Deutschland, Nordrhein-Westfalen

RWE zieht sich aus Wasserstoff-Projekt in Namibia zurück

02.10.2025 - 15:34:09 | dpa.de

Der Energiekonzern RWE hatte große Pläne. Bis zu 300.000 Tonnen «grünes Ammoniak» wollte man ab 2027 pro Jahr aus Afrika beziehen. Aber daraus wird nun doch nichts.

RWE hatte 2022 eine Absichtserklärung unterzeichnet. Vorgesehen war, ab 2027 300.000 Tonnen grünes Ammoniak aus Namibia zu beziehen. (Archivbild) - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Energiekonzern RWE hat sich aus einem geplanten Projekt für «grünen Wasserstoff» in Namibia zurückgezogen. Das bestätigte das Unternehmen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Die Nachfrage nach Wasserstoff sowie nach Wasserstoff-Derivaten wie Ammoniak entwickelt sich in Europa langsamer als erwartet», sagte ein Sprecher. Bereits Ende vergangenen Jahres seien entsprechende Projekte überprüft worden, darunter auch das Vorhaben in Namibia. Zuvor hatten andere Medien berichtet.

Wasserstoff gilt als Alternative zu fossilen Energieträgern und damit als wichtig bei der Energiewende und dem Klimaschutz. «Grüner Wasserstoff» wird per Elektrolyse von Wasser mittels Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen.

Ammoniak kann mit Schiffen transportiert werden 

RWE und das Konsortium Hyphen Hydrogen Energy hatten im Jahr 2022 eine Absichtserklärung unterzeichnet. Demnach sollte RWE ab 2027 pro Jahr bis zu 300.000 Tonnen «grünes Ammoniak» aus Namibia beziehen. Hyphen, an dem das deutsche Energieunternehmen Enertrag beteiligt ist, war von der namibischen Regierung für die Entwicklung eines «grünen Wasserstoffprojekts» ausgewählt worden. 

Im Rahmen dieses Vorhabens sollte bis 2027 jährlich rund eine Million Tonnen grünes Ammoniak für den Export produziert werden. Ammoniak, eine chemische Verbindung von Wasserstoff und Stickstoff, kann mit Schiffen transportiert werden. 

Ein Sprecher des Projektpartners Enertrag teilte mit, kurzfristig bedeute der Rückzug von RWE, dass ein potenzieller Abnehmer wegfalle. «Langfristig bleibt die Entwicklung des Projekts jedoch unberührt.» Der Bedarf an grünem Wasserstoff und seinen Derivaten in Europa und Asien werde weiter steigen - es sei eine Frage des «Wann», nicht des «Ob». Die Bundesregierung sei nicht am Projekt beteiligt. Hyphen sei zwar 2024 als potentielles «strategisches Auslandsprojekt» eingestuft, seitdem sei aber nichts passiert. Es habe daher keine Förderung gegeben, das Projekt sei ausschließlich privatwirtschaftlich finanziert.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, man sei an dem Projekt nicht beteiligt. Zu Namibia bestehe eine Energiepartnerschaft, die weiter aufrechterhalten werden solle. 

Wasserstoff zu großen Teilen aus dem Ausland

In einem klimaneutralen Wirtschaftssystem soll Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen. Einen großen Teil davon muss Deutschland jedoch aus dem Ausland beziehen. CO2-neutral erzeugt soll das Gas etwa in neuen Gaskraftwerken Strom liefern, wenn nicht genug Wind- und Sonnenstrom da ist. 

In Hochöfen zur Stahlherstellung soll Wasserstoff anstelle von Koks zum Einsatz kommen und so große Mengen Kohlendioxid vermeiden. Besonders für klimaneutrale Verfahren in der Stahl- und Chemieindustrie, aber auch im Schiffs- oder Schwerlastverkehr soll «grüner» Wasserstoff die Grundlage bilden.

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