Deutsche Bahn, Bahnpreise

Bahnpreise: VZBV meldet 456 Prozent Aufschlag in Ferien

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht bei Ferienreisen regelmäßig höhere Ticketpreise und verlangt eine nachvollziehbarere Preisgestaltung. Die Deutsche Bahn verweist auf nachfrageabhängige Preise und schnell ausverkaufte günstige Kontingente.

VZBV-Auswertung erfasst 2.479 Bahnverbindungen

  • Der VZBV verglich Verbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main.
  • Die Auswertung umfasste täglich erfasste Direktverbindungen von Juni 2024 bis April 2026.
  • In der Hälfte der untersuchten Fälle lagen Super-Sparpreise zu Ferienbeginn mindestens 21 Prozent höher.
ICE T auf Bahnstrecke (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

VZBV kritisiert Preisunterschiede zu Ferienbeginn

Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert höhere Preise für Zugtickets während der Ferien und fordert mehr Transparenz bei der Preisgestaltung der Deutschen Bahn. Nach einer VZBV-Auswertung lagen die Preise am ersten Feriensamstag in 62 Prozent der untersuchten Strecken- und Ferienkombinationen über dem Niveau des Samstags der Vorwoche.

Unterschiede bei Sparpreisen

Über alle untersuchten Ferienzeiträume und Strecken hinweg lagen die Preise für den Super-Sparpreis zu Ferienbeginn in der Hälfte der Fälle mindestens 21 Prozent über dem Vergleichswert. VZBV-Vorständin Ramona Pop sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, Reisende müssten die Kosten verlässlich einschätzen können.

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Extremfall bei Berlin-München

Den größten Aufschlag beobachtete der Verband in den Weihnachtsferien 2024. In der Hälfte der untersuchten Fälle lagen die Super-Sparpreise am ersten Feriensamstag mindestens 156 Prozent über denen der Vorwoche.

Auf der Strecke Berlin-München stieg der untersuchte Super-Sparpreis zum Beginn der Berliner Winterferien 2025 von 17,99 auf 99,99 Euro. Das entsprach einem Anstieg um 456 Prozent.

Bahn weist Vorwurf zurück

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wies den Vorwurf der Intransparenz zurück. Wer in der Buchungsmaske sein Alter sowie Ermäßigungen wie BahnCard oder Deutschland-Ticket angebe, erhalte das für ihn passende günstigste Angebot.

Die Höhe der Ticketpreise hänge vor allem von der Nachfrage ab, erklärte die Bahn. Rund um Ferien seien die günstigsten Angebote ähnlich wie bei Flugzeugen oder Hotels schnell ausverkauft.

Datengrundlage der Untersuchung

Für die Analyse erfasste der VZBV zwischen Juni 2024 und April 2026 täglich die günstigsten verfügbaren Direktverbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main.

Berücksichtigt wurden tagsüber verkehrende Verbindungen der zweiten Klasse mit einer Vorbuchungsfrist von drei Wochen. Grundlage waren 2.479 Verbindungsabfragen.

Die Debatte über Ferienpreise berührt ein strukturelles Merkmal des Fernverkehrs: Die Deutsche Bahn staffelt ihre kontingentierten Sparpreise nach erwarteter Nachfrage. In stark nachgefragten Zeitfenstern können günstige Kontingente deshalb schneller ausverkauft sein, während später nur teurere Angebote verfügbar bleiben.

Für Reisende entsteht daraus ein Spannungsfeld zwischen Auslastungssteuerung und Planbarkeit. Die VZBV-Auswertung betrachtet nicht nur einzelne Extremfälle, sondern 2.479 Verbindungsabfragen über einen längeren Zeitraum. Besonders relevant ist der Vergleich mit dem Samstag der Vorwoche, weil er zeigt, wie stark Ferienbeginn und Nachfragezeitpunkt den Preis derselben oder einer vergleichbaren Verbindung beeinflussen können.

Preissystem und Verbraucherinformation

Die Bahn verweist auf Nachfrage, Auslastung sowie die Berücksichtigung von Alter, BahnCard und Deutschland-Ticket in der Buchungsmaske. Der VZBV zielt dagegen auf die Nachvollziehbarkeit der Preisbildung: Reisende sollen besser einschätzen können, warum ein Ticket zu einem bestimmten Zeitpunkt erheblich mehr kostet. Für Verbraucher bedeutet die Untersuchung vor allem, Abfahrtszeiten und Buchungstage möglichst früh zu vergleichen und nicht nur einen einzelnen Preis abzurufen.

Politisch und verbraucherrechtlich steht damit weniger die Existenz dynamischer Preise als deren Verständlichkeit im Mittelpunkt. Sollten Preisunterschiede rund um Ferien regelmäßig auftreten, gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Informationen über Kontingente, Nachfrage und verfügbare Alternativen direkt während der Buchung angezeigt werden.

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