Britischer, Rechnungshof

Britischer Rechnungshof: Ruanda-Asylpakt kostet halbe Milliarde

01.03.2024 - 06:23:05

Der umstrittene Asylpakt zur Abschiebung irregulÀrer Migranten nach Ruanda kostet die britischen Steuerzahler nach EinschÀtzung des Rechnungshofs bis zu einer halben Milliarde Pfund (584 Mio Euro).

Das ist deutlich mehr als bisher bekannt war. Die konservative Regierung hatte bisher Kosten in Höhe von 290 Millionen Pfund bestÀtigt, weigerte sich aber mitzuteilen, wie viel mehr Geld London Ruanda zugesagt hat.

Die Opposition reagierte empört auf die SchĂ€tzungen. "Dieser Bericht deckt den nationalen Skandal offen, den die Tories zu vertuschen versuchen", sagte die innenpolitische Sprecherin der Labour-Partei, Yvette Cooper. Sie betonte, es wĂŒrde voraussichtlich nur ein Prozent der Asylsuchenden mit einigen symbolischen FlĂŒgen nach Ostafrika geschickt, falls der Plan ĂŒberhaupt je in Kraft trete.

Mit dem Asylpakt, der nach Ansicht von Kritikern gegen Menschenrechte verstĂ¶ĂŸt, will Premierminister Rishi Sunak irregulĂ€re Migranten von der Einreise nach Großbritannien abschrecken. Wer ohne die notwendigen Papiere ins Land kommt, soll ohne RĂŒcksicht auf die persönlichen UmstĂ€nde nach Ruanda ausgeflogen werden und kann dort Asyl beantragen. Eine RĂŒckkehr nach Großbritannien ist ausgeschlossen. DafĂŒr will Sunak Ruanda per Gesetz zum sicheren Drittstaat erklĂ€ren lassen. Der entsprechende Entwurf stĂ¶ĂŸt aber im Oberhaus auf Widerstand.

Wie der Rechnungshof nun ermittelte, zahlt London zusĂ€tzlich zu den bereits geflossenen 290 Millionen Pfund in diesem Jahr sowie 2025 und 2026 jeweils 50 Millionen Pfund an Kigali. Sobald die ersten 300 Migranten in Ruanda angekommen sind, werden weitere 120 Millionen Pfund fĂ€llig. Pro Asylbewerber kommen noch einmal mehr als 150 000 Pfund fĂŒr Unterkunft, Verpflegung, Ausbildung und Gesundheitsversorgung hinzu. Inbegriffen seien 11 000 Pfund Flugkosten pro Person. FĂŒr die Ausbildung von SicherheitskrĂ€ften sind 12,6 Millionen Pfund zum Start vorgesehen und anschließend eine Million pro Jahr.

Das Innenministerium rechtfertigte die Kosten. Es sei teurer, nichts zu tun und Migranten weiter fĂŒr viel Geld in Hotels unterzubringen, sagte ein Sprecher.

@ dpa.de