Wohnungsbau, Bauindustrie

Wohnungsbau: Bauindustrie fordert 50 bis 60 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie warnt vor einem weiteren Rückgang der Fertigstellungen und fordert staatlich abgesicherte Kredite. Verbandspräsident Olaf Demuth hält ein Finanzierungsvolumen von 50 bis 60 Milliarden Euro für wirksam.

Bauindustrie drängt auf Milliardenhilfe für Wohnungsbau
Bauarbeiter auf einer Baustelle (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die deutsche Bauindustrie erwartet wegen gestiegener Kosten einen weiteren Einbruch beim Wohnungsbau und fordert die Bundesregierung zum Eingreifen auf. Verbandspräsident Olaf Demuth rechnet damit, dass 2026 weniger als 200.000 Wohnungen fertiggestellt werden, nachdem es 2025 noch 206.000 waren.

Bauindustrie fordert Finanzierungshilfe

„Um aus der Krise zu kommen, muss jetzt das Finanzierungsdebakel aufgelöst werden“, sagte Demuth der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ein Finanzierungsturbo sei der einzige, der sofort Schub geben könne.

Nach seinen Angaben verteuern insbesondere Energiepreise das Bauen so stark, dass sich Neubauprojekte häufig nicht mehr lohnen. Zugleich verlangten die Kapitalmärkte immer mehr Sicherheiten. Ohne einen erheblichen Eigenkapitalanteil komme niemand mehr an vernünftige Zinsen, sagte der Verbandspräsident.

50 bis 60 Milliarden Euro für günstige Kredite

Der Staat müsse Haushalte, Familien und Anleger mit zinsgünstigen Darlehen und Bürgschaften beim Zugang zu Kapital unterstützen, forderte Demuth. Wenn der Wohnungsbau mit einem Volumen von 50 bis 60 Milliarden Euro abgesichert werde, könne dies erhebliche Wirkung entfalten.

Es gehe dabei nicht um klassische konsumtive Ausgaben, da die Mittel als Darlehen zurückflössen und als Sicherheit eine Hebelwirkung entwickeln könnten. Demuth verwies außerdem auf den Wohnungsmangel in Ballungsräumen und kritisierte, dass Union und SPD aus seiner Sicht bislang nicht entschlossen genug handelten.

Wohnungsbau als Konjunkturfaktor

Die richtigen Fördermaßnahmen hätten die Bauzahlen in früheren Jahrzehnten rasch erhöht, sagte Demuth. Wenn der Baumotor richtig laufe, trage die Branche neun bis zwölf Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung bei.

Die Forderung der Bauindustrie trifft auf einen Wohnungsmarkt, der zugleich von hoher Nachfrage und schwierigen Finanzierungsbedingungen geprägt ist. Besonders in wirtschaftsstarken Ballungsräumen fehlen Wohnungen, während steigende Bau-, Energie- und Finanzierungskosten Projekte unwirtschaftlich machen können. Die von Olaf Demuth genannte Schwelle von weniger als 200.000 fertiggestellten Wohnungen würde den bereits niedrigen Neubau weiter bremsen.

Kosten und Finanzierung als zentrale Hürden

Ein aktueller Anstieg der Baupreise für Wohngebäude um 6,1 Prozent in Sachsen zeigt, wie stark sich die Kostenbelastung regional auswirkt. Verteuerungen bei Löhnen, Material, Transport, Dämmung, Brandschutz und Haustechnik erhöhen den Kapitalbedarf bereits vor dem eigentlichen Bau. Für private Haushalte, Wohnungsunternehmen und Anleger verschlechtert sich dadurch die Kalkulation; zugleich verlangen Banken mehr Eigenkapital und Sicherheiten.

Politische Bedeutung der Milliardenforderung

Demuth schlägt keine direkten Zuschüsse in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Euro vor, sondern eine Absicherung günstiger Darlehen und Bürgschaften. Der Staat würde damit das Finanzierungsrisiko teilweise übernehmen und Investitionen ermöglichen, ohne dass die gesamte Summe als unmittelbare Ausgabe im Haushalt anfiele. Entscheidend wären jedoch die konkrete Ausgestaltung, die Zielgruppen und die Frage, ob die Förderung tatsächlich zusätzliche Bauvorhaben auslöst.

Für Mieter kann ein schwacher Neubau mittelfristig weiteren Druck auf die Wohnungssuche und die Preise erhöhen. Für die Gesamtwirtschaft ist der Wohnungsbau zugleich ein bedeutender Auftraggeber für Bauunternehmen, Handwerk und Zulieferer. Eine Förderung allein beseitigt allerdings weder knappe Grundstücke, lange Genehmigungsverfahren noch hohe technische und energetische Anforderungen.

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