Konjunktur, Zusammenfassung

GESAMT-ROUNDUP/ Keine Trittbrettfahrerei mehr: Nato beginnt Gipfel mit Trump

23.06.2025 - 18:21:02 | dpa.de

Der diesjĂ€hrige Nato-Gipfel in Den Haag wird nach EinschĂ€tzung von Bundeskanzler Friedrich Merz das Ende der "Trittbrettfahrerei" beim stĂ€rksten BĂŒndnispartner USA markieren.

Die Amerikaner hĂ€tten das sicherheitspolitisch ĂŒber viele Jahrzehnte akzeptiert - "jetzt nicht mehr", sagte Merz in Berlin. "Wir EuropĂ€er mĂŒssen uns auf uns selbst gestellt stĂ€rker machen. Wir mĂŒssen stĂ€rker werden."

Mit Blick auf Deutschland und die anderen Alliierten kann sich US-PrĂ€sident Donald Trump damit schon jetzt als Gewinner des Gipfels fĂŒhlen - bevor der ĂŒberhaupt begonnen hat. Die BĂŒndnispartner stimmten auf Druck der USA zu, die Ausgaben fĂŒr MilitĂ€r und Infrastruktur drastisch zu erhöhen.

Dennoch sind die VerbĂŒndeten unsicher, ob sich die Vereinigten Staaten - trotz der Vereinbarung - dem BĂŒndnis noch bedingungslos verpflichtet fĂŒhlen. Trumps AnnĂ€herung an Russlands PrĂ€sidenten Wladimir Putin und die VernachlĂ€ssigung europĂ€ischer Stimmen im Krieg zwischen Israel und dem Iran nĂ€hren Zweifel. Die USA hatten trotz laufender VerhandlungsbemĂŒhungen der EuropĂ€er drei iranische Atomanlagen angegriffen.

Die Allianz hofft bei dem zweitÀgigen Treffen am Dienstag und Mittwoch auf ein eindeutiges Zeichen der Geschlossenheit von Trump.

Rutte sieht "wahrhaft historischen Moment"

Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte sagte bei einer Pressekonferenz, man treffe sich in einem wahrhaft historischen Moment, in dem die Sicherheit der Alliierten vor erheblichen Herausforderungen stehe. Eine massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fĂŒnf Prozent der Wirtschaftsleistung sei unentbehrlich, um den eine Billion Menschen in den 32 Nato-Staaten weiter Sicherheit garantieren zu können.

Mindestens fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Wie die Deutsche Presse-Agentur nach einer schriftlichen Entscheidung erfuhr, wollen sich die Alliierten beim Gipfel bereiterklĂ€ren, ihre jĂ€hrlichen verteidigungsrelevanten Ausgaben auf mindestens fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen.

Ein Betrag von mindestens 3,5 Prozent des BIP soll dabei auf klassische MilitĂ€rausgaben entfallen. Zudem könnte zum Beispiel militĂ€risch nutzbare Infrastruktur im Wert von 1,5 Prozent des BIP angerechnet werden. Als Frist fĂŒr die ErfĂŒllung des neuen Ziels soll das Jahr 2035 gelten, wie nach Angaben von Diplomaten aus dem Entwurf fĂŒr die AbschlusserklĂ€rung hervorgeht. Diese soll am Mittwoch formell angenommen werden.

Derzeit sieht das Nato-Ziel fĂŒr die Verteidigungsausgaben lediglich jĂ€hrliche nationale Ausgaben in Höhe von mindestens zwei Prozent des BIP vor. GrĂŒnde fĂŒr die vereinbarte Erhöhung sind insbesondere die Bedrohungen durch Russland, aber eben auch die Forderung von Trump, dass die EuropĂ€er kĂŒnftig die Hauptverantwortung auf ihrem Kontinent ĂŒbernehmen sollen.

Klingbeil will 2029 neues Nato-Ziel erfĂŒllen

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant fĂŒr das Jahr 2029 mit Verteidigungsausgaben von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen die Ausgaben bis dahin schrittweise steigen und bereits in diesem Jahr eine Nato-Quote von 2,4 Prozent erreichen.

Allein fĂŒr Bundeswehr, Bevölkerungsschutz, Nachrichtendienste und Hilfe fĂŒr völkerrechtswidrig angegriffene Staaten wie die Ukraine sind in diesem Jahr 75 Milliarden Euro vorgesehen, wie aus den der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden PlĂ€nen hervorgeht. . Bis 2029 sollen die Ausgaben in diesen Bereichen auf fast 170 Milliarden Euro anwachsen.

ErnĂŒchterndes fĂŒr die Ukraine

ErnĂŒchternd dĂŒrfte der Text fĂŒr die AbschlusserklĂ€rung fĂŒr die Ukraine werden. Ihr wird dort nach Angaben von Diplomaten lediglich vage eine fortgesetzte UnterstĂŒtzung in Aussicht gestellt. Noch im vergangenen Jahr hatte die Nato der Ukraine beim Gipfel in Washington zugesichert, SicherheitsunterstĂŒtzung in Höhe von 40 Milliarden Euro bereitzustellen. Zudem wurde damals festgehalten, dass ihr Pfad zur Mitgliedschaft unumkehrbar sei. Wegen des Widerstandes insbesondere der USA konnten solche Formulierungen nun nicht mehr wiederholt werden, so die Diplomaten.

Trump hofft noch immer darauf, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine auch durch ZugestÀndnisse an Putin zu beenden.

Nato-Ziele sind fĂŒr viele Alliierte herausfordernd

FĂŒr zahlreiche der 32 Nato-Staaten stellt die neue Zielvorgabe eine riesige Herausforderung dar. So kam Deutschland im vergangenen Jahr lediglich auf eine Quote von etwa 2,1 Prozent, und nach Angaben von Merz wĂŒrde jeder Prozentpunkt mehr fĂŒr Deutschland derzeit ungefĂ€hr 45 Milliarden Euro mehr an Verteidigungsausgaben bedeuten.

Kritische LĂ€nder wie Spanien konnten nach Angaben von Diplomaten letztlich doch mit an Bord geholt werden, weil fĂŒr das Jahr 2029 eine ÜberprĂŒfung der neuen Zielvorgabe in Aussicht gestellt wurde. Dann sollen ohnehin neue Planungsziele fĂŒr Abschreckung und Verteidigung vereinbart werden.

Nato-GeneralsekretĂ€r Rutte sicherte Spaniens linkem Regierungschefs Pedro SĂĄnchez zudem schriftlich zu, dass dessen Land das neue Prozent-Ziel nicht erreichen muss, wenn es die von ihm geforderten militĂ€rischen FĂ€higkeiten auch mit weniger Geld bereitstellen kann. In BrĂŒssel wird dies allerdings fĂŒr wenig realistisch gehalten.

Den Haag wird zur Festung: Operation "Orange Shield"

Der Gipfel ist fĂŒr die Gastgeber-Stadt Den Haag auch logistisch eine große Herausforderung, immerhin werden rund 40 Staats- und Regierungschefs in der niederlĂ€ndischen KĂŒstenstadt erwartet. Nach Angaben der Regierung ist es die grĂ¶ĂŸte Sicherheitsoperation in der Geschichte der Niederlande. Das Bedrohungspotenzial wird angesichts der Spannungen im Nahen Osten hoch eingeschĂ€tzt. Die StreitkrĂ€fte legten mit der Operation "Orange Shield" eine Art Schutzpanzer um die Stadt. Rund 27.000 Polizisten sind im Einsatz. Dazu kommen noch mehr als 10.000 Soldaten.

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