ROUNDUP, Jahr

'Ein gebrauchtes Jahr fĂŒr die Exportwirtschaft' - Krisen belasten

05.02.2024 - 12:14:54

Der deutsche Exportmotor ist im vergangenen Jahr ins Stottern geraten.

Der Wert der Warenausfuhren sank nach vorlĂ€ufigen Daten des Statistischen Bundesamtes gegenĂŒber dem Rekordwert des Vorjahres um 1,4 Prozent auf 1562,1 Milliarden Euro. "Nach der Finanzkrise 2009 und der Corona-Krise 2020 ist es das schwĂ€chste Ergebnis seit drei Jahrzehnten", sagte Carolin Herwig, Außenwirtschaftsexpertin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), am Montag mit Blick auf die StĂ€rke des RĂŒckgangs. Eine geringe Nachfrage aus dem Ausland wegen hoher Inflationsraten und eines hohen Zinsniveaus sowie geopolitische Risiken hĂ€tten fĂŒr das Minus gesorgt. "2023 war ein gebrauchtes Jahr fĂŒr die deutsche Exportwirtschaft." Volkswirte rechnen zunĂ€chst mit anhaltendem Gegenwind.

Nach Angaben des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) dĂ€mpften Krisen im vergangenen Jahr den Welthandel. "Insbesondere fĂ€llt auf, dass die Unruhe auf den WeltmĂ€rkten die deutschen Exporte in Mitleidenschaft gezogen hat", sagte BGA-PĂ€sident Dirk Jandura. "Die deutschen Ausfuhren in die maßgeblichen AbsatzmĂ€rkte stagnierten in 2023 im Vergleich zum Vorjahr oder nahmen sogar ab."

Im Jahr 2022 hatten die Ausfuhren auch in Folge von Preiserhöhungen noch einen Rekordwert erreicht. Genau beziffern lassen sich die Preiseffekte allerdings nicht, da die Statistiker keine preisbereinigten Daten zum Außenhandel erheben.

Einfuhren noch deutlicher gesunken

Die Einfuhren nach Deutschland sanken im vergangenen Jahr deutlich stĂ€rker als die Ausfuhren: Die Importe lagen kalender- und saisonbereinigt mit 1352,5 Milliarden Euro um 9,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Daraus ergibt sich ein gestiegener ExportĂŒberschuss von 209,6 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor war der Saldo mit 85,5 Milliarden Euro deutlich geringer. Europas grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft fĂŒhrt seit Jahren mehr aus als sie einfĂŒhrt. Das hatte in der Vergangenheit fĂŒr Verstimmung bei anderen LĂ€ndern gesorgt.

Der deutliche RĂŒckgang der Importe zeige, dass der private Verbrauch im Inland sehr schwach sei, erlĂ€uterte VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel. "Gleichzeitig zeigt es auch, dass die Industrie wenig Waren aus dem Ausland bestellte, da die AuftragsbĂŒcher dĂŒnn sind." Nach EinschĂ€tzung von Gitzel spricht der Auftragseingang tendenziell fĂŒr einen weiteren RĂŒckgang der Exporte in den kommenden Monaten. "Wenn keine Bestellungen reinkommen, können auf der anderen Seite auch keine Waren in den Export gegeben werden." Auch Volkswirt Marc Schattenberg von der Deutschen Bank rechnet zunĂ€chst mit weiterem Gegenwind fĂŒr die deutsche Exportwirtschaft.

Unerwartet starker DĂ€mpfer zum Jahresende

Zum Jahresende 2023 verzeichnete der deutsche Außenhandel einen unerwartet starken DĂ€mpfer. Die Ausfuhren fielen im Dezember im Monatsvergleich um 4,6 Prozent. Dies ist der stĂ€rkste RĂŒckgang seit Ende 2022. Analysten hatten zwar schrumpfende Exporte erwartet, waren aber im Schnitt nur von einem Minus um 2,8 Prozent ausgegangen. Geliefert wurden Waren im Wert von 125,3 Milliarden Euro ins Ausland.

Die Stimmung in der deutschen Exportindustrie hatte sich zuletzt eingetrĂŒbt. Die Ifo-Exporterwartungen sanken im Januar auf minus 8,4 Punkte, von minus 7,1 Punkten im Dezember. "Die deutsche Exportwirtschaft startet schlechter ins neue Jahr", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. "Die Exporteure brauchen neue Impulse."

Eine Mehrheit der Branchen erwartet demnach, dass ihre Exporte zurĂŒckgehen. Dazu zĂ€hlen insbesondere die Kernbranchen der Industrie, wie Automobilbau, Maschinenbau oder Elektrotechnik. Von rĂŒcklĂ€ufigen AuftrĂ€gen aus dem Ausland berichten auch die Hersteller von Kunststoff- und Gummiwaren oder die Metallbranche.

@ dpa.de