Merz rÀt Scholz zur Richtlinienkompetenz bei Migration
06.09.2024 - 15:07:27 | dpa.deMit Blick auf das fĂŒr den kommenden Dienstag anvisierte neue MigrationsgesprĂ€ch sagte Merz in Neuhardenberg: "Wenn der Bundeskanzler einen Konsens in seiner Regierung erzielt bis dahin, ist das gut. Wenn er ihn nicht erzielt, kann er von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch machen und sagen: Das machen wir jetzt so."
"Er hat uns dabei an seiner Seite. Wir werden das unterstĂŒtzen", ergĂ€nzte der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag bei der Klausur des geschĂ€ftsfĂŒhrenden Vorstands der Fraktion.
Merz bekrĂ€ftigt Ultimatum bei ZurĂŒckweisungen
Scholz mĂŒsse vor dem geplanten neuen MigrationsgesprĂ€ch von Bundesregierung, Opposition und LĂ€ndern klarstellen, was er wolle, sagte Merz. "Und dazu gehört aus unserer Sicht unverzichtbar die Entscheidung der Bundesregierung, ZurĂŒckweisungen an den Grenzen sofort vorzunehmen - und zwar umfassend, nicht irgendwie und ein bisschen." Niemand solle Höflichkeit in seinen Formulierungen in den vergangenen Tagen als ein Aufweichen der Unions-Position missinterpretieren.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte, es seien nicht alle drei Ampel-Parteien, die hier keine Bereitschaft zeigten. "Es scheitert offensichtlich an einer Partei, an den GrĂŒnen." Dobrindt forderte Scholz auf, diesen Koalitionspartner "unter Kontrolle zu bringen".
Union weist auf Erfolg der Grenzkontrollen bei EM hin
Der CDU-Vorsitzende rechnete vor, dass bei den 43 Tage dauernden Grenzkontrollen wĂ€hrend der FuĂball-Europameisterschaft fast 10.000 FĂ€lle von unerlaubter Einreise nach Deutschland festgestellt worden seien. Fast 1.200 offene Haftbefehle seien vollstreckt worden. "Wenn es noch einen Beweis gebraucht hĂ€tte, dass Grenzkontrollen eine Wirkung haben, dann ist dieser Beweis in den 43 Tagen der Europameisterschaft erbracht worden."
Merz betonte, er wolle im kommenden Jahr keinen Wahlkampf um die Migration fĂŒhren mĂŒssen. "Aber wenn uns die Koalition keine andere Wahl lĂ€sst, dann werden wir ihn fĂŒhren." In der kommenden Woche gebe es noch mal die Chance, das Problem gemeinsam zu lösen. "Ich möchte es lösen. Aber ich werde keiner Kompromisslösung zustimmen, von der man befĂŒrchten muss, dass das Problem sich fortsetzt", sagte Merz. "Es ist uns sehr ernst, weil das Problem ernst ist."
Fraktionsspitze sieht wirtschaftliche Lage als prekÀr an
Die Spitze der Unionsfraktion befasste sich in Neuhardenberg auch mit der angeschlagenen deutschen Wirtschaft. "Die wirtschaftliche Lage ist prekĂ€r", sagte Merz. Das zeigten unter anderem die Probleme beim VW-Konzern. "Die deutsche Wirtschaft ist in groĂen Teilen nicht mehr ausreichend wettbewerbsfĂ€hig." Dies möge in einzelnen FĂ€llen auch an unternehmerischen Entscheidungen liegen. "Aber die Summe der Unternehmensnachrichten, die wir hören aus allen Branchen - Chemie, Maschinenbau, Automobilindustrie - deutet darauf hin, dass die Wettbewerbsbedingungen des Standortes Deutschland nicht mehr gut genug sind."
Mit Blick auf eine mögliche RegierungsĂŒbernahme im kommenden Jahr sagte Merz, in den ersten Tagen mĂŒsse man schnelle Entscheidungen treffen, "damit dieses Land wieder auf Kurs kommt". Dazu zĂ€hle vor allem VerlĂ€sslichkeit und politische Stetigkeit. "Die deutsche Wirtschaft vertrĂ€gt eine Menge Belastungen. Aber was sie ĂŒberhaupt nicht mehr vertrĂ€gt, sind Unsicherheiten und Unstetigkeiten in den politischen Entscheidungen. Das mĂŒssen wir sehr schnell korrigieren."
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