SPD-Chef, ZurĂŒckweisungen

SPD-Chef erwartet mehr ZurĂŒckweisungen

11.04.2025 - 06:24:14

Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil erwartet nach eigenen Worten, dass es unter der geplanten schwarz-roten Bundesregierung mehr ZurĂŒckweisungen an den Grenzen geben wird als unter der Ampel-Koalition.

"Wir sind uns einig: Es gibt mehr Grenzkontrollen, damit gibt es auch mehr ZurĂŒckweisungen", sagte er der "Bild"-Zeitung (Freitag).

"Aber (CDU-Chef) Friedrich Merz und ich sind uns einig, dass es in Abstimmung mit den europĂ€ischen Partnern passiert", fĂŒgte Klingbeil hinzu. So haben es CDU, CSU und SPD auch im Koalitionsvertrag vereinbart. Die dort getroffene Formulierung "in Abstimmung mit unseren europĂ€ischen Nachbarn" definierte er so: "Wenn ich mich mit jemandem abstimme, dann treffe ich mit dem GegenĂŒber Verabredungen. Und das ist doch das, worum es geht." Er sei sich sicher, dass Merz als Kanzler aufgrund seiner Kontakte zu den handelnden Personen "gemeinsame Lösungen finden wird". In der Union war "Abstimmung" aber auch schon definiert worden als reine Information der NachbarlĂ€nder.

Polizei-Gewerkschaften bei versprochener Migrationswende skeptisch

Die Polizei-Gewerkschaften sind hinsichtlich des von der Union versprochenen Kurswechsels in der Migrationspolitik ohnehin eher skeptisch.

Die im Koalitionsvertrag mit der SPD vereinbarte Fortsetzung der Grenzkontrollen werde vorerst "nicht verhindern können, dass weiterhin an den Grenzkontrollmaßnahmen vorbei mehrheitlich AsylantrĂ€ge im Inland gestellt und auch entschieden werden", sagte der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sven HĂŒber, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dies werde so bleiben, bis es einen funktionierenden europĂ€ischen Grenzschutz gebe. "Insofern ist auch nicht zu erwarten, dass die vereinbarte ZurĂŒckweisung von Asylantragstellern an der Grenze - so sie europarechtlich und völkerrechtlich ĂŒberhaupt zulĂ€ssig ist - objektiv eine ĂŒberdeutliche Reduzierung der FlĂŒchtlingszahlen bewirken kann."

Er beklagte auch, dass die langfristige Fortsetzung der Grenzkontrollen zusĂ€tzliches Geld und Personal voraussetze, fĂŒr das die KoalitionsunterhĂ€ndler keine Zusage getroffen hĂ€tten.

Zuvor hatte bereits die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in einer ErklĂ€rung Skepsis erkennen lassen. "Eine Asylwende, wie die Union sie versprochen hat, wird so leicht nicht umzusetzen sein, selbst wenn einige Kompetenzen der Bundespolizei erweitert werden", sagte der Vorsitzende Rainer Wendt. "Ausreisepflichtige Personen können auch kĂŒnftig nicht in Ausreisegewahrsam genommen werden, wenn keine GewahrsamsplĂ€tze da sind. Daran Ă€ndert sich nichts, solange die BundeslĂ€nder allein fĂŒr deren Schaffung zustĂ€ndig bleiben."

Unionspolitiker zuversichtlich

Unionspolitik wie CDU/CSU-ParlamentsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thorsten Frei (CDU) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geben sich dagegen zuversichtlich fĂŒr eine Migrationswende. Der CDU-Vorsitzende und voraussichtliche kĂŒnftige Kanzler Merz hatte "RTL Direkt" mit Blick auf die vereinbarte Abstimmung mit den NachbarlĂ€ndern ĂŒber Grenzkontrollen gesagt: "Diese Abstimmung lĂ€uft." Ob das bedeute, dass kĂŒnftig alle Asylsuchenden an den Grenzen abgelehnt werden, wollte er nicht sagen.

@ dpa.de