DĂ€nemark, USA

Ärger ĂŒber Trump - Kommt jetzt der große US-Boykott?

22.01.2026 - 16:43:00

Der Grönland-Konflikt erreicht den Supermarkt: In DĂ€nemark helfen Apps Verbrauchern, Lebensmittel aus den USA zu meiden. Greift der Protest gegen PrĂ€sident Donald Trump auf Deutschland ĂŒber?

  • US-PrĂ€sident Trump hat mit seinen Äußerungen nicht nur in DĂ€nemark fĂŒr Empörung gesorgt. - Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

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  • Boykott per Barcode: Eine App zeigt DĂ€nen, welche Produkte im Supermarkt aus den USA kommen.  - Foto: Julia WĂ€schenbach/dpa

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  • Boykott per Barcode: Eine App zeigt DĂ€nen, welche Produkte im Supermarkt aus den USA kommen.  - Foto: Julia WĂ€schenbach/dpa

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US-PrĂ€sident Trump hat mit seinen Äußerungen nicht nur in DĂ€nemark fĂŒr Empörung gesorgt. - Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpaBoykott per Barcode: Eine App zeigt DĂ€nen, welche Produkte im Supermarkt aus den USA kommen.  - Foto: Julia WĂ€schenbach/dpaBoykott per Barcode: Eine App zeigt DĂ€nen, welche Produkte im Supermarkt aus den USA kommen.  - Foto: Julia WĂ€schenbach/dpa

Einige Verbraucher schauen in diesen Tagen ganz genau hin: Was aus den USA stammt, landet bei manchem nicht mehr im Einkaufswagen. Vor allem in DĂ€nemark fĂŒhrt der Grönland-Konflikt teilweise zum Boykott US-amerikanischer Lebensmittel.

Apps helfen den DĂ€nen, Produkte aus den USA im Supermarkt zu meiden. Eine dieser Apps ist «UdenUSA» («Ohne die USA»). Sie schlĂ€gt Alternativen vor, mit denen Verbraucher stattdessen europĂ€ische Unternehmen unterstĂŒtzen können. Die Idee scheint auf Anklang zu stoßen: Im dĂ€nischen App-Store lag «UdenUSA» am Donnerstag auf Platz 1 der Download-Hitliste der kostenlosen Apps. Auf Platz 3 fand sich eine weitere App, die dabei hilft, US-Produkte zu umgehen.

Im Nachbarland Deutschland ist die unmittelbare Betroffenheit zwar geringer, dennoch beschĂ€ftigt das Thema viele Menschen. «Sicher werden einige ĂŒberlegen, welche Maßnahmen, sie ergreifen können, um amerikanische Produkte zu meiden», sagt Katharina Gangl, Direktorin des NĂŒrnberger Instituts fĂŒr Marktentscheidungen.

Entscheidend sei, ob sich eine soziale Bewegung bilde, die bestimmte KonsumgĂŒter oder Unternehmen gezielt ins Visier nimmt, die Trump unterstĂŒtzen. Ein Verzicht auf Apple-Produkte, Amazon oder Facebook sei naheliegend. Auch McDonald's und Amazon könnten laut Gangl betroffen sein. Sie hĂ€lt dies jedoch erst dann fĂŒr realistisch, wenn sich die Lage weiter zuspitzt. Dann könnte ein Aufruf wie «Kauft nicht bei Amazon, sondern bei Otto» möglicherweise erfolgreich sein.

«Empörung und Abscheu deutlich spĂŒrbar»

Ralf Deckers vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln sagt: «In der Bevölkerung sind Empörung und teils auch Abscheu deutlich spĂŒrbar.» Ein gewisser Anti-Amerikanismus sei in Deutschland traditionell verbreitet. Eine IFH-Umfrage zeigt: FĂŒr 61 Prozent kommen bestimmte amerikanische Produkte wie Tesla nicht mehr infrage, 36 Prozent lehnen sie komplett ab. Die reprĂ€sentative Befragung mit knapp 500 Teilnehmer wurde im MĂ€rz 2025 gemacht, damals brach der Zollstreit aus. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

SpĂŒren US-Unternehmen in Deutschland den Ärger? Der OnlinehĂ€ndler Amazon, die Fastfoodkette McDonald's, der Lebensmittelhersteller Mars sowie CCEP, der AbfĂŒller von Coca-Cola, Ă€ußerten sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur zunĂ€chst nicht. 

Burger King Deutschland betonte, das Unternehmen agiere eigenstÀndig und sei stark lokal verwurzelt. «Unsere GÀste differenzieren klar zwischen unseren Restaurants in Deutschland und internationalen Diskussionen.»

Folgen fĂŒr SupermĂ€rkte und Discounter?

Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet bislang keine Auswirkungen. In Deutschland seien keine VerĂ€nderungen in den Verkaufszahlen amerikanischer Produkte zu erkennen, teilt Lidl mit. Andere Handelsketten wie Aldi oder Edeka Ă€ußerten sich nicht konkret. «Wir nehmen keinen Protest wahr. Die entsprechenden Produkte werden weiter nachgefragt», sagt Philipp Hennerkes vom Branchenverband BVLH. 

Bei einer möglichen Eskalation zeige sich nur punktuell und kurzfristig ein Vermeidungsverhalten, sagt Experte Deckers, «weil viele Menschen ihre eingeĂŒbten Konsumgewohnheiten nur ungern infrage stellen». In der Branche wird auf weitere Faktoren verwiesen. Viele bekannte US-Produkte wie Coca-Cola, M&M's, Pringles und Kellogg's werden in Europa hergestellt. Oft wissen Verbraucher zudem nicht, welche Marken zu US-Unternehmen gehören. Auch Rabattaktionen beeinflussen das Kaufverhalten. 

Konsumforscher Ole Kelm von der Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf sagt: «Die Nutzung von Boykott-Apps wird keinen großen Effekt auf die Verkaufszahlen amerikanischer Produkte haben.» DafĂŒr seien die Unternehmen zu groß. Allerdings fĂŒrchteten viele Konzerne ImageschĂ€den, die durch Boykottaufrufe oder entsprechende Berichterstattung entstehen könnten.

Viele DĂ€nen wollen US-Waren boykottieren

In DÀnemark hatte es schon im vergangenen Jahr Initiativen gegeben, mit denen die Menschen ein Zeichen gegen Trumps Handelspolitik setzen wollten - so hatten etwa dÀnische SupermÀrkte Waren europÀischer Produzenten mit einem Stern auf dem Preisschild gekennzeichnet.

Auch die Idee fĂŒr «UdenUSA» kam den jungen Entwicklern im vergangenen Jahr, als Trump erstmals ernsthaft damit drohte, Grönland zu ĂŒbernehmen. «Wir haben gemerkt, dass es vielen Menschen wichtig ist, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten», sagt App-Entwickler Jonas Pipper der Deutschen Presse-Agentur. «Aber es ist nicht immer so leicht, die im Supermarkt auch zu erkennen.» Deshalb habe man den DĂ€nen ein Werkzeug an die Hand geben wollen. Vor wenigen Tagen ist die App an den Start gegangen. 

FĂŒr viele Verbraucher sei die bewusste Entscheidung gegen US-amerikanische Lebensmittel eine Art, ihrem Ärger Luft zu machen, sagt Pelle Guldborg Hansen von der UniversitĂ€t Roskilde dem dĂ€nischen Rundfunk. «Viele Menschen sehen Nachrichten und Ă€rgern sich ĂŒber etwas - und in diesem Fall geht es auch noch um uns und um Grönland», so der Verhaltensforscher. «Da möchte man einfach irgendetwas gegen seine Wut unternehmen. Und sei es noch so klein.»

Aus einer Welle des Protests entstand in DÀnemark 2025 die Facebook-Gruppe «Boykottiert Waren aus den USA», in der sich DÀnen dazu austauschen, wie sie amerikanische Produkte am besten meiden können. Inzwischen hat die Gruppe mehr als 110.000 Mitglieder. Zur Einordnung: DÀnemark hat rund sechs Millionen Einwohner.

@ dpa.de

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