Varta, Strohhalm

Varta greift zum Strohhalm - AktionÀre sollen leer ausgehen

22.07.2024 - 06:20:36

Der Batteriehersteller geht radikale Schritte - und wÀhlt ein Verfahren, das verhindern soll, dass ein operativ lebensfÀhiges Unternehmen in die Pleite rutscht. Auch Porsche spielt eine Rolle.

Der stark angeschlagene Batteriekonzern Varta will im Kampf um das Überleben die Alt-AktionĂ€re aus dem Unternehmen drĂ€ngen. Zudem sollen GlĂ€ubiger auf einen Großteil ihres Geldes und ihrer AnsprĂŒche verzichten - unter diesen formiert sich bereits Widerstand gegen die PlĂ€ne des Unternehmens.

Varta kĂŒndigte am Sonntagabend in Ellwangen an, kurzfristig beim zustĂ€ndigen Amtsgericht Stuttgart ein Restrukturierungsvorhaben nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -Restrukturierungsgesetz (StaRUG) anzuzeigen. Damit solle eine mögliche Insolvenz von Varta nachhaltig abgewendet werden. Die Aktien von Varta haben am Morgen auf Xetra nur noch 2,10 Euro gekostet - nach einem Absturz um 80 Prozent im Vergleich zu Freitagabend. 

Bittere Nachricht fĂŒr AktionĂ€re 

WĂ€hrend die Mitteilung die Sicherung von ArbeitsplĂ€tzen und den Schutz von GlĂ€ubigerinteressen hervorhob, enthielt sie fĂŒr die bisherigen AktionĂ€re eine bittere Nachricht: Beide der Gesellschaft vorliegenden RestrukturierungsvorschlĂ€ge sehen eine vereinfachte Herabsetzung des Grundkapitals der Gesellschaft auf null Euro vor - verbunden mit einer anschließenden Kapitalerhöhung mit Bezugsrechtsausschluss und unter Ausgabe neuer Aktien. Die bisherigen AktionĂ€re wĂŒrden in beiden FĂ€llen leer ausgehen. Ihre Anteile waren am Freitag noch 440 Millionen Euro wert.

Da die bestehenden Anteilseigner dem entschĂ€digungslosen Verlust ihres gesamten Aktienpakets und dem vollstĂ€ndigen HerausdrĂ€ngen aus dem Unternehmen nach EinschĂ€tzung von Varta kaum mit der erforderlichen Mehrheit von 75 Prozent des anwesenden Grundkapitals zustimmen dĂŒrften, soll das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) zum Tragen kommen.

Dieses sieht vor, dass einzelne AktionĂ€re oder GlĂ€ubiger keine Rechte mehr haben, um ein operativ lebensfĂ€higes Unternehmen nicht im Bestand zu gefĂ€hrden. Dabei soll auch ein Schuldenschnitt vorgenommen werden, dem die GlĂ€ubiger laut Mitteilung aber nur zustimmen wĂŒrden, wenn das Eigenkapital auf null herabgesetzt wird.

GesprÀche auch mit Porsche

Varta habe einen finanziellen Bedarf im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Zur Deckung sei auch die Beteiligung von FinanzglĂ€ubigern und Investoren vorgesehen. Hierzu liefen aktuell Verhandlungen unter anderem mit dem bisherigen MehrheitseigentĂŒmer Michael Tojner, der auch Aufsichtratschef ist, und dem Sportwagenbauer Porsche AG, der zum Volkswagen-Konzern gehört. Dieser hatte erst zu Monatsanfang mitgeteilt, Varta das GeschĂ€ft fĂŒr Elektroautobatterien abkaufen zu wollen.

Porsche bestĂ€tigte Verhandlungen. Im Kern gehe es darum, ĂŒber eine mögliche Kapitalerhöhung eine Mehrheitsbeteiligung an der V4Drive Battery GmbH einzugehen. In dieser Gesellschaft bĂŒndelt Varta das GeschĂ€ft fĂŒr großformatige Lithium-Ionen Rundzellen. Varta und Porsche arbeiten beim Hochleistungs-Batteriezellen bereits eng zusammen. 

«Das Ziel unseres Engagements wĂ€re, diese SchlĂŒsseltechnologie am Standort Deutschland zu erhalten», hieß es bei Porsche. Voraussetzung dafĂŒr sei eine gesunde finanzielle Basis der Varta AG: «Unter bestimmten UmstĂ€nden könnten wir uns daher vorstellen, uns auch an einer finanziellen Neuaufstellung der Varta AG insgesamt zu beteiligen.» 

Große GlĂ€ubiger sehen den heute skizzierten Plan nach Informationen aus Finanzkreisen skeptisch, da sie von der geplanten Kapitalerhöhung ausgeschlossen wĂŒrden. Die Möglichkeit, nach dem Kapitalschnitt frisches Geld zu geben und damit weiter am Unternehmen beteiligt zu sein, bliebe dem bisherigen MehrheitsaktionĂ€r und Porsche vorbehalten. Dies widerspreche einer fairen Gleichbehandlung.

Das ist nach EinschĂ€tzung großer GlĂ€ubiger allerdings eine Voraussetzung, damit das StaRUG-Verfahren ĂŒberhaupt Chancen auf Erfolg habe. Den Kreise-Informationen zufolge wurden die von den großen GlĂ€ubigern gemachten VorschlĂ€ge, die bereits seit einiger Zeit vorliegen, bisher nicht ausreichend gewĂŒrdigt. Und dies, obwohl Varta-Chef Michael Ostermann in einem GesprĂ€ch mit der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag beteuerte, beide VorschlĂ€ge zum Wohle von Varta prĂŒfen zu wollen.

Bei den Verbindlichkeiten, die Varta großen institutionellen Kreditgebern wie Banken und Hedge-Fonds schuldet, geht es dem Vernehmen nach um einen Konsortialkredit und Schuldscheine in der Summe von knapp einer halben Milliarde Euro. GlĂ€ubigervertreter setzen daher darauf, enger in die geplanten Rettungsschritte eingebunden zu werden.
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Varta wurde 2017 fĂŒr 17,50 Euro an die Börse gebracht. Lange Zeit war das Papier an der Börse gefragt. Anfang 2021 war der Kurs bis auf 181,30 Euro gestiegen, bevor es wieder rapide bergab ging. Am Freitag hatte die Aktie zum Xetra-Handelsschluss 10,32 Euro gekostet. Der Börsenwert des Unternehmens lag damit bei knapp 440 Millionen Euro. Etwas mehr als die HĂ€lfte der Aktien sind im Eigentum von Montana Tech Components, die wiederum dem Aufsichtsratschef Michael Tojner gehört.

@ dpa.de