Pharmaindustrie erwartet 2026 Umsatzrückgang von 1,8 Prozent
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Produktion und Beschäftigung
- Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller prognostiziert für 2026 einen Produktionsrückgang von 2,2 Prozent.
- Die deutsche Pharmaindustrie beschäftigt knapp 130.000 Menschen, doch die Mitarbeiterzahl dürfte in diesem Jahr stagnieren.
- Für 2027 erwartet der Verband einen Rückgang der Pharma-Investitionen in Deutschland um 1,8 Prozent.
Die deutsche Pharmaindustrie erwartet wegen des Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump in diesem Jahr Einbußen. Nach der starken Entwicklung 2025 dürfte die Pharmaproduktion 2026 um 2,2 Prozent sinken, der reale Umsatz um 1,8 Prozent.
VFA sieht handelspolitische Folgen
Das geht aus einer Prognose des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zusätzlich zur Unsicherheit durch die US-Handelspolitik belastet nach Einschätzung des Verbands Niedrigwasser die Produktion.
Auch beim Personal erwartet die Branche keine weitere Dynamik. Der Jobaufbau mit knapp 130.000 Beschäftigten in Deutschland sei nahezu zum Erliegen gekommen; die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfte in diesem Jahr stagnieren.
Lieferungen wurden vorgezogen
Im vergangenen Jahr hatte die Pharmabranche von Vorzieheffekten profitiert. Wegen wiederholter Drohungen Trumps mit Arzneizöllen hatten Unternehmen ab Frühjahr 2025 umfangreiche Lieferungen in die USA vorgezogen.
Umsatz und Produktion zogen daraufhin kräftig an. Nach den vorgezogenen Exporten und Produktionsmengen 2025 erwartet der VFA nun eine Gegenbewegung.
USA bleiben wichtiger Absatzmarkt
Trump hatte der Pharmabranche zeitweise mit 100-prozentigen Zöllen auf patentgeschützte Medikamente gedroht. Dazu kam es nicht; nach dem Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington gilt für Arzneien aus Europa eine Zollobergrenze von 15 Prozent.
Die Drohungen sorgten dennoch für Unruhe. Die deutsche Pharmaindustrie liefert rund ein Viertel ihrer Exporte in die USA, wo die Arzneipreise deutlich höher sind als in Europa. Unternehmen wie Merck in Darmstadt haben auf den Druck reagiert und Milliardeninvestitionen in den Vereinigten Staaten zugesagt.
Streit über deutsche Standortkosten
Neben dem Zollstreit kritisiert die Pharmabranche die Sparvorgaben der Politik. Um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten, hat die Bundesregierung Arzneikonzernen mehr als doppelt so hohe Herstellerrabatte für patentgeschützte Medikamente verordnet.
Der VFA warnt, der höhere Herstellerabschlag ab 2027 könne Investitionen und Forschungsausgaben bis 2030 insgesamt um gut vier Milliarden Euro drücken. Für 2027 prognostiziert der Verband einen Rückgang der Pharma-Investitionen in Deutschland um 1,8 Prozent.
Geplante Standortklausel
Die Bundesregierung will die Belastung durch eine geplante Standortklausel verringern. Die Regelung soll an Investitionen, Produktion und klinische Forschung in Deutschland geknüpft werden.
Die gesetzlichen Krankenkassen weisen die Kritik der Pharmabranche zurück. Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, sagte jüngst der dpa, die Pharmaindustrie verdiene in Deutschland sehr gut und werde dies auch mit der aktuellen Gesetzgebung tun.
Die VFA-Prognose beschreibt für die deutsche Pharmaindustrie eine Gegenbewegung zu den außergewöhnlich starken Vorzieheffekten des Jahres 2025. Unternehmen hatten Lieferungen in die USA ausgeweitet, nachdem Donald Trump wiederholt mit hohen Zöllen auf patentgeschützte Medikamente gedroht hatte. Dadurch entstand ein Basiseffekt: Auf das starke Vorjahr folgt 2026 eine rechnerische und operative Abschwächung.
US-Markt bleibt zentral
Die Abhängigkeit vom US-Geschäft macht die handelspolitische Unsicherheit für deutsche Hersteller besonders relevant. Rund ein Viertel der deutschen Pharmaexporte geht nach Angaben des VFA in die Vereinigten Staaten. Zugleich gelten die USA wegen höherer Arzneipreise als wirtschaftlich besonders wichtiger Absatzmarkt. Eine Zollobergrenze von 15 Prozent im Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington hat die zeitweise angedrohten 100-Prozent-Zölle zwar abgelöst, beseitigt aber nicht alle Planungsrisiken.
Standort unter Kostendruck
Zum außenwirtschaftlichen Druck kommen höhere Herstellerrabatte für patentgeschützte Medikamente in Deutschland. Der VFA warnt deshalb vor geringeren Investitionen und Forschungsausgaben bis 2030. Die geplante Standortklausel soll die Belastung an Investitionen, Produktion und klinische Forschung im Inland knüpfen. Für Beschäftigte und Regionen mit Pharma- und Zulieferstandorten bedeutet die aktuelle Prognose vor allem, dass der bisherige Wachstumskurs vorerst nicht fortgesetzt wird.
