Zahl, Arbeitslosen

Zahl der Arbeitslosen steigt im Dezember um 31.000

03.01.2024 - 09:57:38

Der deutsche Arbeitsmarkt 2024 teilt sich: Einerseits suchen ganze Branchen weiterhin hÀnderingend nach Personal. Auf der anderen Seite bekommen Menschen ohne Qualifikation kaum noch einen Job.

KonjunkturschwĂ€che und FachkrĂ€ftemĂ€ngel haben den deutschen Arbeitsmarkt gespalten. Einerseits werde in einigen Dienstleistungsbranchen, etwa bei WirtschaftsprĂŒfern oder in der Pflege, hĂ€nderingend Personal gesucht, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, Andrea Nahles, bei der Vorstellung ihrer Dezember-Statistik in NĂŒrnberg. Andererseits gebe es in konjunkturabhĂ€ngigen Branchen wie auf dem Bau, im Einzelhandel oder bei der Zeitarbeit kaum noch Aufwuchs bei der BeschĂ€ftigung.

Regional sei Ostdeutschland von stagnierender oder sinkender BeschÀftigung stÀrker betroffen als der Westen.

Einerseits werde der FachkrĂ€ftemangel auch im laufenden Jahr ein großes Thema bleiben, kĂŒndigte Nahles an. Schon jetzt gehe der BeschĂ€ftigungszuwachs zu 100 Prozent auf das Konto von Menschen mit auslĂ€ndischem Pass. Auf der anderen Seite: 61 Prozent der Arbeitslosen seien auf der Suche nach Helferjobs, die es immer weniger gebe. «Wir sprechen von verfestigter Arbeitslosigkeit in dem Bereich.»

Die Gruppe weniger qualifizierter Arbeitsloser werde es hingegen immer schwerer haben, eine Arbeitsstelle zu finden. Deshalb sei Qualifizierung bitter notwendig, ganz egal, ob es um eine jahrelange Weiterbildung gehe, ein Schweißer-Zertifikat oder einen FĂŒhrerschein.

Finanzierung fĂŒr Weiterbildung fraglich

Die Analyse von Nahles dĂŒrfte auch als eine Art Appell an die Bundesregierung zu verstehen sein. Qualifikationsmaßnahmen etwa fĂŒr Langzeitarbeitslose werden nicht - wie Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld - aus den BeitrĂ€gen der Arbeitslosenversicherung bezahlt, sondern aus Steuermitteln. Die Bundesagentur bangt nach frĂŒheren Angaben von Nahles um Hunderte von Millionen Euro in diesem Topf, die den Sparrunden der Bundesregierung zum Opfer fallen könnten. Vor allem aber brauche die Bundesagentur Planungssicherheit - und deswegen schnelle Klarheit.

Hinzu kommt, dass eigentlich als ZuschĂŒsse gewĂ€hrte Milliardenhilfen des Bundes aus der Corona-Zeit zurĂŒckgezahlt werden sollen, wie ein in Berlin kursierender Gesetzentwurf vorsieht - 5,2 Milliarden Euro in den nĂ€chsten Jahren. Dies belaste aber nicht die aktive Arbeitsmarktpolitik, sondern verzögere das Bilden einer RĂŒcklage.

Die StaatssekretĂ€rin im Bundesarbeitsministerium, Leonie Gebers, sprach von einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Die ArbeitskrĂ€ftesicherung bleibe Garant des Wohlstands und damit eine zentrale Aufgabe fĂŒr alle Akteure am Arbeitsmarkt, betonte sie. «Ob Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, Förderung von Weiterbildung in Betrieben, die besonders vom Strukturwandel betroffen sind, oder die intensive Betreuung GeflĂŒchteter nach deren Einstellung durch engagierte Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber - es braucht das gesamtgesellschaftliche Engagement zur ArbeitskrĂ€ftesicherung und zur Wohlstandssicherung in Deutschland.»

Nahles: Arbeitslosigkeit im historischen Vergleich niedrig

Im Dezember ging die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Vergleich zum November vor allem saisonbedingt um 31.000 auf 2,637 Millionen Menschen nach oben. Die Arbeitslosenquote sei um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent gestiegen, teilte die Bundesagentur fĂŒr Arbeit mit. Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres stieg die Zahl der Arbeitslosen um 183.000. Die Bundesagentur griff fĂŒr die Statistik auf Datenmaterial zurĂŒck, das bis zum 13. Dezember vorlag.

«Mit Beginn der Winterpause haben Arbeitslosigkeit und UnterbeschĂ€ftigung im Dezember, wie in diesem Monat ĂŒblich, zugenommen», sagte Nahles. Auch ein leichter Anstieg der Kurzarbeit sei zu verzeichnen. Allerdings wachse auch die BeschĂ€ftigung weiter und die Nachfrage der Unternehmen nach neuem Personal hat sich im Dezember nicht weiter abgeschwĂ€cht.» Im Dezember verzeichnete die Bundesagentur 713.000 offene Stellen, 68.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Nachfrage nach ArbeitskrĂ€ften sinke auf hohem Niveau schon seit Ende 2022.

Nahles betonte, das abgelaufene Jahr 2023 zÀhle insgesamt zu den Jahren mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit der deutschen Wiedervereinigung. Die schwache Konjunktur habe jedoch Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Im Jahresdurchschnitt seien 2,609 Millionen Menschen arbeitslos gewesen, 191.000 mehr als im Schnitt des Vorjahres. Die Kurzarbeit habe sich im langjÀhrigen Vergleich auf moderatem Niveau bewegt.

FĂŒr 2024 rechnet sie insgesamt mit einer «moderat besseren Entwicklung» auf dem Arbeitsmarkt, einsetzend ab dem zweiten Quartal.

@ dpa.de