Ex-VW-Chef, Winterkorn

Ex-VW-Chef Winterkorn lehnt Richter als befangen ab

23.12.2024 - 12:41:00

Der Prozess gegen den frĂŒheren VW-Boss Winterkorn soll seine Rolle bei der DieselaffĂ€re beleuchten. Nach einer Zwangspause stellte das Gericht neue PlĂ€ne vor. Dagegen wehrt sich nun die Verteidigung.

Der frĂŒhere VW-Konzernchef Martin Winterkorn lehnt in seinem Strafverfahren zur DieselaffĂ€re den Richter als befangen ab. Das Vertrauen Winterkorns in die Unvoreingenommenheit des Vorsitzenden Richters sei durch dessen Verhalten zerstört, heißt es in einem Schreiben der Verteidigung an das Landgericht Braunschweig, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 

Die AnwĂ€lte des 77-JĂ€hrigen stören sich daran, dass der Prozess fĂŒr Februar 2025 neu angesetzt worden sei, bevor eine gerichtlich angeordnete Begutachtung des Gesundheitszustandes von Winterkorn stattgefunden habe. Das Landgericht hatte vergangenen Mittwoch am Nachmittag per Pressemitteilung informiert, dass ein Neustart des Verfahrens mit 89 Terminen fĂŒr den 4. Februar geplant sei. 

Verteidigung: Gutachter hĂ€lt Reise zum Gericht fĂŒr unzumutbar

TatsÀchlich sei Winterkorn erst am Nachmittag des 18.12., also ebenfalls vergangenen Mittwoch, untersucht worden, moniert die Verteidigung. Es ist den AnwÀlten zufolge daher ausgeschlossen, dass dem Richter bei der Festlegung der Verhandlungstermine sowie Versendung der Pressemeldung bekannt gewesen sein kann, zu welchem Ergebnis der Arzt kommt. Eine Reaktion des Gerichts auf den Befangenheitsantrag war am Montag zunÀchst nicht zu erhalten. 

Nach Angaben der Verteidigung kommt der Mediziner in seinem Gutachten vom Folgetag zu dem Ergebnis, dass Winterkorn zwar grundsÀtzlich reisefÀhig sei. Eine Anreise nach Braunschweig sei ihm aber nach gutachterlicher EinschÀtzung zurzeit nicht zumutbar. Zudem seien ganze Verhandlungstage wahrscheinlich nicht möglich. Das Verhalten des Richters belege, dass dieser sich zum Gesundheitszustand Winterkorns eine feste Meinung gebildet habe, bevor ihm das Ergebnis des Àrztlichen SachverstÀndigen vorgelegen habe. 

Prozessneustart wackelt wieder 

Mit dem Befangenheitsantrag steht vor dem Prozess erneut ein dickes Fragezeichen. Dem 77-JĂ€hrigen werden in dem Verfahren vor der Wirtschaftsstrafkammer gewerbsmĂ€ĂŸiger Betrug, Marktmanipulation und uneidliche Falschaussage vorgeworfen. Er hatte aber sĂ€mtliche VorwĂŒrfe der Anklage zurĂŒckgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Vergangenen September - fast genau neun Jahre nach dem Auffliegen der Abgasmanipulationen beim Wolfsburger Autobauer - hatte der erste Prozess gegen Winterkorn begonnen. Nach wenigen Verhandlungstagen war das Verfahren wegen einer Verletzung des Anklagten verschoben worden. Nach damaligen Gerichtsangaben hatte sich Winterkorn so schwer verletzt, dass er in ein Krankenhaus musste.

@ dpa.de