ROUNDUP, Selenskyj

Selenskyj fordert Zugriff auf russisches Vermögen im Westen

07.02.2025 - 06:00:02

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj fordert vom Westen die Freigabe weiterer Milliarden aus eingefrorenem russischem Staatsvermögen im Ausland fĂŒr den Wiederaufbau des von Moskaus Angriffskrieg zerstörten Landes.

Neben der Hilfe von Banken und VerbĂŒndeten mĂŒsse auch der Anteil aus dem blockierten russischen Vermögen erhöht werden. "Wir reden von Dutzenden Milliarden", sagte Selenskyj laut einer Mitteilung des PrĂ€sidentenamtes in Kiew. Er werde die Frage bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz vom 14. bis 16. Februar bei GesprĂ€chen mit europĂ€ischen Partnern aufwerfen.

Die Gruppe der sieben großen westlichen Industriestaaten (G7) hat bisher beschlossen, der Ukraine einen Kredit von 50 Milliarden US-Dollar (rund 48 Milliarden Euro) zu gewĂ€hren - fĂŒr den indirekt Russland zahlen soll. Der Kredit wird durch ZinsertrĂ€ge aus dem im Westen eingefrorenen russischen Staatsvermögen abgesichert. Die Ukraine will zudem den Zugriff auf das Vermögen selbst.

Selenskyj: BinnenflĂŒchtlinge brauchen Wohnraum

"Die Mittel könnten verwendet werden, Menschen zu helfen, Wohnraum zu erwerben und einen Ort zum Leben zu finden", sagte Selenskyj bei einem Treffen mit der PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Bank fĂŒr Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Odile Renaud-Basso, in Kiew. Bei den GesprĂ€chen sei es um die UnterstĂŒtzung fĂŒr Menschen gegangen, die im Land zu FlĂŒchtlingen geworden seien, weil sie ihre Wohnungen wegen des Krieges verloren hĂ€tten.

Das sei eine drĂ€ngende Frage fĂŒr Millionen ukrainischer BinnenflĂŒchtlinge, sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Er habe die Regierung angewiesen, innerhalb der nĂ€chsten zwei Wochen ein klares und effektives UnterstĂŒtzungsprogramm fĂŒr die BinnenflĂŒchtlinge einzusetzen.

Renaud-Basso erklĂ€rte in einer Mitteilung nach ihrem inzwischen fĂŒnften Besuch in dem Land seit Kriegsbeginn, dass die EBRD in den fast drei Jahren der großangelegten russischen Invasion 6,2 Milliarden Euro an die Ukraine ĂŒberwiesen habe, davon 2,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Sie sagte auch, dass die UnterstĂŒtzung fĂŒr das Land fortgesetzt werde - etwa auch fĂŒr die Umsetzung von Energieprojekten.

Selenskyj dankt fĂŒr Kampfjets aus Frankreich und Niederlanden

Selenskyj dankte in seiner Videobotschaft fĂŒr die jĂŒngsten Waffenlieferungen der VerbĂŒndeten des Landes. Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron habe die Vereinbarung erfĂŒllt, die ukrainische Luftwaffe mit Mirage-Kampfjets zu verstĂ€rken. Die Maschinen sind nach französischen und ukrainischen Angaben nun geliefert worden. Das werde helfen, mehr KampfeinsĂ€tze zu absolvieren, sagte Selenskyj. Bedeutend sei zudem die Lieferung von F-16-Kampfjets US-amerikanischer Bauart aus den Niederlanden, sagte Selenskyj. StĂŒckzahlen nannte er nicht.

Moskauer Politiker: Baldiges Treffen Putins mit Trump

Kremlchef Wladimir Putin und US-PrĂ€sident Donald Trump könnten sich nach Angaben aus Moskau schon bald treffen, um ĂŒber den Konflikt um die Ukraine zu sprechen. Der prominente russische Außenpolitiker Leonid Sluzki erwartet ein Treffen schon in nĂ€chster Zeit. "Februar oder MĂ€rz, wir wollen nicht raten und den beiden FĂŒhrern die Möglichkeit geben, sich darauf sorgfĂ€ltig und allumfassend vorzubereiten, aber es wird bald stattfinden", sagte Sluzki, der Chef des AuswĂ€rtigen Ausschusses der Staatsduma ist, der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Die Vorbereitungen auf das Treffen seien in einem "fortgeschrittenen Stadium".

Bisher erklĂ€rten sich Trump und Putin nur immer wieder öffentlich bereit, sich bei einem Treffen ĂŒber eine Lösung des Ukraine-Konflikts zu verstĂ€ndigen. Aber ein Ort oder ein Datum fĂŒr solche GesprĂ€che gibt es bisher nicht. Der Kreml hatte bislang nur bestĂ€tigt, dass es inzwischen Kontakte zwischen der russischen und der US-Seite gebe, aber keine Details genannt.

Sluzki, der 2022 auch an den ersten Verhandlungen fĂŒr eine Lösung in dem Konflikt beteiligt war, Ă€ußerte nun die Hoffnung, dass das Treffen der beiden PrĂ€sidenten konstruktiv verlaufen wird. "Dabei geht es um die Ukraine, den Nahen Osten und ganz allgemein um Fragen der Weltpolitik und der internationalen Beziehungen in naher Zukunft. Ich bin mir sicher, dass dieses Treffen ein Meilenstein sein wird", sagte Sluzki.

Auflösung von US-Taskforce gegen russische Oligarchen

Derweil ordnete die US-Justizministerin Pam Bondi die Auflösung einer Strafverfolgungseinheit des Ministeriums zur Durchsetzung von Sanktionen gegen russische Oligarchen an. Die in der Taskforce "KleptoCapture" tĂ€tigen Mitarbeitenden sollen zu ihren ehemaligen Posten zurĂŒckkehren und die eingesetzten Ressourcen zur BekĂ€mpfung von Drogen-Kartellen und transnationalen kriminellen Organisationen eingesetzt werden. Das geht aus einem von Bondi unterzeichneten Memorandum hervor, das Medienberichten zufolge am Donnerstag (Ortszeit) öffentlich bekannt wurde.

Die Taskforce "KleptoCapture" wurde nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 unter dem damaligen US-Justizminister Merrick Garland ins Leben gerufen, um "korrupte russische Oligarchen zur Rechenschaft zu ziehen", wie es in einer Mitteilung des Ministeriums aus der Zeit hieß. Die Einheit sollte demnach dabei helfen, die Sanktionen und ExportbeschrĂ€nkungen durchzusetzen, die die USA und andere Staaten als Reaktion auf Russlands Angriff eingefĂŒhrt hatten.

Russland hatte die Ukraine im Februar 2022 ĂŒberfallen und fĂŒhrt seither einen von Tod und Zerstörung gezeichneten Angriffskrieg gegen das Nachbarland.

@ dpa.de