Black Friday: Gibt es im Krisenjahr attraktive Rabatte?
22.11.2023 - 06:45:31Der Countdown lĂ€uft. Internetseiten wie www.blackfriday.de zĂ€hlen schon die Stunden herunter bis zu dem groĂen Tag. Der Black Friday fĂ€llt in diesem Jahr auf den 24. November und markiert den Auftakt fĂŒr die Black Week.
Aber eigentlich hat die Aktion lĂ€ngst begonnen, sie erstreckt sich vielfach lĂ€ngst auf den halben November. Amazon, Otto, Saturn und andere HĂ€ndler haben einen Black-Friday-Vorverkauf eingefĂŒhrt und bieten schon ein oder zwei Wochen vorher reduzierte Preise fĂŒr Spielkonsolen, Computer, Wasch- und Kaffeemaschinen und vieles mehr.
Der Handel inszeniert den Black Friday zu einem rauschenden Fest des Konsums, aber die Vorzeichen sind in diesem Jahr nicht gut. Der Name des Aktionstages, der an den Zusammenbruch der New Yorker Börse im Jahr 1929 erinnert, ist unfreiwillig aktuell. Pandemie, Kriege, Inflation: Die HÀndler sind nach den schwierigen Jahren besonders auf hohe UmsÀtze angewiesen, aber viele Menschen sind nicht in Kauflaune. Kann die Aktion trotzdem ein Erfolg werden?
MĂ€nner wollen mehr ausgeben als Frauen
Das Potenzial ist groĂ. 70 Prozent der Deutschen wollen an den Tagen rund um den Black Friday laut einer reprĂ€sentativen Umfrage der Unternehmensberatung PwC gezielt nach Angeboten suchen. Sie wollen demnach im Durchschnitt 281 Euro ausgeben, das sind acht Euro weniger als im vergangenen Jahr. MĂ€nner sind dabei mit 331 Euro deutlich kauffreudiger als Frauen (234 Euro). Laut den Marktforschern von NielsenIQ haben Konsumenten in Deutschland im vergangenen Jahr mehr Geld ausgegeben als in Frankreich, GroĂbritannien, Italien oder Spanien.
Seinen Ursprung hat der Black Friday in den USA. Dort markiert der BrĂŒckentag nach Thanksgiving, dem vierten Donnerstag im November, den Beginn des WeihnachtsgeschĂ€ftes. Im Jahr 2013 ist die Marke Black Friday in Deutschland markenrechtlich geschĂŒtzt worden, kontinuierlich gewachsen und ist nun fest etabliert. FĂŒr die HĂ€ndler ist der Black Friday neben dem WeihnachtsgeschĂ€ft das wichtigste Verkaufsevent des Jahres, das vierte Quartal das umsatzstĂ€rkste.
Der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU sieht den Druck in diesem Jahr besonders auf der Seite der HĂ€ndler. Er erwartet besonders groĂe Preisreduzierungen. «Die HĂ€ndler mĂŒssen mehr Ăberzeugungsarbeit leisten, weil die Menschen gerade etwas geizig sind. Deshalb mĂŒssen die Rabatte besonders gut sein.»
FĂŒr den Handel starten die Vorbereitungen fĂŒr den Black Friday, wenn die Kunden noch lĂ€ngst nicht daran denken. Der Versandriese Otto beginnt mit der Planung im SpĂ€tsommer. Zusammen mit Logistikpartnern wĂŒrden tagesgenaue Prognosen erstellt und Bestellvolumen geschĂ€tzt, um planen zu können, wie viele Fahrzeuge und Aushilfen benötigt werden, so eine Unternehmenssprecherin. Im Vergleich zu normalen Zeiten seien die vierfachen LagerkapazitĂ€ten nötig.
DHL rechnet mit elf Millionen Sendungen
Der Paketbranche bescheren die Rabattaktionen volle AuftragsbĂŒcher. MarktfĂŒhrer DHL erwartet, in der Woche nach dem Black Friday an manchen Tagen mehr als elf Millionen Sendungen zu transportieren. Das Sendungsvolumen ist demnach 50 Prozent höher als im Wochenschnitt des bisherigen Jahresverlaufs.
Laut einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln will jeder Dritte in diesem Jahr weniger ausgeben als im Vorjahr. Der Handelsverband Deutschland rechnet an den Tagen rund um den Black Friday mit UmsĂ€tzen in Höhe von 5,8 Milliarden Euro aus - das wĂ€re ein Plus von drei Prozent. 2022 waren die UmsĂ€tze im Vergleich mit dem Vorjahr noch um 20 Prozent gestiegen. «Der Handel kann nicht auf den Tag verzichten. Aber der Black Friday wird dieses Jahr nicht mehr retten können. DafĂŒr ist das Konsumklima zu schlecht», sagt Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.
FĂŒr viele Menschen ist die Aussicht dennoch verlockend, mindestens einen Teil der Weihnachtsgeschenke schon vier Wochen vor dem Fest zu besorgen. 71 Prozent der Deutschen wollen die SchnĂ€ppchentage der PwC-Umfrage dazu nutzen. Besonders beliebt sind demnach vor allem elektronische GerĂ€te (40 Prozent) und Kleidung (33 Prozent). Den Befragen zufolge muss der Rabatt bei mindestens 38 Prozent liegen, um besonders gut zu sein.
74 Prozent wollen online kaufen
Kurz vor dem 24. November ist es kaum möglich, den Black Friday zu ĂŒbersehen. Die groĂen Videotafeln an den HauptverkehrsstraĂen der StĂ€dte bewerben seit Tagen die SchnĂ€ppchen. Der Onlinehandel hat auch in diesem Jahr wieder die Nase vorn. Laut der PwC-Studie wollen 74 Prozent online auf Einkaufstour gehen, nur 24 Prozent offline und stationĂ€r. Dennoch hat der klassische Einzelhandel seine VorzĂŒge. So warnt die Verbraucherzentrale vor einem erhöhten Risiko, an den Aktionstagen auf einen unseriösen Online-Shop hereinzufallen.
Experten sehen wegen der Vielzahl an Angeboten die Gefahr eines Kaufrauscheffektes. Online-HĂ€ndler nutzten demnach etwa rote Balken, die angeblich dahinschmelzende LagerbestĂ€nde anzeigen, oder ablaufende Uhren, um KĂ€ufer unter Druck zu setzen. Die Verbraucherzentrale rĂ€t dazu, sich Preisgrenzen zu setzen, Portale zum Preisvergleich zu nutzen und einen kĂŒhlen Kopf zu bewahren.
Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben am Black Friday aber zumindest einen Vorteil. Sie können den SchnĂ€ppchentag und seinen Rummel bei Bedarf einfach ignorieren. FĂŒr die HĂ€ndler ist das deutlich schwieriger. Die könnten es sich kaum leisten, die Aktion zu boykottieren, sagt Experte Fassnacht.


