Nettoverluste 2027: Steuerzahlerbund warnt vor Mehrbelastung
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Bund der Steuerzahler erwartet, dass viele Arbeitnehmer 2027 trotz der geplanten Steuerreform weniger Netto vom Brutto haben werden. VerbandsprĂ€sident Reiner Holznagel sagte der âRheinischen Postâ, die Sozialversicherungslasten stiegen weiter, wĂ€hrend die Entlastung bei der Einkommensteuer gering ausfalle.
Steigende Sozialabgaben belasten Facharbeiter
â2027 droht zum Jahr der ErnĂŒchterung fĂŒr viele Arbeitnehmer zu werdenâ, sagte Holznagel. Unter dem Strich wĂŒrden viele BeschĂ€ftigte im kommenden Jahr Nettoverluste erleiden.
Besonders betroffen seien nach seiner EinschĂ€tzung gutverdienende Facharbeiter. Bei ihnen stiegen die Beitragsbemessungsgrenzen doppelt: Neben der prozentualen Erhöhung komme monatlich ein weiterer Betrag von 300 Euro hinzu, auf den Kranken- und PflegeversicherungsbeitrĂ€ge fĂ€llig wĂŒrden.
Kritik an der Steuerreform
Holznagel bezeichnete die Steuerreform als ambitionslos. Erstmals seit 2016 wolle die Bundesregierung die Inflation im Einkommensteuertarif nicht mehr ausgleichen.
Die dadurch begrenzte steuerliche Entlastung könne die zusÀtzlichen Belastungen durch SozialversicherungsbeitrÀge nach EinschÀtzung des Steuerzahlerbundes nicht kompensieren.
Die erwarteten Nettoverluste fĂŒr Arbeitnehmer im Jahr 2027 ergeben sich nach der EinschĂ€tzung des Bundes der Steuerzahler aus dem Zusammenspiel von Einkommensteuer und Sozialabgaben. Steigt das Bruttoeinkommen, erhöhen sich bei vielen BeschĂ€ftigten zugleich die BeitrĂ€ge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Werden die steuerlichen FreibetrĂ€ge und Tarife nicht im gleichen MaĂ an die Inflation angepasst, kann die reale Entlastung trotz nominal höherer Löhne gering ausfallen oder ausbleiben.
Besonders relevant ist die Entwicklung fĂŒr BeschĂ€ftigte oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen. Bis zu diesen Einkommensgrenzen werden BeitrĂ€ge erhoben; eine Anhebung vergröĂert daher bei gutverdienenden Arbeitnehmern den beitragspflichtigen Teil des Einkommens. Die Belastung verteilt sich grundsĂ€tzlich auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wĂ€hrend bestimmte PflegeversicherungszuschlĂ€ge allein von BeschĂ€ftigten getragen werden.
Auswirkungen auf Arbeitnehmer
FĂŒr die private Haushaltsplanung zĂ€hlt nicht die Bruttolohnerhöhung, sondern der Betrag nach Steuern und Abgaben. Betroffen sein können insbesondere FachkrĂ€fte mit Einkommen nahe oder oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen sowie Kinderlose durch höhere PflegeversicherungsbeitrĂ€ge. Wie stark sich die Belastung im Einzelfall auswirkt, hĂ€ngt unter anderem von Einkommen, Krankenkassenbeitrag, Familienstand und Kinderzahl ab.
Die politische Kernfrage lautet damit, ob die Steuerentlastung die zusĂ€tzlichen Sozialabgaben ausgleicht. Bleibt der Einkommensteuertarif hinter der Preisentwicklung zurĂŒck, steigt die Abgabenlast auch dann, wenn Arbeitnehmer nominal mehr verdienen.
