Temu und Shein machen dem deutschen Schuhhandel zu schaffen
02.09.2024 - 12:01:35Die SchuhhĂ€ndler und -hersteller in Deutschland haben mit der zunehmenden Konkurrenz durch asiatische Shopping-Portale zu kĂ€mpfen. «Temu und Shein ĂŒberfluten Deutschland mit Billigschuhware von zumeist schlechter QualitĂ€t, teilweise sind die Waren auch gesundheitsschĂ€dlich», sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsverbandes Textil Schuhe Lederwaren (BTE), Rolf Pangels, anlĂ€sslich der Messe «Shoes» in DĂŒsseldorf.Â
Der Verband fordert wirksame Kontrollen und einen fairen Wettbewerb. «Wird dem Treiben solcher Plattformen nicht Einhalt geboten, wird es weitere Insolvenzen im Schuhhandel geben», warnte Pangels.
In der ersten JahreshĂ€lfte haben erneut viele SchuhhĂ€ndler in Deutschland dicht gemacht. Laut SchĂ€tzungen des BTE hat sich die Zahl der GeschĂ€fte seit Jahresbeginn um rund 800 auf etwa 8750 verringert. Darin inbegriffen sind SchlieĂungen von LĂ€den der Filialisten Reno und Görtz, die im vergangenen Jahr insolvent gegangen waren. Die Zahl der stationĂ€ren Schuhspezialisten ist zuletzt ebenfalls weiter gesunken. Die Unternehmen schlieĂen laut Verband nicht nur wegen Insolvenzen, oft finden sich auch keine Nachfolger.
Jeder sechste SchuhhÀndler bewertet GeschÀftslage gut
In der ersten JahreshĂ€lfte machten die HĂ€ndler trotz der gestiegenen Preise zwei Prozent weniger Umsatz als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Preisbereinigt dĂŒrfte das Minus noch höher sein. GrĂŒnde dafĂŒr seien neben der schwachen Konsumstimmung und das schlechte Wetter im Mai und Juni, sagte Pangels. Nach gutem Jahresstart hĂ€tten die GeschĂ€fte in diesen Monaten einen «schmerzhaften zweistelligen Umsatzeinbruch» erlitten.Â
Ein groĂes Problem sehen die SchuhhĂ€ndler demnach auch in den steigenden Kosten im Einkauf, fĂŒr Personal und Energie. AuĂerdem wird ein AttraktivitĂ€tsverlust der InnenstĂ€dte beklagt. Der Blick nach vorn ist pessimistisch: Mehr als jeder zweite HĂ€ndler erwartet weniger Umsatz als 2023, nur 30 Prozent ein Plus, wie eine Verbandsumfrage zeigt. 41 Prozent bewerten ihre GeschĂ€ftslage schlecht, lediglich 16 Prozent als gut.Â
Die deutsche Schuhindustrie machte im ersten Halbjahr ebenfalls weniger GeschĂ€ft. Der Umsatz sank um knapp 1,2 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro, der Erlös im Ausland ging sogar um 11 Prozent zurĂŒck. Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L), Manfred Junkert, sagte: «Da die Politik es weiterhin nicht schafft, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, blieb die erhoffte Belebung im FrĂŒhjahr aus.» Auch Junkert verlangt einen hĂ€rteren Umgang mit Plattformen wie Temu und Shein. Diese mĂŒssten «keine Ăberwachung der Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards befĂŒrchten», kritisierte er.Â
Die Online-HĂ€ndler Shein und Temu erfreuen sich in Deutschland groĂer Beliebtheit. Nach einer SchĂ€tzung des BTE kauften die Verbraucher 2023 rund eine Milliarde Modeartikel und Schuhe bei Anbietern wie Shein und Temu. KiK-Chef Patrick Zahn hatte den Portalen zuletzt vorgeworfen, «schadstoffbelastete und durch Kinderarbeit hergestellte Ware» zu vertreiben. Die Unternehmen wehrten sich gegen die Kritik und verwiesen auf strenge Kontrollen und Sicherheitsstandards, die sie von ihren Lieferanten verlangten. Shein erklĂ€rte, zwei FĂ€lle von Kinderarbeit in der eigenen Lieferkette im Jahr 2023 aufgeklĂ€rt zu haben. Man verfolge «eine Null-Toleranz-Politik gegenĂŒber Kinderarbeit», hieĂ es.


