ROUNDUP, Prozess

Prozess gegen Trump in Dokumenten-AffÀre bis auf Weiteres verschoben

08.05.2024 - 00:00:20

Der offizielle Beginn des Gerichtsprozesses gegen den frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump in der AffĂ€re um die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Der bisher geplante Prozessbeginn am 20. Mai sei aufgehoben, kĂŒndigte die zustĂ€ndige Richterin Aileen Cannon am Dienstag in einem Schreiben an. Grund dafĂŒr seien offene Rechtsfragen. Damit gilt als unwahrscheinlich, dass der Prozess vor der PrĂ€sidentenwahl im November beginnt.

Die Entscheidung ist ein Erfolg fĂŒr den Republikaner, da dieser versucht, einen möglichen Prozessbeginn so weit wie möglich hinauszuzögern. Der 77-JĂ€hrige will nach der PrĂ€sidentenwahl wieder ins Weiße Haus einziehen. Trump muss sich aktuell auch vor einem Gericht in New York im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin verantworten. Deshalb verbringt er regelmĂ€ĂŸig viele Stunden im Gerichtssaal. Doch dieser Prozess ist nicht Trumps einziges juristisches Problem.

Trump war in der Dokumenten-AffĂ€re im vergangenen Jahr auf Bundesebene angeklagt worden. Ihm wird in diesem Fall die gesetzeswidrige Aufbewahrung höchst sensibler Informationen aus seiner Zeit als PrĂ€sident (2017 bis 2021) vorgeworfen. Im August 2022 hatte die Bundespolizei FBI Trumps Villa in Florida durchsucht und mehrere als streng geheim eingestufte Dokumenten-SĂ€tze beschlagnahmt. Vorgeworfen wird Trump auch eine Verschwörung zur Behinderung der Ermittlungen: So soll er versucht haben, mithilfe von Mitarbeitern Material aus Überwachungskameras verschwinden und Kisten mit Dokumenten wegschaffen zu lassen.

Trump plĂ€dierte bei der Vorstellung der Anklage in Miami im vergangenen Jahr auf "nicht schuldig". Seine AnwĂ€lte versuchen, das Verfahren noch abzuwenden. Sie berufen sich dabei unter anderem auf Trumps ImmunitĂ€t als PrĂ€sident. Sie argumentieren, die Aufbewahrung der Dokumente als persönliche Unterlagen sei eine Amtshandlung des PrĂ€sidenten gewesen. "PrĂ€sident Trump hat Anspruch auf ImmunitĂ€t fĂŒr diese Amtshandlung, und das muss auch die ImmunitĂ€t vor strafrechtlicher Verfolgung einschließen", schrieben sie in einem entsprechenden Antrag.

Die in dem Dokumenten-Verfahren zustĂ€ndige Richterin Cannon ist einst von Trump ernannt worden. Kritiker werfen ihr vor, das Verfahren zu verschleppen und AntrĂ€ge in Zeitlupe zu bearbeiten. Als BegrĂŒndung fĂŒr die Verschiebung des Prozessbeginns schrieb Cannon, dass die Festlegung eines Verhandlungstermins zum jetzigen Zeitpunkt "unĂŒberlegt" wĂ€re. Es gebe zu viele offene Rechtsfragen, die noch zu klĂ€ren seien. Es bedĂŒrfe entsprechender Vorbereitungen und Zeit, diese vollstĂ€ndig und fair zu behandeln, um diesen Fall einer Geschworenenjury vorzulegen

Insgesamt ist Trump im Wahljahr mit vier strafrechtlichen Verfahren gegen ihn konfrontiert: Neben dem Prozess in der Dokumenten-AffÀre und dem Schweigegeld-Fall in New York gibt es noch ein Wahlbetrugsverfahren auf Bundesebene und ein weiteres im US-Bundesstaat Georgia.

Trumps AnwĂ€lte berufen sich auch in dem Wahlbetrugsverfahren auf Bundesebene auf die prĂ€sidiale ImmunitĂ€t und versuchen so, das Verfahren zu stoppen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Berufung Trumps in diesem Fall angenommen und befasst sich derzeit mit der zentralen Frage nach dessen ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung. Eine Entscheidung wird in einigen Wochen erwartet. Diese dĂŒrfte auch einen Einfluss auf die meisten anderen Strafverfahren gegen Trump haben.

Trump, der wieder PrĂ€sident werden will, bezeichnet die Ermittlungen gegen ihn regelmĂ€ĂŸig als "politische Hexenjagd" und stellt sich als Justizopfer dar. Bei der PrĂ€sidentenwahl im November deutet alles auf eine Neuauflage des Rennens zwischen ihm und dem demokratischen Amtsinhaber Joe Biden hin. Bisher haben Trump die Ermittlungen gegen ihn in Umfragen nicht geschadet. Dies könnte sich Ă€ndern, wenn der Republikaner von einer Geschworenenjury noch vor der Wahl verurteilt werden wĂŒrde. Mit juristischen WinkelzĂŒgen versucht er deshalb, die die verschiedenen Verfahren gegen ihn so weit wie möglich zu verzögern./trö/DP/zb

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