Trumps Wahlsieg mischt Karten im Nahen Osten neu
07.11.2024 - 06:34:59 | dpa.deIsraels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu verspricht sich mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr seinen harten Kurs gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen, die Schiiten-Miliz Hisbollah im Libanon und gegen den Iran als deren maĂgeblichen UnterstĂŒtzer. Aber auch der palĂ€stinensische PrĂ€sident Mahmud Abbas und weitere Staatschefs aus dem arabischen Raum hoffen auf gute Zusammenarbeit mit dem kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten.
Trumps "historische RĂŒckkehr ins WeiĂe Haus" bedeute "einen Neuanfang fĂŒr Amerika und eine mĂ€chtige erneute Verpflichtung gegenĂŒber dem groĂen BĂŒndnis zwischen Israel und Amerika", teilte Netanjahu mit. Abbas Ă€uĂerte sich zuversichtlich, dass Trump das Streben des palĂ€stinensischen Volkes nach Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit unterstĂŒtzen werde. Die Unberechenbarkeit des kĂŒnftigen PrĂ€sidenten könnte allerdings ein zusĂ€tzlicher Risikofaktor in der Region werden.
Was von Trump im Nahen Osten zu erwarten ist
WÀhrend seines Wahlkampfs hat Trump immer wieder behauptet, er könne die Kriege im Gazastreifen und im Libanon beenden und Frieden in die Region bringen. Einerseits sagte er Medienberichten zufolge, Israel haben das Recht, den "Job in Gaza" zu beenden; andererseits soll er Netanjahu dazu aufgefordert haben, den Krieg bis zu seinem Amtsantritt im Januar zu beenden.
Nach EinschĂ€tzung des stellvertretenden Leiters des US-Forschungsinstituts Center for International Policy, Matt Duss, geht es Trump vor allem darum, den Krieg aus den Nachrichten zu bekommen: "Denn alles, was ihn selbst aus dem Rampenlicht rĂŒckt, gefĂ€llt ihm nicht."
Wie sich Trump in seiner ersten Amtszeit positioniert hat
In seiner ersten Amtszeit (2017-2021) als US-PrĂ€sident hat sich Trump als enger VerbĂŒndeter Israels in Szene gesetzt. Er brĂŒskierte die PalĂ€stinenser mit der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem, erkannte die besetzten Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet an und fuhr einen harten Kurs gegen Israels Erzfeind Iran. "Ich habe mehr fĂŒr Israel getan als jeder andere PrĂ€sident, und offen gesagt, ich habe mehr fĂŒr Israel getan als jeder andere Mensch", behauptete Trump im Wahlkampf.
Was die Israelis von Trump erwarten
Die Mehrheit der Menschen in Israel erhofft sich von Trump eine Verbesserung der Sicherheitslage in der Region. Die konkreten Erwartungen an den kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten unterscheiden sich allerdings.
"Unter den extremen Rechten gibt es die Vorstellung, dass Israel mit Trump im Gazastreifen, im Libanon und im Westjordanland freie Hand haben wird, und sogar der Iran sich in Acht nehmen muss", zitierte das "Time Magazine" den frĂŒheren israelischen Regierungsberater und heutigen Wissenschaftler am Israel Policy Forum, Nimrod Novik. "Im Mitte-Links-Lager besteht die Erwartung, dass Trump sich im Gegensatz zu Biden nicht von Netanjahu herumschubsen lassen wird. Das dĂŒrfte Netanjahu vor das Dilemma stellen, sich entweder gegenĂŒber seinen ultrareligiösen Koalitionspartnern oder gegenĂŒber einem unberechenbaren Trump zu behaupten."
Trumps Haltung zum Iran
In seiner ersten Amtszeit kĂŒndigte Trump das Atomabkommen mit dem Iran auf und verhĂ€ngte harte Sanktionen gegen die Regierung in Teheran. Zudem ordnete er den tödlichen Drohnenangriff auf den mĂ€chtigen iranischen General Ghassem Soleimani an. Zuletzt sprach er sich fĂŒr einen israelischen Angriff auf die iranischen Atomanlagen aus.
Angesichts der verĂ€nderten Lage in der Region dĂŒrfte Trump allerdings- anders als zuvor - nicht mehr auf die entschlossene UnterstĂŒtzungder arabischen Golfstaaten zĂ€hlen können. "Die neue Trump-Administration wird möglicherweise nicht in der Lage sein, ihr gesamtes Netzwerk von VerbĂŒndeten wiederherzustellen, um eine intensive Anti-Iran-Politik zu betreiben, insbesondere wenn diese Politik nicht das klare Ziel verfolgt, ein umfassendes Abkommen mit dem Iran zu erreichen", schreibt Jonathan Panikoff vom Forschungsinstitut Atlantic Council in einer Analyse. Bereits im ersten Telefonat mit Trump nach dessen Wahlsieg sprach Netanjahu laut Angaben seines BĂŒros mit dem kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten ĂŒber die Bedrohung durch den Iran.
Was Biden vor Ende seiner Amtszeit noch ausrichten kann
Der scheidende US-PrĂ€sident Joe Biden muss bis Januar auf keine politischen Befindlichkeiten in den USA mehr RĂŒcksicht nehmen. "In der zweimonatigen Ăbergangsphase wird PrĂ€sident Biden, der von Wahlkampf und politischen ZwĂ€ngen befreit ist, wahrscheinlich versuchen, sein VermĂ€chtnis zu hinterlassen und im Nahen Osten ein schnelles Ende des Krieges und eine Einigung ĂŒber die RĂŒckgabe der Geiseln herbeizufĂŒhren", heiĂt es in einer Analyse des Institute for National Security Studies an der UniversitĂ€t Tel Aviv. "In diesem Zusammenhang wird Biden möglicherweise nicht zögern, noch mehr Druck auf Israel auszuĂŒben."
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