftigt, ab 2028 in Europa nur noch Elektroautos anzubieten: «Wir halten ganz klar an unserem Plan fest, auch was die Geschwindigkeit betrifft. Wir können das nur zu einem gewissen Grad von der Politik abhĂ€ngig machen.» Das Auslaufen der E-Förderung des Bundes im Dezember hatte fĂŒr Verunsicherung am Markt fĂŒr Elektroautos gesorgt.Â
Scholz rief den versammelten Opelanern zu: «Sie werden in einem fairen Wettbewerb bestehen auch gegen neue Konkurrenten zum Beispiel aus China.» Am Tag vor der Europawahl bekannte sich der Kanzler zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft â auch im Verkehrssektor: «Wir stehen zum Ausbau der ElektromobilitĂ€t. Wer das jetzt zurĂŒckdrehen will, gefĂ€hrdet nicht nur alles bisher Erreichte, der gefĂ€hrdet auch unseren Wohlstand und unsere Zukunft als Industrienation.»
Vom NĂ€hmaschinenhersteller zum Autobauer
Die Geschichte des Automobils bei Opel reicht bis ins Jahr 1899 zurĂŒck: Vor 125 Jahren baute der NĂ€hmaschinen- und Fahrradhersteller mit dem «Patentmotorwagen System Lutzmann» sein erstes Automobil. Zuvor hatte Opel die Anhaltinische Motorwagenfabrik des Autopioniers Friedrich Lutzmann ĂŒbernommen und von Dessau nach RĂŒsselsheim bei Frankfurt/Main verlagert.Â
Nach fast 90 Jahren im US-Konzern General Motors wurde Opel im Sommer 2017 von der Peugeot-Mutter PSA ĂŒbernommen, die inzwischen mit Fiat-Chrysler zu Stellantis fusioniert ist. Als einzige deutsche Marke in dem europĂ€isch-amerikanischen Konzern verdient Opel seit einigen Jahren wieder Geld - nach dem Abbau Tausender Stellen und einer Schrumpfkur fĂŒr die Standorte. Opel hat auĂer dem Stammsitz RĂŒsselsheim Werke in Eisenach und Kaiserslautern.


