GESAMT-ROUNDUP, LĂ€nder

GESAMT-ROUNDUP: LĂ€nder stimmen wichtigen Gesetzen der Bundesregierung zu

11.07.2025 - 16:07:31

Der Bundesrat hat die ersten Gesetze der neuen schwarz-roten Bundesregierung gebilligt.

So stimmte er dem milliardenschweren Wachstumspaket, der VerlĂ€ngerung der Mietpreisbremse und der Aussetzung des Familiennachzugs fĂŒr GeflĂŒchtete mit eingeschrĂ€nktem Schutzstatus zu.

In seiner Antrittsrede in der LĂ€nderkammer bot Bundeskanzler Friedrich Merz LĂ€ndern und Kommunen eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit an. "Denn wir tragen die Verantwortung fĂŒr eine gute Zukunft in Deutschland und Europa gemeinsam", sagte der CDU-Vorsitzende. Nur zusammen könnten wichtige Aufgaben wie der BĂŒrokratieabbau, die Digitalisierung oder die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren wirklich gelöst werden.

"Wir im Bund brauchen und wollen Sie in den LĂ€ndern genauso wie die Kommunen als kraftvolle Partner", betonte Merz. BundesratsprĂ€sidentin Anke Rehlinger (SPD) machte dem Bund das Angebot, "Gemeinsamkeiten zu suchen und Differenzen, dort wo sie bestehen, zu ĂŒberwinden". Die LĂ€nder seien bereit, ihrer im Grundgesetz festgeschriebenen Verantwortung gerecht zu werden.

Ein Überblick ĂŒber einzelne BeschlĂŒsse des Bundesrats:

GrĂŒnes Licht fĂŒr Steuerentlastungen fĂŒr Unternehmen

Mit der Zustimmung der LĂ€nder kommen die milliardenschweren Steuerentlastungen fĂŒr Unternehmen, die die Wirtschaft nach der jahrelangen WachstumsschwĂ€che wieder ankurbeln sollen. Konkret sollen Unternehmen ihre Ausgaben fĂŒr Maschinen und GerĂ€te im laufenden und in den nĂ€chsten zwei Jahren degressiv von der Steuer abschreiben können - und zwar mit bis zu 30 Prozent. Dadurch sinkt direkt nach einer Anschaffung die Steuerlast und Firmen haben schneller wieder mehr Geld zur VerfĂŒgung.

Wenn dieser sogenannte Booster ausgelaufen ist, soll ab 2028 schrittweise die Körperschaftsteuer sinken - und zwar von derzeit 15 Prozent auf 10 Prozent im Jahr 2032. Außerdem wird der Kauf eines reinen Elektroautos fĂŒr Unternehmen steuerlich attraktiver.

Bund, LĂ€ndern und Kommunen entgehen durch das Paket Steuereinnahmen von rund 48 Milliarden Euro. Der Bund ĂŒbernimmt die SteuerausfĂ€lle der Kommunen bis 2029 vollstĂ€ndig. Auch die LĂ€nder erhalten einen finanziellen Ausgleich.

Mietpreisbremse gilt nun bis Ende 2029

Die Mietpreisbremse fĂŒr Neuvermietungen in begehrten Wohngebieten wird nach der Zustimmung des Bundesrats bis Ende 2029 verlĂ€ngert. Sie gilt in Gegenden, die die jeweilige Landesregierung als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt bestimmt. Bei der Neuvermietung einer Wohnung darf die Miete dort zu Beginn höchstens um zehn Prozent ĂŒber der ortsĂŒblichen Vergleichsmiete liegen, wie sie zum Beispiel in Mietspiegeln zu finden ist.

Von der Bremse ausgenommen sind unter anderem neu gebaute Wohnungen, die nach Oktober 2014 erstmals vermietet wurden, und Wohnungen, die nach einer umfassenden Modernisierung zum ersten Mal wieder vermietet werden.

Familiennachzug wird ausgesetzt

GeflĂŒchtete mit eingeschrĂ€nktem Schutzstatus können nach dem gebilligten Gesetz fĂŒr zwei Jahre ihre Kernfamilie nicht mehr zu sich holen. Das war bisher möglich fĂŒr minderjĂ€hrige Kinder und Ehepartner. Im Fall unbegleiteter MinderjĂ€hriger können aktuell auch Eltern ein Visum fĂŒr die FamilienzusammenfĂŒhrung in Deutschland erhalten.

Von der Neuregelung betroffen sind 12.000 Menschen im Jahr, darunter viele Menschen aus Syrien. Denn schon seit Jahren gilt fĂŒr die Angehörigen von Menschen mit subsidiĂ€rem Schutz ein Kontingent von 1.000 Visa pro Monat. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Visa fĂŒr Kinder, Ehepartner und Eltern von Menschen aus dieser Gruppe nur noch in seltenen HĂ€rtefĂ€llen ausgestellt werden sollen.

Staatliches Tierhaltungslogo fĂŒr Fleisch verzögert sich

Das staatliche Tierhaltungslogo fĂŒr Fleisch im Supermarkt kommt erst im nĂ€chsten Jahr. Der Bundesrat billigte ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz, das die eigentlich zum 1. August vorgesehene Kennzeichnungspflicht zunĂ€chst fĂŒr Schweinefleisch auf 1. MĂ€rz 2026 verschiebt. Die LĂ€nder, die das Gesetz umsetzen und kontrollieren mĂŒssen, hatten mehr Zeit eingefordert.

Das von der Ampel-Koalition 2023 per Gesetz beschlossene Logo soll beim Fleischkauf mehr Klarheit ĂŒber die Bedingungen in StĂ€llen bringen. Vorgesehen ist ein System mit fĂŒnf Kategorien von der Stufe "Stall" mit den gesetzlichen Mindestanforderungen bis hin zu "Bio". Union und SPD wollen die Verschiebung nutzen, um das Gesetz grundsĂ€tzlich zu reformieren und es "praxistauglich" zu machen.

Druck auf Bundesregierung zur Stromsteuersenkung fĂŒr alle

Die LĂ€nder erhöhen den Druck auf die Bundesregierung fĂŒr eine Stromsteuersenkung fĂŒr alle. Der Bundesrat beschloss eine Empfehlung, in welcher die Bundesregierung gebeten wird, die geplanten Maßnahmen zur Senkung der Stromkosten inklusive der Senkung der Stromsteuer auf das europĂ€ische Mindestmaß fĂŒr alle Verbrauchergruppen - Unternehmen wie Haushalte - so schnell wie möglich umzusetzen. Gegen die Entscheidung der Bundesregierung, die Stromsteuer nicht fĂŒr alle BĂŒrger und fĂŒr alle Betriebe zu senken, hatten zuvor schon zahlreiche MinisterprĂ€sidenten - auch der Union - protestiert. Eigentlich ist dies im Koalitionsvertrag zugesagt, allerdings unter einem Finanzierungsvorbehalt.

LĂ€nder machen sich fĂŒr Zukunft der Stahlindustrie stark

Die LĂ€nderkammer appellierte an die Bundesregierung, die Zukunfts- und WettbewerbsfĂ€higkeit der Stahlindustrie in Deutschland nachhaltig zu sichern. Dazu solle sie unter anderem die Umsetzung des europĂ€ischen Aktionsplans fĂŒr Stahl und Metalle so schnell wie möglich in die Wege leiten, heißt es in einer angenommenen Entschließung. In ihr werden auch wettbewerbsfĂ€hige Stromkosten sowie das dauerhafte Unterbinden von unfairen Importen, Preisdumping und unerlaubten Subventionen gefordert.

Die Stahlindustrie leidet unter schwacher Konjunktur, hohen Energiepreise und billigeren Importen vor allem aus Asien. Vertreter von LĂ€ndern mit Stahlwerken wie Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte verlangten einen nationalen Stahlgipfel.

@ dpa.de