ROUNDUP, Ukraine

Ukraine fordert Reaktion auf Nordkoreas Hilfe fĂŒr Russland

21.10.2024 - 08:09:48

Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj wertet die militÀrische Zusammenarbeit Russlands und Nordkoreas als neue Eskalationsstufe in Moskaus Angriffskrieg gegen sein Land.

"Wir mĂŒssen reagieren und gegensteuern. Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass das Böse weiter zunimmt", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. "Wenn die Welt jetzt schweigt und wir an der Front genauso regelmĂ€ĂŸig mit nordkoreanischen Soldaten konfrontiert werden, wie wir uns gegen Drohnen verteidigen, nĂŒtzt das niemandem auf dieser Welt und verlĂ€ngert nur diesen Krieg."

Moskau weist Berichte aus der Ukraine und SĂŒdkorea, die sich unter anderem auch auf Satellitenaufnahmen berufen, ĂŒber die Entsendung von angeblich bis zu 12.000 Soldaten aus Nordkorea ins benachbarte Russland seit Tagen zurĂŒck. Auch von der Nato oder den USA gibt es bisher keine BestĂ€tigung dafĂŒr, dass Nordkorea Soldaten zur VerstĂ€rkung nach Russland geschickt habe.

Allerdings haben Russland und Nordkorea nicht nur eine enge militĂ€rische Zusammenarbeit vereinbart, sondern auch einen Beistand fĂŒr den Fall von Angriffen von außen. Deshalb könnten nordkoreanische Soldaten etwa bei der Verteidigung des von ukrainischen Truppen ĂŒberfallenen russischen Gebiets Kursk zum Einsatz kommen. Die ukrainische Armee hĂ€lt im Raum Kursk seit Anfang August Dutzende Orte besetzt, um den den russischen Invasoren in deren Angriffskrieg eigene Eroberungen entgegenzusetzen.

Warnung vor "gefÀhrlicher Kooperation"

Selenskyj sprach von einer "bösartigen Allianz" und "gefĂ€hrlichen Kooperation" zwischen Russland und Nordkorea. "Leider könnten die InstabilitĂ€t und die Bedrohungen erheblich zunehmen, sobald Nordkorea die Taktiken der modernen KriegsfĂŒhrung erlernt", betonte er. Die VerbĂŒndeten der Ukraine mĂŒssten darauf eine Antwort parat haben, weil nun ein weiterer Staat Kriegsteilnehmer sei und dies zu einer neuen Bedrohung werde. Bisher setzte Kremlchef Wladimir Putin vor allem auf den ukrainischen Nachbarstaat Belarus als Aufmarschgebiet fĂŒr seinen Krieg.

Der Krieg mĂŒsse gerecht und so schnell wie möglich beendet werden, sagte Selenskyj. Er warf einmal mehr auch dem Iran vor, in einer "kriminellen Allianz" mit Russland Drohnen fĂŒr den Krieg gegen sein Land zu liefern. Seit Jahresbeginn habe die Ukraine mehr als 6000 Drohnenangriffe gezĂ€hlt. Die Ukrainer wehren sich mit westlicher MilitĂ€rhilfe seit fast 1.000 Tagen gegen den russischen Angriffskrieg.

Betrugs- und Korruptionsskandal erschĂŒttert Ukraine

Nach einem selbst fĂŒr ukrainische VerhĂ€ltnisse großen Fall von Betrug und Korruption im Justizapparat und Gesundheitswesen kĂŒndigte Selenskyj in seiner Videobotschaft auch eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats an. Im westukrainischen Gebiet Chmelnyzkyj hatten Behörden Ermittlungen gegen fast 50 StaatsanwĂ€lte eingeleitet, die sich einen Behindertenstatus erkauft haben sollen, um etwa einen Kriegseinsatz zu vermeiden.

Wenn sich so etwas abspiele, brauche das Land keine Ă€ußeren Feinde, sagte Selenskyj. "Das ist wirklich ein innerer Feind." Er forderte den Geheimdienst und die Generalstaatsanwaltschaft zum energischen Durchgreifen auf. Der Skandal erschĂŒtterte das Land, nachdem ein Investigativjournalist die Machenschaften öffentlich gemacht hatte.

Mit DollarbĂŒndeln im Bett

Die StaatsanwÀlte bezogen laut dem Medienbericht wohl auch Behindertenrenten. Einige haben sich diese Einstufung demnach schon vor Kriegsbeginn besorgt, weil sie so schwerer entlassen und bei Beförderungen bevorzugt werden können.

Auslöser des Skandals war die Festnahme der Leiterin der medizinisch-sozialen Expertenkommission zur EinschĂ€tzung von Behinderungsgraden im Gebiet Chmelnyzkyj Anfang Oktober. Die Frau, die fĂŒr Selenskyjs Partei im Gebietsrat saß, soll Tausende Ukrainer gegen Schmiergeld als behindert und wehruntauglich eingestuft haben.

Bei Hausdurchsuchungen wurden umgerechnet ĂŒber fĂŒnf Millionen Euro Bargeld beschlagnahmt. Weitere Millionen wurden auf Konten unter anderem im Ausland entdeckt. Der Sohn der Ärztin leitete zudem den Rentenfonds in der Region und war damit fĂŒr die Zahlung von Sonderrenten zustĂ€ndig. Auf einem Foto war zu sehen, wie er mit DollarbĂŒndeln auf einem Bett liegt. Die eingeleiteten Untersuchungen sollen nicht auf die Staatsanwaltschaft des Gebiets Chmelnyzkyj begrenzt bleiben, sondern sich auch auf andere Staatsanwaltschaften erstrecken.

Korruption verbreitet in der Ukraine

Laut der Nichtregierungsorganisation Transparency International gehört die in die EU und Nato strebende Ukraine nach Russland zu den korruptesten Staaten Europas. Im Zuge des seit mehr als zweieinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieges wurden immer wieder Skandale aufgedeckt, in denen sich nicht zuletzt auch MilitÀrs bereicherten.

Nach dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 wurde in der Ukraine eine Mobilmachung angeordnet. MĂ€nner im wehrfĂ€higen Alter zwischen 18 und 60 Jahren dĂŒrfen das Land nur in AusnahmefĂ€llen verlassen. Dagegen können Menschen, die wegen einer Behinderung ausgemustert wurden, ebenso frei ausreisen wie ihre alleinigen Betreuer.

@ dpa.de