Baustoffhersteller Knauf: Keine UnterstĂŒtzung fĂŒr Russland
28.05.2025 - 11:49:07"Insbesondere widersprechen wir dem Vorwurf, Knauf wĂŒrde wissentlich den Bau und Betrieb von Nuklearwaffenbasen durch direkte Produktlieferungen unterstĂŒtzen", teilte das Unternehmen mit Sitz im frĂ€nkischen Iphofen mit.
Hintergrund ist ein "Spiegel"-Bericht, wonach Knauf-Material wie Gips oder Zement fĂŒr den Ausbau von russischen AtomwaffenstĂŒtzpunkten genutzt worden sein könnte.
RĂŒckzug nach 30 Jahren lĂ€uft
Das Familienunternehmen hatte vor mehr als einem Jahr angekĂŒndigt, sich nach mehr als 30 Jahren aus Russland zurĂŒckzuziehen, wo es mehrere Tochtergesellschaften unterhĂ€lt. Doch vollzogen ist dieser Schritt bisher nicht. "Unsere GesprĂ€che dazu sind inzwischen bereits weit fortgeschritten", heiĂt es.
"Das Verfahren, in das verschiedene zustĂ€ndige Behörden einbezogen sind, ist regulatorisch hochkomplex und erfordert diverse und recht langwierige Genehmigungen in verschiedenen Jurisdiktionen." Die GesprĂ€che wĂŒrden vertraulich gefĂŒhrt, Details könnten noch nicht veröffentlicht werden.
Allerdings flössen seit dem April 2024 keine Gewinne mehr der russischen Töchter nach Deutschland.
Westliche Unternehmen, die ihre Tochtergesellschaften in Russland verkaufen wollen, mĂŒssen dafĂŒr hohe AbschlĂ€ge hinnehmen. Der Kreml hat angeordnet, dass solche Firmen nur zu maximal 60 Prozent des ohnehin niedrigen SchĂ€tzwertes verkauft werden dĂŒrfen. Und darauf sind noch 35 Prozent Steuern und Abgaben fĂ€llig.
Keine Kontrollen von HĂ€ndlern in Russland
Knauf beteuert, stets im Einklang mit den geltenden Sanktionen zu handeln. "Auch den Vorwurf, Knauf hĂŒlfe dem russischen Staat aktiv bei der Umgehung von Sanktionen, weisen wir entschieden zurĂŒck." Die russischen Tochtergesellschaften des Unternehmens mĂŒssten sĂ€mtliche Produkte fĂŒr den lokalen Markt eigenstĂ€ndig herstellen - und verkauften nahezu ausschlieĂlich an den unabhĂ€ngigen Baustoffhandel.
Die Töchter hĂ€tten allerdings keine Möglichkeit, diese HĂ€ndler anzuweisen, mit welchen Kunden sie GeschĂ€ftsbeziehungen unterhalten dĂŒrfen - sprich: Wo die Produkte der Knauf-Töchter letztlich landen, ist ungewiss.
Knauf-Produkte nicht fĂŒr Waffensysteme vorgesehen
Die Baustoffe von Knauf seien weder dafĂŒr vorgesehen noch dazu geeignet, Waffensysteme einsatzfĂ€hig zu machen bzw. zu halten, so Knauf. Das Unternehmen habe auch keine vertraglichen Beziehungen mit dem russischen Verteidigungsministerium oder mit Behörden, die dem Ministerium unterstehen. "Entsprechend verkauft und liefert Knauf auch keine Produkte an solche Stellen."
Die Knauf Gruppe will in Russland ihr gesamtes GeschĂ€ft loswerden, inklusive Rohstoffgewinnung, Produktion und Vertrieb. Mehr als 4000 Mitarbeiter sind dort fĂŒr den Konzern beschĂ€ftigt.
Die geplante Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zustÀndigen Behörden in Russland.
Werke in der Ukraine
Der Familienkonzern, der 2022 mit rund 15,4 Milliarden Euro Umsatz zu den gröĂten Baustoffherstellern weltweit zĂ€hlte, steht seit Jahren wegen seiner Russland-GeschĂ€fte in der Kritik. Die Franken betonen immer wieder, seit Februar 2022 keine Waren mehr nach Russland zu liefern und auch nichts mehr aus Russland zu exportieren.
Das Unternehmen, das sich komplett im Besitz der Familie Knauf befindet, ist in etwa 90 LĂ€ndern vertreten und betreibt nach eigenen Angaben hunderte Werke mit rund 40 000 BeschĂ€ftigten auf allen fĂŒnf Kontinenten.
Auch in der Ukraine ist Knauf aktiv und unterhÀlt ein Werk in Kiew mit etwa 420 Mitarbeitenden. Im Westen des Landes sei mit dem Bau von zwei neuen Werken begonnen worden, ein Gipsputzwerk und ein Gipsplattenwerk.

