Russischer Botschafter will zu weiterer Gedenkveranstaltung
24.04.2025 - 06:34:34Im sÀchsischen Torgau wird dann an das Aufeinandertreffen US-amerikanischer und sowjetischer Soldaten an der Elbe am 25. April 1945 erinnert. Der Botschafter werde "der Einladung der Stadt Torgau Folge leisten und an den geplanten Veranstaltungen teilnehmen", teilte ein Sprecher der russischen Botschaft in Berlin der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.
An dem Gedenken wird auch der sÀchsische MinisterprÀsident Michael Kretschmer (CDU) teilnehmen. Die USA werden nach jetzigem Stand im Gegensatz zu Russland nicht mit einem offiziellen ReprÀsentanten dabei sein. "Das US-Konsulat in Leipzig ist in diesem Jahr nicht in der Lage, an der Zeremonie teilzunehmen", erklÀrte eine Sprecherin der US-Botschaft in Berlin auf dpa-Anfrage.
Kein Rederecht fĂŒr russischen Botschafter
Nach Angaben der Stadt Torgau wurden keine expliziten Einladungen an die Botschaften verschickt. Die Auslandsvertretungen mehrerer LĂ€nder- darunter die russische - seien aber bereits im Februar schriftlichĂŒber die öffentliche Veranstaltung informiert worden. Das Vorgehen sei mit der sĂ€chsischen Staatskanzlei abgestimmt worden, sagte Torgaus OberbĂŒrgermeister Henrik Simon (parteilos) der dpa.
Die russische Vertretung habe mitgeteilt, dass Botschafter Netschajew teilnehmen werde. Es sei auch nach einem Rederecht gefragt worden. "Das haben wir allerdings ausgeschlagen, um keine Plattform zu geben", sagte Simon. Bei der Gedenkveranstaltung werden auĂer Kretschmer ein Vertreter der evangelischen Kirche und der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Stiftung SĂ€chsische GedenkstĂ€tten sprechen. AnschlieĂend ist eine Kranzniederlegung geplant.
AuswÀrtiges Amt empfahl Ausschluss Russlands
Vergangene Woche hatte die Teilnahme Netschajews an einer Gedenkveranstaltung auf den Seelower Höhen östlich von Berlin fĂŒr Aufsehen gesorgt. Dort hatte vor 80 Jahren die gröĂte Schlacht des Zweiten Weltkriegs stattgefunden, bei der 35.000 sowjetische, 16.000 deutsche und 2.000 polnische Soldaten getötet wurden.
Das AuswĂ€rtige Amt hatte zuvor in einer Handreichung an LĂ€nder, Kommunen und GedenkstĂ€tten des Bundes davon abgeraten, offizielle russische Vertreter zu Weltkriegs-Gedenkveranstaltungen zuzulassen. BegrĂŒndet wurde das mit der BefĂŒrchtung, dass Russland diese Veranstaltungen "instrumentalisieren und mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine missbrĂ€uchlich in Verbindung bringen" könnte.
BundestagsprÀsidentin Julia Klöckner (CDU) hat die Botschafter von Russland und Belarus unter Verweis auf diese Empfehlungen von der zentralen Gedenkveranstaltung am 8. Mai im Parlament ausgeschlossen. Dort wird BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier sprechen.
Trump und Putin beschworen 2020 den "Geist der Elbe"
Am 25. April erinnert Torgau jedes Jahr an den sogenannten Elbe Day, an dem amerikanische und sowjetische Soldaten auf der zerstörten Elbe-BrĂŒcke aufeinandertrafen. Das Foto vom Handschlag von Torgau ging als Symbol fĂŒr das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft um die Welt.
Am 75. Jahrestag 2020 hatten der russische PrĂ€sident Wladimir Putin und US-PrĂ€sident Donald Trump, der damals in seiner ersten Amtszeit war, den Jahrestag noch in einer gemeinsamen ErklĂ€rung gewĂŒrdigt. "Der "Geist der Elbe" ist ein Beispiel dafĂŒr, wie unsere LĂ€nder Differenzen beiseiteschieben, Vertrauen aufbauen und fĂŒr eine gröĂere Sache zusammenarbeiten können", schrieben sie.
Absage der Gedenkfeier nach russischem Angriff 2022
Zwei Jahre spĂ€ter wurden die Gedenkfeiern in Torgau dann kurzfristig abgesagt. Der Grund war der russische Angriff auf die Ukraine zwei Monate zuvor. "Die aktuelle Lage und die tĂ€glichen Ereignisse lassen es geraten erscheinen, eine derartige Zusammenkunft in diesem Jahr nicht durchzufĂŒhren", teilte die Stadt Torgau damals mit.

