Gesellschaft, Thyssenkrupp-Betriebsrat

Thyssenkrupp-Betriebsrat fürchtet Rechtsruck

20.07.2023 - 20:07:23 | dts-nachrichtenagentur.de

Der Chef des Betriebsrats von Thyssenkrupp, Tekin Nasikkol, hat vor einem Rechtsruck in Deutschland gewarnt.

Stahlproduktion - Bild: über dts Nachrichtenagentur
Stahlproduktion - Bild: über dts Nachrichtenagentur

Die Bundesregierung formuliere Klimaziele, aber "vernachlässigt dabei die soziale Frage", sagte er dem "Spiegel". "Das macht die Leute wütend."

Die Gewerkschaft IG Metall biete den Menschen eine Plattform, um Ärger rauszulassen, zum Beispiel auf Aktionstagen. "Wo das nicht passiert, gehen die Menschen frustriert nach Hause - wer weiß, wen sie dann wählen. Dann lungern sprichwörtlich die Rattenfänger", sagte Nasikkol. "Ich mache mir Sorgen um die Stabilität der Demokratie und hoffe, dass wir keinen Ruck in eine Richtung bekommen, die wir nicht mehr zurückdrehen können." Nachdem die EU-Kommission die staatliche Förderung des Umbaus der Stahlproduktion von Thyssenkrupp genehmigt hat, fordert Nasikkol nun eine rasche Sicherheit über die Subventionierung. "Wir brauchen den Förderbescheid schnellstmöglich, sonst kann das Unternehmen den Eigenanteil an den Investitionen nicht freigeben", sagte er. Thyssenkrupp will die kohlebasierten Hochöfen in Duisburg nach und nach durch Direktreduktionsanlagen ersetzen, die Gas und sukzessive Wasserstoff verwenden sollen. Doch die Genehmigungsprozesse glichen "einem bürokratischen Monster", kritisierte Nasikkol, der auch dem Aufsichtsrat von Thyssenkrupp angehört. "Der Kanzler hat von einer neuen Deutschland-Geschwindigkeit gesprochen - die bräuchten wir dringend beim Umbau der Industrie." Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) solle den Umbau der Kernindustrien zur Chefsache machen, fordert der Arbeitnehmervertreter: "Wir brauchen kein Ministerium für Komplikation, wir brauchen ein Ministerium für Transformation." Nasikkol kritisierte auch Gedankenspiele, die Stahlproduktion in Staaten mit günstigerer Energie zu verlagern. Ein Stahlwerk sei wie eine Großküche, in der verschiedene Sorten und Qualitäten entstehen. "Wenn wir uns das in Deutschland nicht mehr leisten wollen, geben wir Kernkompetenzen und Innovationsfähigkeit auf", so Nasikkol. "Dann müssten wir beten und hoffen, dass die nötigen Qualitäten nach Deutschland geliefert werden, dass es keine geopolitischen Konflikte gibt, dass wir nicht mit hohen Preisen erpresst werden."

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

de | wirtschaft | 63861560 |

Weitere Meldungen

Handelsverbände fordern Freigabe der Sonntagsöffnungszeiten Nach der Ankündigung der Bundesregierung, die Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien zu verlängern, fordern Handelsverbände eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen."Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis, daher setzen wir uns für Sonntagsöffnungen im Einzelhandel ein, um Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Genth, der "Bild-Zeitung" (Montagausgabe).Der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, sagte demselben Blatt: "Wir sollten endlich einen Schritt voran machen und den Sonntag in das Ermessen der Kaufleute und Kunden stellen." Wer in Deutschland sonntags ein Hemd verkaufe, mache sich strafbar. (Wirtschaft, 06.07.2026 - 00:00) weiterlesen...

Rheinmetall-Chef spricht von Rückschlag nach Fregatten-Aus Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat das Aus für das Fregatten-Projekt F126 als Rückschlag bezeichnet. (Politik, 04.07.2026 - 16:45) weiterlesen...

Hunderte Soldaten wechseln in Rüstungsindustrie Immer mehr Soldaten wechseln in die Rüstungsindustrie. (Politik, 04.07.2026 - 09:00) weiterlesen...

Kassen warnen vor Verwässerung der Gesundheitsreform Der Krankenkassen-Spitzenverband warnt vor einem Aufweichen der Gesundheitsreform. (Politik, 04.07.2026 - 07:28) weiterlesen...

RWE sieht Korrekturbedarf bei Kraftwerksgesetz Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Kraftwerksbetreibers RWE, Markus Krebber, sieht Korrekturbedarf bei dem von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgelegten "Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz" (StromVKG). (Wirtschaft, 04.07.2026 - 01:05) weiterlesen...

Bericht: Aleph-Alpha-Fusion mit Cohere verzögert sich Der Zusammenschluss des einstigen deutschen Vorzeige-Start-ups Aleph Alpha mit der kanadischen KI-Firma Cohere dauert offenbar länger als von einigen beteiligten Personen erhofft. (Wirtschaft, 03.07.2026 - 10:18) weiterlesen...