Netanjahu zu Besuch in Budapest eingetroffen
03.04.2025 - 05:44:40Israelische Medien berichteten ĂŒber seine Ankunft am frĂŒhen Donnerstagmorgen. Es ist die erste Reise Netanjahus nach Europa, seit der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) im vergangenen November wegen des Vorgehens im Gaza-Krieg einen Haftbefehl gegen ihn verhĂ€ngt hat. Er folgte einer Einladung seines ungarischen Amtskollegen Viktor Orban, der sich an die Bestimmungen des Gerichtshofs nicht gebunden fĂŒhlt. Netanjahus RĂŒckreise ist am Sonntag vorgesehen.
Eine Festnahme droht dem israelischen Regierungschef in Ungarn nicht. Orban hatte die Einladung an Netanjahu demonstrativ nach Erlass des Haftbefehls ausgesprochen und diesen als kontraproduktiv und unsinnig abgetan - dabei hat Ungarn das Statut des IStGH selbst ratifiziert. Kritiker werfen dem mit autoritÀren Methoden regierenden Rechtspopulisten Orban vor, grundlegende Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat in Ungarn ausgehöhlt zu haben und diesen Kurs trotz aller Proteste unbeirrt weiterzuverfolgen.
Israelischen Medienberichten zufolge wird Netanjahu am Donnerstag neben Orban auch den ungarischen StaatsprĂ€sidenten Tamas Sulyok treffen. Einzelheiten zu dem Besuch wurden - entgegen den Gepflogenheiten - vorher nicht bekanntgegeben. Auch auf Anfrage Ă€uĂerte sich das PressebĂŒro des ungarischen MinisterprĂ€sidenten nicht dazu. Der heikle Charakter des Besuchs angesichts des Haftbefehls gegen Netanjahu liegt auf der Hand.
Zwei Politiker, ein gemeinsames Muster
Orban pflegt seit langem gute Beziehungen zu Netanjahu. Beide Politiker teilen Ă€hnliche Auffassungen ĂŒber eine möglichst unbeschrĂ€nkte Regierungsmacht ohne allzu hinderliche Gewaltenteilung. Und beide betrachten eine unabhĂ€ngige Justiz, eine offene Gesellschaft und freie, kritisch berichtende Medien als Hindernisse fĂŒr ihre politischen Ambitionen.
Orban unterstĂŒtzt vorbehaltlos die Vorgangsweise der Regierung Netanjahus im Gaza-Krieg. Als Mitglied der EuropĂ€ischen Union hat Ungarn immer wieder Resolutionen der EU blockiert, die sich fĂŒr Waffenruhen und mehr RĂŒcksichtnahme auf die palĂ€stinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen aussprachen. Wegen der VerstöĂe gegen rechtsstaatliche Grundregeln hat die EU auch einen Teil der europĂ€ischen Fördermittel fĂŒr Ungarn entzogen oder eingefroren.

