Umbau, Stromsystems

Umbau des deutschen Stromsystems - wie es aussehen könnte

02.08.2024 - 15:48:26 | dpa.de

Der massive Ausbau der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne hat Folgen fĂŒr das Stromsystem. Geplant sind umfassende Reformen.

  • Stromnetze - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlĂ€ge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Federico Gambarini/dpa
    Stromnetze - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlÀge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Federico Gambarini/dpa
  • WĂ€rmepumpe - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlĂ€ge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
    WĂ€rmepumpe - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlĂ€ge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
  • LadesĂ€ule fĂŒr E-Autos - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlĂ€ge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
    LadesĂ€ule fĂŒr E-Autos - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlĂ€ge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • WindrĂ€der - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlĂ€ge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Christian Charisius/dpa
    WindrÀder - Wirtschaftsminister Robert Habeck hat VorschlÀge zur Reform des Stromsystems vorgelegt (Archivfoto). - Foto: Christian Charisius/dpa
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Immer mehr Strom aus Wind und Sonne, immer mehr WĂ€rmepumpen und Elektroautos: das hat Folgen fĂŒr das Stromsystem. Es sind Reformen notwendig. Nun hat das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium ein umfassendes Papier fĂŒr ein «Strommarktdesign» der Zukunft vorgelegt. Ziel sei ein sicheres, bezahlbares und nachhaltiges Stromsystem. 

Der Umbau kostet Milliardensummen, zum Beispiel fĂŒr den Ausbau von Stromnetzen sowie fĂŒr Investitionen etwa in neue Gaskraftwerke. Die Kosten sollen so gering wie möglich gehalten werden, wie es im Papier heißt. Zu den VorschlĂ€gen fĂŒr das neue Strommarktdesign findet zunĂ€chst bis Ende August eine öffentliche Konsultation statt.

Stromsystem im Wandel

Deutschlands Stromsystem befinde sich mitten in einer umfassenden Modernisierung, heißt es in einem Papier des Ministeriums von Ressortchef Robert Habeck (GrĂŒne). Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Der Anteil des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne soll bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es nach Branchenangaben 58 Prozent. 

Es beginne nun die Phase, in der es gelingen solle, die Stromversorgung vollstĂ€ndig ĂŒber erneuerbare Energien abzudecken, heißt es im Papier - und in der eine «massive Elektrifizierung» der Energieversorgung im WĂ€rme- und Verkehr anstehe und Kohle, Öl und Gas als fossile Energiequellen endgĂŒltig abgelöst werden. 

Ein neues «Betriebssystem»

In dem Papier ist die Rede von einem neuen «Betriebssystem». Die wetterabhĂ€ngige, «variable» Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik (PV) fĂŒhre zu einem Paradigmenwechsel. «WĂ€hrend frĂŒher die Erzeugung der Nachfrage folgte, orientiert sich im dekarbonisierten Stromsystem die Nachfrage stĂ€rker am Angebot.» Große Teile der Nachfrage – zum Beispiel die E-MobilitĂ€t oder bestimmte Teile industrieller Prozesse - wĂŒrden ihren Verbrauch in Zeitfenster mit einem hohen Angebot an erneuerbaren Energien und niedrigen Preisen legen. «Das Elektroauto wird die Mittagszeit nutzen, wenn das Angebot an PV-Strom hoch ist und das Auto ohnehin steht.» 

Back-ups

Es gibt aber Zeiten, in denen kein Wind weht und keine Sonne scheint - die «Dunkelflauten». Auch in diesen Zeiten soll aber eine sichere Stromversorgung gewÀhrleistet werden. Dazu ist ein «Technologiemix» geplant, auch um saisonale Schwankungen bei der Erzeugung erneuerbarer Energien ausgleichen. 

Zum einen geht es um «flexible Lasten» wie zum Beispiel WĂ€rmepumpen oder Elektroautos, die ihren Strombedarf im gewissen Maß verschieben könnten, wie es im Papier heißt. Speicher sollen kurzfristige Schwankungen in der Wind- und PV-Erzeugung ausgleichen. Dazu kommen «steuerbare» Back-up-Kraftwerke - sie sollen einspringen, wenn Wind und PV sowie Kurzzeit-Speicher und flexible Lasten nicht ausreichen. 

Die Bundesregierung arbeitet seit lĂ€ngerem an einer Strategie zum Bau neuer Gaskraftwerke als Back-ups, denn fĂŒr Betreiber mĂŒssen sich Investitionen lohnen. FĂŒr die neuen Gaskraftwerke, die spĂ€ter mit Wasserstoff betrieben werden sollen, ist eine staatliche Förderung geplant. 

Neuer Mechanismus

Bis zum Jahr 2028 soll eine neue SĂ€ule des Stromsystems eingefĂŒhrt werden: ein «KapazitĂ€tsmechanismus». In dem Papier legte das Ministerium dazu verschiedene, komplexe Modelle vor. Im Kern geht es darum, dass Anbieter dafĂŒr honoriert werden, dass sie sogenannte steuerbare KraftwerkskapazitĂ€ten bereitstellen - auch wenn die Kraftwerke möglicherweise nur wenige Stunden im Jahr laufen. Geplant ist ein wettbewerblicher Ansatz unter anderem mit Pumpspeichern, Batteriespeicher, Bioenergieanlagen und Back-up-Kraftwerken. 

Ein KapazitĂ€tsmechanismus soll den bisherigen Großhandelsmarkt ergĂ€nzen. Basis ist das «Merit-Order»-Prinzip. Dieses besagt im Kern: immer die kostengĂŒnstigsten Kraftwerke erzeugen Strom, um die Stromnachfrage zu decken.

Folgen auch fĂŒr Stromverbraucher offen

Wie genau dieser Mechanismus aussehen soll, ist offen. Möglich ist ein «zentraler KapazitĂ€tsmarkt», bei der eine zentrale Stelle den Bedarf an steuerbaren KapazitĂ€ten festlegt und diesen durch Auktion ausschreibt. Bei diesem Mechanismus aber mĂŒssten Kosten im Wege einer Umlage auf die Verbraucher umgelegt werden, heißt es im Papier. 

Auch um eine Umlage zu verringern, favorisiert das Wirtschaftsministerium eine Kombination mit einem «dezentralen KapazitĂ€tsmarkt». Bei diesem werde Versorgern die Verantwortung ĂŒbertragen, ihre Stromlieferungen durch KapazitĂ€ten abzusichern. Sie könnten zum Beispiel durch Anreizmodelle den Verbrauch ihrer Kunden in Spitzenlastzeiten mit wenig Wind- und PV-Strom verringern.

Mehr FlexibilitÀt

Insgesamt nennt das Wirtschaftsministerium in dem Papier zum Umbau des Stromsystems vier Handlungsfelder. Dazu gehört auch eine Reform der Förderung der erneuerbaren Energien. Das geltende System, das im Kern eine MarktprÀmie zusÀtzlich zum erzielten Börsenpreis vorsieht, ist noch bis Ende 2026 europarechtlich genehmigt. Geplant ist nun unter anderem eine Umstellung auf eine Investitionskostenförderung. 

Außerdem soll es mehr FlexibilitĂ€t bei der Stromnutzung geben. Dabei geht es auch um Anreize, damit Nutzer ihr E-Auto dann laden, wenn viel Wind - und Sonnenstrom produziert wird und die Strompreise gĂŒnstig sind. Verbraucher könnten dafĂŒr auch niedrigeren Netzentgelten belohnt werden, wie aus dem Papier hervorgeht. 

Ökostrom besser nutzen

Ziel ist es laut Papier, «grĂŒnen» Strom lokal besser zu nutzen, anstatt Anlagen abzuregeln - das passiert bei drohenden StromengpĂ€ssen. Maßnahmen zur Verhinderung von Überlastungen des Stromnetzes verursachen hohe Kosten. Hintergrund: Der vor allem im Norden produzierte Windstrom muss in große Verbrauchszentren im SĂŒden gelangen, dafĂŒr sind Tausende Kilometer neue Stromleitungen nötig. 

Voraussetzung fĂŒr mehr FlexibilitĂ€t im Stromsystem sind digitale StromzĂ€hler, «Smart Meter». Ihr Einsatz soll beschleunigt werden. FĂŒr die Ausgestaltung der Netzentgelte ist die Bundesnetzagentur zustĂ€ndig. 

 

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