Zahl, AktionÀre

Zahl der AktionÀre in Deutschland wieder gesunken

11.01.2024 - 10:46:17

Der Höhenflug war nur von kurzer Dauer: Die Zahl der AktionÀre in Deutschland ist wieder geschrumpft. Von einer Trendwende nach unten will das Aktieninstitut aber nichts wissen.

Ist der Börsenboom in Deutschland schon wieder vorbei? Nach dem Rekordstand 2022 sank die Zahl der AktionÀrinnen und AktionÀre im vergangenen Jahr wieder auf etwas weniger als 12,32 Millionen. Ein Jahr zuvor hatten gut 12,89 Millionen Menschen Aktien, Aktienfonds oder börsengehandelte Indexfonds (ETFs) im Depot - das waren so viele wie nie seit 1997, als das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mit der Erhebung begann. War das nur ein Strohfeuer?

Der RĂŒckgang um etwa 570.000 Ă€ndere «nichts am langfristigen Trend nach oben», betonte das Aktieninstitut. Im vierten Jahr in Folge liege die Zahl der Aktiensparer stabil ĂŒber der Marke von zwölf Millionen.

«Angesichts von Zinswende, anhaltend hoher Inflation und eingetrĂŒbten wirtschaftlichen Aussichten ist die Zahl der Aktiensparer ein gutes Ergebnis», bilanzierte die Chefin des Aktieninstituts, Christine BortenlĂ€nger. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren war den Berechnungen zufolge 2023 gut jeder Sechste (17,6 Prozent) am Aktienmarkt engagiert. Die höchste Quote in Deutschland gab es 2001 mit 20 Prozent.

Inflation und gestiegene Sparzinsen als Bremse

Dass die Zahl der AktionĂ€re von 2022 auf 2023 sank, fĂŒhrt das Institut unter anderem darauf zurĂŒck, dass viele Menschen wegen der Teuerung weniger Geld zum Anlegen hatten. Die Verbraucherpreise lagen nach vorlĂ€ufigen Berechnungen im Jahresschnitt 2023 um 5,9 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahres.

Zudem dĂŒrften die gestiegenen Sparzinsen Anleger von der Börse weggelockt haben. «Tages- und Festgeld feierten ein Comeback. Vor diesem Hintergrund ist die stabile Zahl der Aktiensparer ein gutes Ergebnis», konstatierte das Aktieninstitut. Mancher Anleger nutzte wohl auch den Rekordstand des Deutschen Aktienindex zum Jahresende dafĂŒr, Gewinne mitzunehmen. Der Dax war Mitte Dezember bis auf 17.003 ZĂ€hler gestiegen.

Viele JĂŒngere verkauften Aktien

Vor allem bei JĂŒngeren sank die Zahl der AktionĂ€re im vergangenen Jahr: Von den unter 40-JĂ€hrigen verkauften 514.000 ihre Aktieninvestments. Insgesamt zeigen die aktuellen Zahlen nach Interpretation des Aktieninstituts jedoch: «Die Anlegerinnen und Anleger haben verstanden. Aktien, Aktienfonds und ETFs sind unverzichtbar fĂŒr Vermögensaufbau und Altersvorsorge, denn ein breit gestreutes Aktienportfolio bringt langfristig sechs bis neun Prozent Ertrag im Jahr.»

Einer Analyse der DZ Bank zufolge sorgten Kurssteigerungen maßgeblich dafĂŒr, dass die privaten Haushalte in Deutschland im vergangenen Jahr in Summe reicher wurden: «Im Geldvermögen der deutschen Bevölkerung machte sich das in WertzuwĂ€chsen von rund 200 Milliarden Euro bei Aktien, Fonds und Zertifikaten bemerkbar.» Allerdings stecken demnach nur gut 1,8 Billionen der insgesamt mehr als 7,9 Billionen Euro Geldvermögen in Aktien und Fonds. Spareinlagen und Bargeld machen nach DZ-Bank-Berechnungen 3,2 Billionen Euro aus.

Institut: Politik muss Aktienkultur fördern

Seit Jahren wird in Deutschland darĂŒber diskutiert, wie man die Aktienkultur stĂ€rken kann. Doch der Start eines sogenannten Generationenkapitals, das die gesetzliche Rente mit Aktienrenditen stĂ€rken soll, wurde verschoben. «Auf Berliner Fluren spukt weiterhin das falsche Narrativ der Zockerei am Aktienmarkt», kritisierte das DAI. «Der entsprechende Gesetzentwurf wandert weiter zwischen den Ressorts hin und her. Ein fatales Signal.» Im Gegensatz zu anderen Industrienationen verpasse Deutschland somit die Chance, «den Schalter fĂŒr eine bessere Altersvorsorge fĂŒr alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger umzulegen». In den USA zum Beispiel fördert schon lange der Staat die Altersvorsorge ĂŒber den Kapitalmarkt stĂ€rker.

Kein Wunder also, dass die Anteilseigner der 40 Unternehmen in der ersten deutschen Börsenliga ĂŒberwiegend aus dem Ausland stammen: Bei 24 Dax-Konzernen sind Investoren aus dem Ausland in der Mehrheit, wie das Beratungsunternehmen EY fĂŒr 2022 analysiert hat. Im Schnitt wird demnach jede fĂŒnfte Aktie eines Dax-Konzerns von AktionĂ€ren aus Nordamerika gehalten. Das heißt auch: Ein Großteil der fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2023 zu erwartenden RekordausschĂŒttung der Unternehmen im Index - nach Berechnung der Dekabank fast 55 Milliarden Euro - werden ins Ausland fließen.

DAI-Chefin BortenlĂ€nger mahnte: «Die Regierung darf jetzt nicht lĂ€nger zögern und muss das Generationenkapital in diesem Jahr endlich einfĂŒhren.»

@ dpa.de