Evergrande, China

Krise auf Chinas Immobilienmarkt weitet sich aus

18.08.2023 - 12:27:53

Der chinesische Immobilienentwickler Evergrande hat in den USA GlÀubigerschutz beantragt. Die Probleme auf dem HÀusermarkt erfassen bereits andere Wirtschaftszweige. Verliert Peking die Kontrolle?

Chinas Immobilienmarkt kommt nicht zur Ruhe: Der hoch verschuldete Immobilienentwickler Evergrande hat in den USA GlÀubigerschutz beantragt.

Wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, beantragte das Unternehmen am Donnerstag in Manhattan GlĂ€ubigerschutz nach Kapitel 15. Damit will es sich in den USA vor Forderungen schĂŒtzen, wĂ€hrend anderswo die Verhandlungen weitergehen.

Schulden von ĂŒber 300 Milliarden

Der chinesische Konzern steckt in einer tiefen Krise und gilt als das am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen der Welt. Evergrande hatte Schulden von ĂŒber 300 Milliarden Dollar (rund 276 Mrd Euro) angehĂ€uft. Zinszahlungen konnten nicht mehr pĂŒnktlich geleistet werden. Im Januar 2022 kĂŒndigte das Unternehmen einen Restrukturierungsplan an. Dieser wurde ĂŒber ein Jahr spĂ€ter im MĂ€rz prĂ€sentiert. Wie die britische «Financial Times» berichtete, sollen noch in diesem Monat Verhandlungen mit GlĂ€ubigern in Hongkong stattfinden.

Der chinesische Immobiliensektor befindet sich seit geraumer Zeit in einer schweren Krise, fĂŒr die Evergrande aufgrund seiner schieren GrĂ¶ĂŸe zum Symbol geworden ist. Nicht nur profitgierige Immobilienentwickler, die unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig und oft am tatsĂ€chlichen Bedarf vorbei gebaut haben, sind fĂŒr die aktuelle Situation verantwortlich. 

Auch Peking trĂ€gt seinen Teil dazu bei. Denn bevor die Branche in Schieflage geriet, wurde sie mit harten neuen Regeln zum Schuldenabbau konfrontiert. Dutzende weitere Immobilienentwickler sind seither in den Abgrund gerissen worden. Die allzu strengen Regeln wurden oft als Hauptursache der Krise angesehen. Inzwischen hat Peking die Vorschriften wieder etwas gelockert und Hilfe fĂŒr die Branche signalisiert.

Doch viel Vertrauen ist verspielt, die Verunsicherung groß. Erst vergangene Woche stĂŒrzte das Unternehmen Country Garden an der Börse ab, nachdem es zwei Kuponzahlungen fĂŒr US-Dollar-Anleihen verpasst hatte. Dabei galt der zweitgrĂ¶ĂŸte Entwickler des Landes zuvor als vergleichsweise stabil. Zwar handelt es sich zunĂ€chst nur um Zinszahlungen in Höhe von 22,5 Millionen US-Dollar. Dennoch wurden sofort Erinnerungen an Evergrande wach, wo die Probleme Ă€hnlich begannen.

Krise weitet sich aus

Die Krise wirkt sich auch auf andere Bereiche der Wirtschaft aus, da der Immobiliensektor in China immer eine wichtige StĂŒtze des Wachstums war. Die chinesische Wirtschaft ist derzeit ohnehin angeschlagen. Die Erholung nach der Corona-Pandemie fĂ€llt schwĂ€cher aus als von der Regierung erhofft.

Die Krise im Immobiliensektor droht zudem auf die Finanzbranche ĂŒberzugreifen. Mit Zhongrong International Trust scheint nun auch eine von Chinas berĂŒchtigten «Schattenbanken» in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten. Dabei handelt es sich um Finanzunternehmen, die keine Banklizenz haben, aber im Auftrag von Investoren Geld anlegen - oft mit dem Versprechen hoher Zinszahlungen.

Zhongrong soll in LiquiditĂ€tsschwierigkeiten geraten sein, weil es große Summen in den krisengeschĂŒttelten Immobiliensektor investiert hat. Vor der Zentrale in Peking kam es bereits zu Protesten verĂ€rgerter Anleger.

Die Sorgen um Chinas Immobilienmarkt und eine verunsichern auch die internationalen FinanzmĂ€rkte und lasteten auf den Kursen im deutschen Leitindex Dax. «Was in Deutschland in der vergangenen Woche in klein zu beobachten war, könnte sich in China jetzt zu einer handfesten Krise ausweiten und auch die weltweiten FinanzmĂ€rkte in Mitleidenschaft ziehen», schrieb JĂŒrgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus Robomarkets, kĂŒrzlich.

@ dpa.de