ROUNDUP, Flugabwehr

Mehr Flugabwehr fĂŒr Ukraine - und GesprĂ€che mit Trumps Team?

04.12.2024 - 06:35:04

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj will die Truppen an der Front im Osten des Landes mit weiteren Waffenlieferungen der VerbĂŒndeten stĂ€rken.

"Das ist eine direkte AbhĂ€ngigkeit: Je mehr Feuerkraft und je mehr technologische Möglichkeiten unsere Armee hat, desto mehr russisches Angriffspotenzial kann sie vernichten und das Leben unserer KĂ€mpfer schĂŒtzen", sagte der Staatschef in seiner tĂ€glichen Videobotschaft am Abend. Derweil soll in den USA eine ukrainische Regierungsdelegation eingetroffen sein, die laut Medienberichten GesprĂ€che mit dem Team des gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Donald Trump fĂŒhren will.

Der gewöhnlich gut informierte ukrainische Radiosender NV (New Voice) meldete unter Berufung auf diplomatische Quellen, die Delegation bestehe aus PrĂ€sidentenbĂŒrochef Andrij Jermak, Verteidigungsminister Rustem Umjerow sowie Vizeregierungschefin und Wirtschaftsministerin Julia Swyrydenko. Demnach bemĂŒht sich die Gruppe vor allem um einen Draht zu Trumps designiertem US-Sondergesandten fĂŒr die Ukraine und Russland, Keith Kellogg.

Die "Ukrajinska Prawda" berichtete weitgehend das Gleiche, allerdings reiste laut dem Internetportal statt Umjerow einer seiner Stellvertreter mit. Nach offiziell unbestÀtigten Informationen landete der ukrainische Regierungsflieger am Dienstagabend in New York.

Bangen um US-Hilfe - und ein Appell an die Nato-Staaten

Über ReiseplĂ€ne dieser Art war in der ukrainischen Presse bereits seit lĂ€ngerem spekuliert worden. Denn Selenskyjs Regierung muss befĂŒrchten, dass die US-Regierung nach Trumps Amtsantritt im Januar ihre finanzielle und militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine drastisch zurĂŒckfĂ€hrt. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 sind die Vereinigten Staaten mit Abstand der grĂ¶ĂŸte EinzelunterstĂŒtzer und Waffenlieferant des osteuropĂ€ischen Landes, das bislang vergeblich in die EU und Nato strebt. Trump hat mehrfach angedeutet, dass es mit ihm als PrĂ€sident nicht so weitergehen dĂŒrfte.

Über zusĂ€tzliche Waffenlieferungen werde es detaillierte GesprĂ€che mit den Partnerstaaten geben, sagte Selenskyj. Zudem werde die RĂŒstungsproduktion im eigenen Land ausgebaut, nicht nur bei weitreichenden Waffen.

Im Dezember erwarte die Ukraine die Ankunft neuer Flugabwehrsysteme. "Es gibt auch gewisse Sachen, die im Januar fĂŒr unseren Luftschild getan werden könnten", sagte Selenskyj. Bei den Lieferungen dĂŒrfe man nicht zögern. "Der Winter ist eine riesige Verlockung fĂŒr die russischen Terroristen", betonte er mit Blick auf die angelaufene Heizsaison und Russlands wiederkehrende Luftangriffe auf Kraftwerke sowie andere zivile Infrastruktur.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bat bei einem Treffen der Nato-Außenminister in BrĂŒssel um weitere Flugabwehrsysteme vom Typ Hawk, Nasams und Iris-T zum Schutz der ukrainischen Energieversorgung. Diese haben Reichweiten zwischen 25 und 40 Kilometern. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach bei seinem Besuch in Kiew am Montag davon, dass noch im Dezember zwei Iris-T-Systeme und andere Flugabwehrwaffen geliefert werden sollten.

Schwere KĂ€mpfe in der Ostukraine

Derweil stehen die ukrainischen Truppen an der Front im Osten des Landes stark unter Druck. Im jĂŒngsten Bericht des Generalstabs war vor allem von schweren KĂ€mpfen im Donezker Gebiet an den Abschnitten Pokrowsk und Kurachowe die Rede. Mehrere Dutzend russischer Angriffe seien abgewehrt worden. Die russische Luftwaffe habe Gleitbomben auf die Stadt Myrnohrad und andere Ortschaften abgeworfen.

Ukrainische MilitĂ€rexperten hatten zuvor russische Gebietsgewinne im Stadtgebiet von Kurachowe und nordwestlich davon bei Stari Terny gemeldet. Das stark befestigte Dorf befand sich am Abend ĂŒbereinstimmenden Berichten zufolge bereits unter russischer Kontrolle. Offiziell wurde das russische Vordringen nicht bestĂ€tigt. Von unabhĂ€ngiger Seite lassen sich die Angaben beider Kriegsparteien ohnehin kaum ĂŒberprĂŒfen.

Gefechte zwischen russischen und ukrainischen Truppen gab es dem Generalstab zufolge auch an anderen Frontabschnitten. Hervorgehoben wurden KĂ€mpfe im westlichen Teil des Donezker Gebiets um die Siedlung Welyka Nowosilka und in der Region Charkiw bei Kupjansk. Laut ukrainischen MilitĂ€rbeobachtern gelang es den Verteidigern, ĂŒber den Fluss Oskil vorgedrungene russische Einheiten wieder zurĂŒckzudrĂ€ngen.

@ dpa.de