'GröĂter Deal' oder 'fatales Signal'?
28.07.2025 - 06:35:18Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrĂŒĂte zwar die Einigung, mit der es gelungen sei, "einen Handelskonflikt abzuwenden". Die deutsche Industrie reagierte aber deutlich zurĂŒckhaltender.
"Das Ăbereinkommen ist ein unzureichender Kompromiss und sendet ein fatales Signal an die eng verflochtene Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks", teilte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin mit. Die EU nehme schmerzhafte Zölle in Kauf.
Der Deal
Trump und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hatten sich auf einen Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent auf die meisten EU-Importe in die USA geeinigt. Das gilt laut von der Leyen auch fĂŒr die Autos, Halbleiter und Pharmaprodukte. Die Einigung schaffe zudem einen Rahmen fĂŒr die zukĂŒnftige Senkung der Zölle auf weitere Produkte.
"Das einzig Positive an dieser Einigung ist, dass eine weitere Eskalationsspirale zunĂ€chst abgewendet werden konnte", hieĂ es vom BDI. Entscheidend sei jetzt, dass das Ăbereinkommen verbindlich werde. Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks brĂ€uchten Planungssicherheit fĂŒr Lieferketten und Investitionen.
Kein Vergleich zu der Zeit vor Trump
Trump, der heute in Schottland mit dem britischen Premierminister Keir Starmer ĂŒber das Handelsabkommen zwischen den USA und GroĂbritannien sprechen wird, hatte die Einigung als "riesigen Deal mit vielen LĂ€ndern" bezeichnet. Der US-PrĂ€sident will mit den Zolleinnahmen unter anderem sein teures Wahlversprechen groĂer Steuersenkungen zumindest teilweise gegenfinanzieren.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte, dass eine Verhandlungslösung erreicht worden sei, sei "erstmal gut". Das Verhandlungsergebnis und die Auswirkungen auf Wirtschaft und ArbeitsplĂ€tze in Deutschland wĂŒrden nun in der Bundesregierung ausgewertet, sagte der Vizekanzler. Es sei wichtig, dass Europa seine Interessen verteidigt habe.
Klingbeil betonte aber auch: "GrundsĂ€tzlich bleibt meine Ăberzeugung: Zölle schaden der Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Wir brauchen niedrige Zölle und offene MĂ€rkte. Wir setzen weiter auf gute Handelsbeziehungen. DafĂŒr werden wir neben den USA auch neue weltweite Partnerschaften aufbauen."
Trump hatte den weltweiten Zollkonflikt mit seinen Extrazöllen begonnen, die von Land zu Land variieren. Die Abgaben, die Importeure zahlen mĂŒssen, sind trotz abgeschlossener Deals höher als noch vor dem Beginn der zweiten Amtszeit von Trump. Auf die Einfuhr von Autos beispielsweise kamen Zusatzzölle in Höhe von 25 Prozent auf insgesamt 27,5 Prozent hinzu.
Die jetzt vereinbarte Reduzierung auf 15 Prozent ist laut von der Leyen der bestmögliche Deal. "Wir sollten nicht vergessen, wo wir herkommen", sagte sie. 15 Prozent seien nicht zu unterschÀtzen, aber auch das Beste, was möglich gewesen sei.
EU-Kommission hat "volle UnterstĂŒtzung" der Bundesregierung
Merz betonte, die "Einigkeit der EuropĂ€ischen Union und die harte Arbeit der Verhandler haben sich ausgezahlt." Der Kanzler dankte von der Leyen und Handelskommissar Maros Sefcovic. "In den nun anstehenden Verhandlungen ĂŒber die Details der Einigung hat die EuropĂ€ische Kommission meine volle UnterstĂŒtzung." Es gelte weiter daran zu arbeiten, die Handelsbeziehungen mit den USA zu stĂ€rken.
Merz fĂŒgte hinzu, Europa habe seine Kerninteressen wahren können, auch wenn er sich durchaus weitere Erleichterungen im transatlantischen Handel gewĂŒnscht hĂ€tte. "Von stabilen und planbaren Handelsbeziehungen mit Marktzugang fĂŒr beide Seiten profitieren alle - diesseits wie jenseits des Atlantiks, Unternehmen wie Verbraucher."
Deal mit China steht noch aus
Im Zollkonflikt zwischen den USA und China gehen die VerhandlungsgesprĂ€che indes heute und morgen weiter. US-Finanzminister Scott Bessent und hochrangige chinesische Vertreter treffen sich hierzu in Stockholm. Dabei soll unter anderem ĂŒber eine VerlĂ€ngerung der aktuell noch bis zum 12. August geltenden Zoll-Pause verhandelt werden. Die chinesische Seite wird von Vizepremier He Lifeng angefĂŒhrt.

