Kreml holt geplatztes Friedensabkommen aus der Schublade und will mehr
12.04.2024 - 14:48:53Die damals in Istanbul ausgehandelte Vereinbarung könne als Grundlage fĂŒr neue Verhandlungen dienen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. "In unserer Verfassung sind nun neue Gebiete verankert, was vor zwei Jahren noch nicht so war", schrĂ€nkte er zugleich ein. Anlass der ĂuĂerungen ist der Schweizer Vorschlag einer Friedenskonferenz, die aber zunĂ€chst vor allem mehr internationale UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine mobilisieren soll. Mit Moskau soll erst in einem zweiten Schritt gesprochen werden.
Ende MĂ€rz 2022, etwa einen Monat nach dem von Putin befohlenen Angriff auf die Ukraine, als sich andeutete, dass die von Moskau geplante Einnahme Kiews scheitern wĂŒrde, einigten sich UnterhĂ€ndler der Ukraine und Russlands bei GesprĂ€chen in Istanbul auf ein vorlĂ€ufiges Abkommen, um die Kampfhandlungen zu beenden. SpĂ€ter wurde bekannt, dass die Ukraine sich damals dazu bereit erklĂ€rte, auf den Nato-Beitritt zu verzichten und neutral zu bleiben.
Allerdings wurde die Vereinbarung nicht umgesetzt, unter anderem weil Unstimmigkeiten ĂŒber Gebietsforderungen blieben. Russland hatte den Krieg mit dem Vorwand begonnen, die teils von prorussischen Separatisten kontrollierten ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk von der Herrschaft Kiews zu "befreien". Inzwischen hat Russland in der Verfassung diese zwei Regionen wie auch die Gebiete Cherson und Saporischschja zu eigenem Staatsgebiet erklĂ€rt - obwohl es diese militĂ€risch nur zu Teilen kontrolliert.
Als Grund fĂŒr das Scheitern gilt auch, dass damals die GrĂ€ueltaten russischer Soldaten an ukrainischen Zivilisten in Kiewer Vororten wie Butscha bekannt wurden. Damit wurde fĂŒr die Ukraine eine VerstĂ€ndigung unmöglich.
Die von Moskau bisher offiziell geĂ€uĂerten Forderungen umfassen neben den GebietsansprĂŒchen auch den Verzicht auf eine schlagkrĂ€ftige Armee und eine nicht nĂ€her definierte "Denazifizierung" der Ukraine. Am ehesten ist darunter die Einsetzung einer moskaufreundlichen Regierung in Kiew zu verstehen. All dies wird in der Ukraine Aufforderung zur Kapitulation verstanden. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj fordert seinerseits den RĂŒckzug russischer Truppen von ukrainischem Hoheitsgebiet.
Peskow wollte auf die territorialen AnsprĂŒche Moskaus nicht nĂ€her eingehen. FĂŒr Details bisher noch rein "theoretischer Verhandlungen" sei es zu frĂŒh. Noch gebe es keine Anzeichen dafĂŒr, dass die Ukraine gesprĂ€chsbereit sei, klagte er. In den propagandistischen Politik-Talkshows des russischen Fernsehens wird immer wieder eine Eroberung der StĂ€dte Charkiw und Odessa oder sogar eine völlige Zerschlagung der Ukraine debattiert.

