ROUNDUP, Ukraine

Die Ukraine will an russisches Vermögen - Die Nacht im Überblick

08.02.2024 - 06:35:04

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat eine Übertragung aller eingefrorenen russischen Vermögenswerte an sein Land gefordert.

"Alles sollte beschlagnahmt und fĂŒr die Terrorabwehr verwendet werden", sagte Selenskyj am Donnerstagabend in einer Videoansprache. Die Ukraine arbeite mit ihren Partnern energisch daran, dass eine Entscheidung ĂŒber russische Vermögenswerte getroffen wird. Diese mögliche Finanzierungsquelle wird fĂŒr das seit fast zwei Jahren unter Russlands Angriffskrieg leidende Land auch wichtiger, weil andere GeldflĂŒsse stocken. Ein milliardenschweres Hilfspaket scheiterte zuletzt im US-Senat am innenpolitischen Streit zwischen Republikanern und Demokraten.

In der Nacht auf Donnerstag schickte Russland wieder zahlreiche Kampfdrohnen gegen ukrainische Gebiete los. Luftalarm herrschte nach Mitternacht unter anderem im Gebiet Odessa am Schwarzen Meer. Zu EinschlĂ€gen und SchĂ€den war zunĂ€chst nichts bekannt. Der ukrainische Generalstab in Kiew berichtete am Mittwoch von 80 russischen Sturmangriffen. "Die operative Lage im Osten und SĂŒden der Ukraine bleibt schwierig", hieß es zur Lage an der Front.

Explosion auf TestgelÀnde einer russischen Raketenfabrik

Auf dem TestgelĂ€nde einer russischen RĂŒstungsfabrik 1000 Kilometer östlich von Moskau ereignete sich nach Medienberichten am Mittwochabend eine schwere Explosion. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass bestĂ€tigte den Vorfall. Die Explosion und die FeuersĂ€ule, die in sozialen Netzwerken zu sehen seien, stammten aber nicht von einem Unfall, sondern vom planmĂ€ĂŸigen Test eines Raketenantriebs. Das meldete die Agentur unter Berufung auf den örtlichen Katastrophenschutzschutz. UnabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfbar war diese Darstellung zunĂ€chst nicht.

Den Berichten nach ereignete sich die Explosion auf einem GelĂ€nde, das zur Maschinenbaufabrik von Wotkinsk in der Teilrepublik Udmurtien gehört. In der Fabrik werden unter anderem russische nukleare Interkontinentalraketen gebaut. Hinweise auf eine Verantwortung der Ukraine fĂŒr die Explosion gab es zunĂ€chst nicht. In den vergangenen Wochen hat die Ukraine verstĂ€rkt Anlagen der russischen Öl- und Gasindustrie mit Drohnen aus der Ferne angegriffen.

Ukraine reklamiert eingefrorene russische Vermögen fĂŒr sich

Über russische Vermögenswerte, die im Ausland eingefroren sind, sprach Selenskyj in Kiew auch mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. "Wir brauchen wirklich eine einheitliche und starke Entscheidung", sagte Selenskyj. "Eine Entscheidung, die beweist, dass wir gemeinsam das Völkerrecht achten und keine RĂŒcksicht auf den terroristischen Staat nehmen." Nach frĂŒheren Angaben Selenskyjs geht es um eine Summe von geschĂ€tzt 300 Milliarden US-Dollar (278 Milliarden Euro).

In der EU gibt es PlĂ€ne, der Ukraine in einem ersten Schritt die ErtrĂ€ge eingefrorener Guthaben der russischen Zentralbank zukommen zu lassen. Auch dies wĂŒrde bereits einige Milliarden Euro im Jahr bedeuten. Als rechtlich schwieriger gilt eine Enteignung russischer Vermögenswerte. Auch die Gruppe sieben großer demokratischer Industrienationen (G7) will russisches Geld fĂŒr die Ukraine nutzen. Die USA und Großbritannien gehen bei diesen PlĂ€nen voran.

Hilfspaket fĂŒr Ukraine scheitert im US-Senat

Die Demokraten von US-PrĂ€sident Joe Biden scheiterten im Senat mit einem milliardenschweren Hilfspaket fĂŒr die Ukraine. Wie erwartet bekam ein Gesetzesentwurf, der auch Hilfen fĂŒr Israel und schĂ€rfere Regelungen in der Einwanderungspolitik enthĂ€lt, bei einer Abstimmung in der Parlamentskammer am Mittwoch nicht die notwendige Mehrheit. Die Republikaner blockierten den Entwurf. Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump, der fĂŒr die Republikaner erneut ins Weiße Haus einziehen will, hatte zuvor Stimmung gegen die Einigung gemacht.

Die Freigabe neuer US-Hilfen fĂŒr die Ukraine wird vom innenpolitischen Streit zwischen Demokraten und Republikanern im Parlament blockiert. Am Sonntag hatten Senatoren einen Vorschlag fĂŒr ein Hilfspaket von 118 Milliarden US-Dollar vorgelegt. Es enthielt MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine und Israel ebenso wie Mittel fĂŒr einen besseren Schutz der SĂŒdgrenze der USA gegen illegale Migration. Am Montag teilte die republikanische FĂŒhrung im ReprĂ€sentantenhaus aber mit, sie halte jede PrĂŒfung des Entwurfs fĂŒr Zeitverschwendung. Auch der US-Senat solle ihn ablehnen.

IAEA-Chef Grossi erkundet Lage im AKW Saporischschja

Der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, besuchte derweil erneut das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im SĂŒden der Ukraine. Es war sein vierter Besuch in der grĂ¶ĂŸten Atomanlage Europas seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. Grossi Ă€ußerte sich nicht zu seinen Befunden. Es sei um den Schutz der Anlage, die nukleare Sicherheit, den Zustand der Reaktoren und der KĂŒhlanlage sowie um die Qualifikation der Bedienmannschaft und andere Aspekte gegangen. "Solange dieser Konflikt nicht endet, ohne dass es einen Atomunfall mit radiologischen Konsequenzen gibt, können wir nicht sagen, dass unser Job getan ist", sagte er.

Russische Truppen halten das AKW mit sechs 1000-Megawatt-Reaktoren seit Anfang MĂ€rz 2022 besetzt. Die Weltöffentlichkeit ist alarmiert, weil die Anlage immer wieder beschossen wurde. Die russische und die ukrainische Seite machten sich dafĂŒr gegenseitig verantwortlich. Seit September 2022 sind stĂ€ndig Beobachter der IAEA in dem abgeschalteten Werk, haben aber nach eigenen Angaben nicht ĂŒberall Zugang.

Das wird am Donnerstag wichtig

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) besucht die USA. MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine ist dabei ein wichtiges Thema neben der Lage im Nahen Osten und dem kommenden Nato-Gipfel im Sommer. Am Donnerstagabend ist zunĂ€chst ein Treffen mit Kongressabgeordneten der Demokratischen Partei von PrĂ€sident Joe Biden und der Republikanischen Partei von Ex-PrĂ€sident Trump geplant. Am Freitag trifft Scholz dann Biden im Weißen Haus.

@ dpa.de