ROUNDUP, Trump

Trump gibt Selenskyj Mitschuld am Ukraine-Krieg

24.01.2025 - 06:35:16

Der neue US-PrÀsident Donald Trump gibt dem ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj eine Mitschuld an der Eskalation des russischen Angriffskrieges.

"Er hĂ€tte auch nicht zulassen dĂŒrfen, dass dies geschieht. Er ist kein Engel. Er hĂ€tte diesen Krieg nicht zulassen dĂŒrfen", sagte Trump dem Sender Fox News. Allerdings hatte Kremlchef Wladimir Putin im Februar 2022 den Angriffskrieg auf die benachbarte Ukraine befohlen.

Russland begrĂŒndete den Einmarsch seiner Truppen in die Ukraine immer wieder mit einer "Entnazifizierung" des Nachbarlands. Selenskyj ist allerdings jĂŒdischer Abstammung. Russische StreitkrĂ€fte hatten bereits seit 2014 Teile der Ukraine besetzt und nahmen auch die ukrainische Halbinsel Krim ein.

Trump sagte in dem Interview zwar nicht ausdrĂŒcklich, dass Selenskyj hĂ€tte kapitulieren sollen. Er formulierte es aber wie einen Vorwurf an den PrĂ€sidenten, dass dieser sich auf den Kampf gegen einen deutlich ĂŒberlegenen Gegner eingelassen habe. "Er hĂ€tte das nicht tun sollen."

Die Alternative? Man hĂ€tte einen "Deal" machen können, sagte Trump und fĂŒgte hinzu: "Ich hĂ€tte so einfach einen Deal machen können. Und Selenskyj hat entschieden, dass ... "Ich will kĂ€mpfen"." Die Ukraine verteidigt sich seit knapp drei Jahren mit westlicher Hilfe gegen die Angriffe.

Russland habe 30.000 Panzer gehabt, Selenskyj keinen einzigen, sagte Trump. Dann hĂ€tten die USA und die VerbĂŒndeten angefangen, immer mehr AusrĂŒstung zu liefern - und die Ukrainer hĂ€tten den Mut gehabt, diese zu nutzen.

Trump hatte im Wahlkampf gesagt, er könne den russischen Angriffskrieg in 24 Stunden beenden - blieb aber Details schuldig, wie er das erreichen wollte. Er wiederholte, der Krieg mĂŒsse enden, und drohte Russland erneut mit Sanktionen und Zöllen. Selenskyj sei bereit fĂŒr ein Abkommen. "Er hat genug."

Selenskyj begrĂŒĂŸt Trump-Vorstoß

Derweil begrĂŒĂŸte Selenskyj einen Vorschlag Trumps, den russischen Angriffskrieg durch eine drastische Senkung des Ölpreises zu beenden. Besonders Öl bleibe einer der SchlĂŒsselfaktoren, um Frieden und echte Sicherheit zu erreichen, sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Wichtig sei, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten, weil das Land versuche, die Aggression und die Besatzung fortzusetzen.

Trump hatte zuvor erklĂ€rt, er wolle den Krieg in der Ukraine durch einen niedrigen Ölpreis beenden und mit der Opec und Saudi-Arabien ĂŒber eine Senkung der Kosten reden. "Wenn der Preis sinken wĂŒrde, dann wĂŒrde der russisch-ukrainische Krieg sofort aufhören", sagte Trump in seiner per Videoschalte gehaltenen Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos. "Im Moment ist der Preis hoch genug, damit der Krieg weitergeht", sagte Trump. "Ich werde Saudi-Arabien und die Opec bitten, die Kosten fĂŒr Öl zu senken." Der Preis mĂŒsse fallen.

Die Energiegroßmacht Russland finanziert ihren Angriffskrieg etwa mit dem Verkauf von Öl an Indien und China. Alle bisherigen Versuche des Westens - von einem Embargo fĂŒr russisches Öl in den USA ĂŒber einen Preisdeckel in der EU bis hin zu Sanktionen gegen Tanker - brachten nicht den von der Ukraine erhofften Erfolg, eine der wichtigsten Finanzierungsquellen fĂŒr Moskaus Krieg auszutrocknen.

"Man muss den Preis senken, so kann man den Krieg beenden", sagte Trump. Er selbst hatte zuvor auch erklĂ€rt, die Ölproduktion in den USA deutlich hochzufahren. Ein höheres Angebot auf dem Weltmarkt wĂŒrde die Preise fallen lassen.

Trump will mit Putin ĂŒber Ende des Kriegs sprechen

Trump erklĂ€rte mehrfach, auch bald mit Putin ĂŒber eine Beendigung des Kriegs sprechen zu wollen. Bisher hat er keinen Plan prĂ€sentiert, wie er zu einem Frieden in dem komplexen Konflikt kommen will. Putin selbst hatte sich bereiterklĂ€rt zu einem Dialog und auch von möglichen Kompromissen gesprochen. Laut Kreml ist bisher weder ein Telefonat noch ein Treffen Putins mit Trump in Vorbereitung.

"Wir unterstĂŒtzen US-PrĂ€sident Donald Trump in seinem Wunsch, den Ölpreis zu reduzieren. Als Folge dessen wird Russlands FĂ€higkeit, den Krieg zu finanzieren, zusammenbrechen", teilte der Leiter der ukrainischen PrĂ€sidialverwaltung, Andrij Jermak, in seinem Kanal bei Telegram mit. Ziel mĂŒsse es sein, den Preis fĂŒr ein Barrel Öl auf 30 US-Dollar zu drĂŒcken. Ein harter Preisfall sei auch der Weg zu einer "globalen Sicherheit", sagte Jermak. Aktuell kostet ein Barrel der US-Sorte WTI mehr als 74 Dollar, Opec-Öl mehr als 80 Dollar je Barrel.

Kreml ĂŒberzeugt von wirtschaftlicher StĂ€rke

Russland hat seine Kriegswirtschaft nicht zuletzt dank der sprudelnden Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas massiv hochgefahren. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte in Moskau, dass die russische Wirtschaft trotz Sanktionen stark sei und auch noch Reserven habe, um sowohl militĂ€rische als auch soziale Ausgaben zu decken.

"Wir haben weiter ziemlich hohe Wachstumsraten - ungeachtet gewisser Problemfaktoren", sagte Peskow mit Blick auf Medienberichte, nach denen die wirtschaftliche Lage im Land zum Ärger Putins immer schwieriger werde. Russland machen hohe Inflation und Zinsen zu schaffen.

Vor allem auch die Umgehung von Sanktionen des Westens ist fĂŒr das Riesenreich mit hohen zusĂ€tzlichen Kosten verbunden. Traditionell spielt der Kreml die Wirkung der Sanktionen herunter. Auch Putin sagte immer wieder, die Strafmaßnahmen hĂ€tten Russlands Wirtschaft widerstandsfĂ€higer gemacht, weil sie sich mehr auf eigene StĂ€rken konzentriere.

Kriegshandlungen dauern unvermindert an

Die russischen Truppen setzten indes ihren Vormarsch im Donbass fort und verĂŒbten auch neue LuftschlĂ€ge. In der sĂŒdukrainischen Stadt Saporischschja stieg die Zahl der Verletzten nach einem russischen Raketenangriff auf 52, wie PrĂ€sident Selenskyj in seiner Videobotschaft mitteilte. Ein Mensch starb demnach.

@ dpa.de

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