Fratzscher wirft EZB zu zögerliche Geldpolitik vor
12.09.2024 - 07:00:30 | dts-nachrichtenagentur.de
Der PrĂ€sident des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hĂ€lt die zurĂŒckhaltende Geldpolitik der EZB fĂŒr einen Fehler.
EZB (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
"Die EZB ist zu spĂ€t", sagte Fratzscher der "Mediengruppe Bayern" mit Blick auf die von den MĂ€rkten fĂŒr den Donnerstag erwarteten Leitzinssenkung der Zentralbank.
Zwei Punkte seien dabei wichtig: "Zum einen ist die Inflation inzwischen wieder auf dem Niveau der PreisstabilitÀt. Wenn man einbezieht, dass die Geldpolitik eineinhalb bis zwei Jahre braucht, bis sie ihre volle Wirkung entfaltet, dann hÀtten die Zinsschritte schon vor einem halben Jahr passieren können und nicht erst im Juli", sagte der DIW-Experte.
"Zweitens ist diese Geldpolitik viel zu restriktiv angesichts der SchwĂ€che der europĂ€ischen, insbesondere der deutschen Wirtschaft. Vom Niveau her mĂŒssten die Zinsen 150 bis 200 Basispunkte niedriger sein, um auf einem neutralen Niveau zu sein, bei dem die Geldpolitik die Wirtschaft weder befeuert noch bremst."
Er verstehe die Sorgen der EZB, die um ihre GlaubwĂŒrdigkeit fĂŒr den Fall fĂŒrchte, dass die Inflation wieder aufflamme, rĂ€umte Fratzscher ein: "Doch das bringt sie dazu, zu vorsichtig und restriktiv zu agieren."
Der DIW-PrĂ€sident wĂŒrde fĂŒr eine gröĂere Zinssenkung plĂ€dieren. "Es wĂ€re durchaus sinnvoll, jetzt mit 50 Basispunkten zu operieren. Klar, man will die MĂ€rkte nicht ĂŒberraschen, die einen geringeren Zinsschritt eingepreist haben. Aber man könnte sie zumindest darauf vorbereiten, dass man nun schneller gehen will." Das wĂ€re ein wichtiger Kurswechsel.
Fratzscher will nicht von einer Schuld der Zentralbank an der aktuellen WachstumsschwĂ€che sprechen. "Aber die EZB trĂ€gt schon ein StĂŒck weit Verantwortung dafĂŒr. Gerade im letzten und in diesem Jahr war und ist die Geldpolitik der EZB eine der gröĂten Bremsen fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung." Die Notenbank sei mitverantwortlich, dass die Investitionen relativ schwach ausfallen, vor allem die am Bau. Auch den Konsum schwĂ€che sie mit ihrer Zinspolitik.
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