FachkrÀftemangel, Willkommenskultur

FachkrĂ€ftemangel: Wirtschaft fĂŒr «Willkommenskultur»

28.07.2024 - 07:00:37

Der Mangel an FachkrĂ€ften gilt als einer der grĂ¶ĂŸten wirtschaftlichen Risiken in Deutschland. WirtschaftsverbĂ€nde mahnen Verbesserungen an.

SpitzenverbĂ€nde der Wirtschaft halten angesichts des FachkrĂ€ftemangels in Deutschland eine «Willkommenskultur» fĂŒr notwendig. DIHK-PrĂ€sident Peter Adrian sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Botschaft muss lauten: Wir freuen uns, euch hier in Deutschland begrĂŒĂŸen zu können. Und dafĂŒr gibt es sehr viele AnsĂ€tze. Das fĂ€ngt bei der Visa-Erteilung an, wenn jemand nach Deutschland möchte, und hört bei der Bereitstellung von Wohnung und Kinderbetreuung auf. Wir haben hier in vielen Bereichen Defizite.»

FachkrÀftemangel als GeschÀftsrisiko

Eine Ende Mai von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) vorgelegte Konjunkturumfrage ergab, dass ĂŒber die HĂ€lfte der Unternehmen den FachkrĂ€ftemangel aktuell als GeschĂ€ftsrisiko angeben - hĂ€ufig genannte Risiken waren daneben hohe Energie- und Rohstoffpreise und die schwache Inlandsnachfrage.

«Was wir vor allem brauchen, ist eine bessere Willkommenskultur», sagte Adrian. Das neue FachkrĂ€fteeinwanderungsgesetz sei grundsĂ€tzlich positiv zu bewerten. «Es ist aber zu kompliziert. In der praktischen Anwendung hinken wir hinterher. Eine Chancenkarte soll Menschen fĂŒr ein Jahr die Chance geben, in Deutschland einen Job zu suchen. Die Voraussetzungen fĂŒr die Chancenkarte sind allerdings zu komplex. Ich glaube nicht, dass man mit dieser Variante viele FachkrĂ€fte zu uns locken kann.»

Industrie: «We want you»

Auch IndustrieprĂ€sident Siegfried Russwurm sieht Nachbesserungsbedarf bei der Umsetzung des FachkrĂ€fteeinwanderungsgesetzes. «Die Aufgaben fangen bei den Botschaften und Konsulaten an. Jeder kennt das amerikanische Plakat "We want you!" So mĂŒssen wir auch denken und handeln. Diese Willkommenskultur muss sich bis zur kommunalen AuslĂ€nderbehörde in der Stadt oder im Landratsamt durchziehen.»

Das mĂŒsse auch ganz praktische Fragen einschließen, so der PrĂ€sident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. «Mein Lieblingsbeispiel: Kann ich in meinem Landratsamt ein Auto zulassen, wenn ich nicht Deutsch spreche? Gibt es jemanden, der diesen Standardprozess auf Englisch abwickelt? Das sind BanalitĂ€ten. Aber die helfen Menschen unheimlich, die in einem anderen Land anfangen zu arbeiten, vielleicht einen ersten Sprachkurs hatten, aber trotzdem noch unsicher sind. In dieser ganzen Kette ist noch viel zu tun.»

 

@ dpa.de