Mit heimischen Waffen in die Freiheit - Nacht im Ăberblick
31.01.2024 - 06:00:07"Die heimische Produktion von Drohnen, Artilleriegeschossen und MilitĂ€rfahrzeugen ist buchstĂ€blich die Produktion unserer Freiheit, der Freiheit der Ukrainer und der Ukraine", sagte der 46-JĂ€hrige am Dienstag in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Dabei gehe es auch um die wichtige Herstellung von Drohnen mit gröĂerer Reichweite. Details nannte Selenskyj nicht.
"Unter den Bedingungen eines groĂangelegten Krieges ist Gewalt die einzige Basis fĂŒr Freiheit", sagte Selenskyj. Er hatte immer wieder erklĂ€rt, dass Russland, das den Krieg am 24. Februar 2022 begonnen hatte, auf dem Schlachtfeld besiegt werden mĂŒsse. Nur so kann aus Sicht Selenskyjs die russische Aggression dauerhaft gestoppt werden. Die Lage an der Front bezeichnete er erneut als schwierig.
Der ukrainische Staatschef bekrĂ€ftigte einmal mehr auch in seiner Videobotschaft, dass eine Mitgliedschaft in der Nato fĂŒr das Land "unverĂ€nderliche PrioritĂ€t" habe. Selenskyj empfing den frĂŒheren Nato-GeneralsekretĂ€r Anders Fogh Rasmussen in Kiew. Rasmussen dankte Selenskyj, dass er das Thema Ukraine international auf der Tagesordnung halte. Die Ukraine kĂ€mpfe nicht nur um ihre, sondern um die Freiheit aller, sagte Rasmussen.
Der DĂ€ne habe PlĂ€ne vorgestellt fĂŒr eine neue internationale Taskforce zur euro-atlantischen Integration der Ukraine, berichtete Selenskyj. Details nannte er nicht. Als vollwertiges Nato-Mitglied werde das durch den Kampf gegen Russland erfahrene Land das Potenzial des MilitĂ€rbĂŒndnisses erheblich verbessern, meinte er.
Russland nennt das Streben der Ukraine in die Nato als einen Grund fĂŒr seinen Angriffskrieg. Der Machtapparat in Moskau sieht sich nach offiziellen Angaben bedroht in seiner Sicherheit, sollte das Nachbarland dem westlichen MilitĂ€rbĂŒndnis beitreten. Kremlchef Wladimir Putin hatte immer wieder erklĂ€rt, eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine unter allen UmstĂ€nden verhindern zu wollen. Absehbar ist die Aufnahme des Landes in die Allianz bisher nicht.
In BrĂŒssel GesprĂ€che ĂŒber weitere Hilfen fĂŒr Ukraine
In BrĂŒssel setzen an diesem Mittwoch die EU-Verteidigungsminister bei einem informellen Treffen die GesprĂ€che zum weiteren Vorgehen bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine fort. Dabei geht es auch um einen Meinungsaustausch ĂŒber die Verteidigungsbereitschaft der EU sowie um Projekte zur StĂ€rkung der RĂŒstungsindustrie. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius lĂ€sst sich durch StaatssekretĂ€rin Siemtje Möller vertreten.
Auch bei einem informellen Abendessen vor dem EU-Sondergipfel am Donnerstag soll es um weitere finanzielle Hilfen fĂŒr die Ukraine gehen. EU-RatsprĂ€sident Charles Michel hat dazu Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und zahlreiche andere Staats- und Regierungschefs eingeladen.
Orban pocht vor Sondergipfel zu EU-Ukraine-Hilfen auf ZugestÀndnisse
Der ungarische Regierungschef Viktor Orban hat kurz dem EU-Sondergipfel zu milliardenschweren Finanzhilfen fĂŒr die Ukraine seine Ablehnung der aktuellen PlĂ€ne bekrĂ€ftigt. Er stellte Bedingungen fĂŒr eine Einigung. Ungarn sei bereit, Teil einer Lösung zu sein, sagte er dem französischen Magazin "Le Point". Voraussetzung sei allerdings, dass man jedes Jahr neu darĂŒber entscheide, ob man weiter Geld schicken wolle oder nicht.
VorwĂŒrfe, dass er die anderen EU-Staaten mit einem Veto erpressen wolle, wies Orban zurĂŒck. Jetzt fĂŒr die Ukraine 50 Milliarden Euro fĂŒr den Zeitraum bis Ende 2027 fest zuzusagen, könnte den BĂŒrgern seiner Meinung nach den Eindruck vermitteln, dass ihre Stimme keine Rolle spiele, sagte er mit Blick auf die im Juni anstehenden Europawahlen.
Ăber neue EU-Finanzhilfen fĂŒr die Ukraine hĂ€tte eigentlich bereits beim EU-Gipfel im Dezember entschieden werden sollen. Dort brauchte es allerdings einen Konsens; und Orban verhinderte den Beschluss mit einem Veto. Er hatte zuvor mehrfach die Sinnhaftigkeit der PlĂ€ne infrage gestellt und in diesem Zusammenhang auch darauf verwiesen, dass die EU aus seiner Sicht zu Unrecht fĂŒr sein Land vorgesehene Gelder aus dem Gemeinschaftshaushalt eingefroren hat.
Ob bei dem Gipfel am Donnerstag ein Kompromiss gefunden werden kann, ist unklar. EU-Staaten wie Deutschland und Polen haben nach Angaben von EU-Diplomaten zuletzt klar ausgeschlossen, dass Orban ein jĂ€hrliches ĂberprĂŒfungsrecht fĂŒr die Ukraine-Hilfen eingerĂ€umt wird. Sollte bei dem von Michel angekĂŒndigten Abendessen keine Lösung mit Ungarn gefunden werden, wollen die anderen EU-Staaten im 26er-Kreis - also ohne Ungarn - handeln.
Was am Mittwoch wichtig wird
An der Front im Osten und im SĂŒden verteidigt sich die Ukraine weiter gegen russische Versuche, in den Gebieten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja weiter vorzudringen. Die russischen StreitkrĂ€fte sehen sich im Donbass seit Wochen in der Offensive mit einem Vordringen auch in Teile der Region Charkiw.

